Spendenregal zieht nicht nur Bedürftige an

Mit dem Spendenregal an der Brüdernkirche St. Ulrici gibt es Probleme. Es zieht nämlich nicht nur Bedürftige an.

von Anke Donner


Das Spendenregal an der Brüdernkirche in Braunschweig.
Das Spendenregal an der Brüdernkirche in Braunschweig. Foto: Axel Otto.

Braunschweig. Das Spendenregal der Initiative Schrill und des Theologische Zentrums an der Brüdernkirche St. Ulrici soll eigentlich dazu dienen, Bedürftige zu unterstützen. Doch seit einiger Zeit scheinen sich Unbekannte an den Gaben bereichern zu wollen. Denn regelmäßig wird das Spendenregal geplündert. Dabei ist der Bedarf groß, dass sich Bürger mit kleiner Brieftasche hier bedienen können. Und noch etwas sorgt für Unmut.


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"Die Idee zu dem Spendenregal ist durch die Notlage in der Zeit des Lockdowns entstanden, die oft durch Kurzarbeit, Verlust des Arbeitsplatzes und vieles mehr entstanden ist. Zuerst stand das Regal, was ursprünglich "Gabenzaun" hieß, bei Karstadt. Als die ersten Lockerungen stattfanden, wollte Karstadt das Regal allerdings nicht mehr vor seiner Tür haben und man musste innerhalb kürzester Zeit umziehen", erklärt Pfarrerin und Direktorin Kerstin Voigt vom Theologischen Zentrum Braunschweig im Gespräch mit dem regionalHeute.de-Redakteur Axel Otto.

Mit dem Verein Schrill e.V., der sich auch für die Bereiche Kunst, Kultur und Bildung engagiert und darüber hinaus Mitorganisator ist, überlegte man sich dann, das Regal an seinen heutigen Standort an der Westfassade des Theologischen Zentrums aufzustellen, wo es seitdem steht. Doch nun müsse vielleicht erneut über einen neuen Standort nachgedacht werden, sagt Pfarrerin Kerstin Vogt, die direkt über dem Regal-Standort ihre Wohnung hat und das Treiben um das Regal hautnah mitbekommt.

Ärger mit Anwohnern


Nachts treffe man oft alkoholisierte Menschen an, die dort teilweise hausen, sehr laut wären und die Grünflächen davor als Toilette missbrauchen. Nicht selten müsse die Polizei einschreiten. Auch die Anwohner würden mittlerweile auf die Barrikaden gehen und sich über den Müll beschweren, der dort hinterlassen wird. Man überlege mittlerweile, die Probleme anzugehen, in dem man gemeinsam mit der Diakonie auf dem Innenhof eine Art Suppenküche für Obdachlose einrichtet und darüber hinaus die Spenden gezielt verteilt. Das Regal müsse weiter gedacht werden.

Ein weiteres Problem ist, dass sich oft professionelle Händler bedienen, um die teils neuwertigen Sachen auf Flohmärkten oder ins Ausland zu verkaufen. Dafür hat Pfarrerin Kerstin Vogt sogar Verständnis. "Spender, die ihre Sachen dort ablegen, müssten wissen, dass die gespendeten Sachen nicht nur für Bedürftige zugänglich sind, auch die Händler sind oft bedürftig und werden damit nicht reich", sagt sie. Das Regal diene auch nicht in erster Linie Obdachlosen, dafür bedarf es eher Decken und mehr Kleidung. Es diene in erster Linie der Nachhaltigkeit, damit gut erhaltene Dinge, wie Kindersitze zum Beispiel für werdende Eltern zur Verfügung stehen und nicht im Müll landen. Man müsse halt damit rechnen, dass dieses niederschwellige Angebot auch anders genutzt werde, so Voigt weiter.


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