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Stadt Braunschweig übernimmt Geschäftsführung der Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt



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Stadt Braunschweig übernimmt Geschäftsführung der Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt

Die interdisziplinären Koordinierungsstelle ist für die gesamte Region zuständig. 51 Behörden, Einrichtungen und Institutionen arbeiten hier zusammen.

Dr. Thorsten Kornblum, Yasemin Wolgast, Roger Fladung, Marion Lenz. (v.l.).
Dr. Thorsten Kornblum, Yasemin Wolgast, Roger Fladung, Marion Lenz. (v.l.). Foto: Stadt BS/Nielsen

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Braunschweig. Die Geschäftsführung der Interdisziplinären Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt (iKOST HG), die nach ihrer Gründung im Sommer 2018 bei der Polizeidirektion Braunschweig angesiedelt war, wechselt nach einem vereinbarten Turnus noch in diesem Jahr zum Gleichstellungsreferat der Stadt Braunschweig. Yasemin Wolgast, die bereits in der Gewaltprävention tätig ist, wird diesen Aufgabenbereich übernehmen. Die iKOST HG ist zuständig für die gesamte Region Braunschweig bestehend aus den Landkreisen Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel sowie den kreisfreien Städten Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg. Das teilt die Stadt Braunschweig in einer Pressemitteilung mit.



„Als Oberzentrum sieht sich die Stadt Braunschweig in der Pflicht, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagt Ordnungs- und Personaldezernent Dr. Thorsten Kornblum. „Braunschweig steht bereits jetzt gut da: In den letzten Jahren haben wir wichtige Maßnahmen und Projekte auf den Weg gebracht. Das Frauenhaus hat die Familienplätze von zehn auf 16 erweitert, eine Täter-Fachberatungsstelle wurde eingerichtet, vorhandene Beratungsstellen werden unterstützt, und das Präventionsprojekt StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt wurde gestartet. Der Runde Tisch Häusliche Gewalt hat die regionale Vernetzung der Akteure weiter intensiviert. Mit Blick auf das nach wie vor vorhandene Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt in der Gesellschaft ist es erforderlich, den Umsetzungsprozess im Blick weiter zu optimieren.“

Zusammenarbeit auf regionaler Ebene beispielhaft


„Braunschweig hat in fast allen von der Istanbul-Konvention geforderten Vorgaben schon Projekte umgesetzt oder begonnen“, stellt die städtische Gleichstellungsbeauftragte Marion Lenz fest. „Auf Bundesebene habe ich den Leitfaden des Städtetages mit erarbeitet. Dabei wurde deutlich, dass vor allem die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene in der interdisziplinären Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt für Deutschland beispielhaft ist.“


Polizeivizepräsident Roger Fladung: „Mit der Übernahme der Aufgaben der Geschäftsstelle der iKOST HG durch die Stadt Braunschweig realisiert sich einer der wichtigsten Meilensteine und Ziele, die wir mit der 2018 ins Leben gerufenen einmaligen Vernetzung von regionalen Partnerinnen und Partner angestrebt haben. Nämlich, eine Zusammenarbeit von 51 Behörden, Einrichtungen und Institutionen, die alle mit ihren selbständigen Organisationen, Programmen und Kompetenzen mit dem Problem der Intervention und Prävention von häuslicher Gewalt befasst sind, so zu bündeln, dass in der Region Braunschweig weitere erfolgreiche Initiativen und Maßnahmen für die betroffenen Menschen geschaffen werden." Vernetzungsstrukturen hätten sich spürbar fortentwickelt und neue Impulse für Verbesserungen würden geschaffen.

Erfolgreiche Arbeit der Polizeidirektion fortführen


Dies alles funktioniere nur mit einer ausgezeichneten, an den gemeinsamen Zielen ausgerichteten Geschäftsstelle, die diese Zusammenarbeit koordiniert. "Ich freue mich, dass die Stadt Braunschweig als Partner dieser Kooperation künftig diese verantwortliche Stelle für die gesamte Region Braunschweig sein wird und die erfolgreiche Arbeit der Polizeidirektion Braunschweig fortführen wird. Die Stadt Braunschweig ist bei der Stärkung der regionalen Zusammenarbeit ein verlässlicher Partner“, so Fladung.

Yasemin Wolgast sieht die weitere Intensivierung der regionalen Zusammenarbeit als einen Schwerpunkt ihrer Arbeit: „Neben der Gewaltprävention, in der ich ja bereits seit 1,5 Jahren tätig bin, ist der Ausbau der Vernetzungsstrukturen ein wichtiger Baustein um die Betroffenen von Häuslicher Gewalt wirkungsvoll zu schützen.“

Zehn Jahre Istanbul-Konvention


Genau zehn Jahre gibt es das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die Istanbul-Konvention. Sie ist das wichtigste völkerrechtliche Instrument, um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu bekämpfen und den Betroffenen Schutz und Unterstützung zu bieten. Es untermauert das grundlegende Menschenrecht von Frauen auf ein Leben ohne Gewalt. Deutschland und weitere Mitgliedsstaaten des Europarates haben die Konvention 2011 in Istanbul unterzeichnet und in der Folgezeit ratifiziert. Sie haben sich damit verpflichtet, auf allen staatlichen Ebenen Gewalt gegen Frauen zu verhindern.

Auch das Präsidium des Deutschen Städtetages hat jede Form von Gewalt gegen Frauen verurteilt und die Bereitschaft der Städte bekräftigt, sich auch weiterhin dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu stellen. Besonderer Fokus muss aus Sicht der Städte dabei auf der Gewaltprävention und dem Ausbau der Vernetzungsstrukturen liegen. In einer Handreichung des Städtetages wurde die Thematik aufbereitet und Best-Practice-Beispiele zur Umsetzung der Istanbul-Konvention aus den Mitgliedstädten zusammengestellt. Der Leitfaden, der unter Mitarbeit der Braunschweiger Gleichstellungsbeauftragten entstand, zeigt, dass sich die Städte bereits seit Jahren durch vielfältiges Engagement vor Ort im Kampf gegen Gewalt an Frauen engagieren und mit zahlreichen Projekten und Maßnahmen Vorgaben der Istanbul-Konvention umsetzen. Deutlich wird aber auch, dass weitergehende Anstrengungen notwendig sind.


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