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Stadt will Passanten mit Laser zählen ***aktualisiert***



Braunschweig

Stadt will Passanten mit Laser zählen ***aktualisiert***

von Robert Braumann


Fußgängerzone, Verkaufsoffener Sonntag, Foto: Sina Rühland
Fußgängerzone, Verkaufsoffener Sonntag, Foto: Sina Rühland Foto: Sina Rühland

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Braunschweig. Seit 2008 erfasst die Braunschweig Stadtmarketing GmbH, unterstützt durch den Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig, die Besucher-Frequenzen an sechs, seit 2010 an acht Punkten der Innenstadt. Doch nach Einschätzung der Verwaltung ist die manuelle Zählung endlich, eine neue Technik soll genauere Daten liefern. Eine neue Lasertechnik könnte schon im Herbst installiert werden.

Ursprünglich sollte mit der Zählung erforscht werden, ob nach Ansiedlung der Schloss-Arkaden die Vitalität der Haupteinkaufsstraßen der Innenstadt zurück geht. Aktuell sei die Frequenzmessung aber auch ein wichtiges Instrument, um Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstadtfrequenzen zu erfassen. Die pauschale Schlussfolgerung, die Frequenzen in den deutschen Innenstädten seien generell rückläufig, kann für Braunschweig nach den erfassten Zahlen nur als fehlerhaft bezeichnet werden, so die Verwaltung. Dennoch seien genauere Daten wünschenswert.

Mit dem Laser in die Zukunft


Mit Blick auf die Digitalisierung und Technisierung der Lebenswelt sowie die Vorteile einer digitalen Zählung, soll die manuelle Erfassung der Passantenströme in der Braunschweiger Innenstadt künftig durch eine technisch innovativere Lösung ersetzt werden. Es soll mit Laser gezählt werden.


So sehen die Laserzähler aus, Foto: PeCo LC frei HQ-1




Ausführender Dienstleister soll die Firma LASE Peco GmbH, die auf entsprechende Erfahrungswerte im Rahmen ähnlicher Projekte (unter anderem Frequenzmessung Osnabrück und Wesel) zurückgreifen kann, werden. Die Kosten würden laut Verwaltung nicht sehr viel höher liegen, als bei einer manuellen Zählung (10.600 Euro zu 8.500 Euro, ohne Personalkosten). Die lasergesteuerte Frequenzmessung würde vollumfänglich die Aspekte Datenschutz und Privatsphäre erfüllen, das heißt es werden keine personenbezogenen Daten erfasst oder gespeichert.

Umfassende Datenlage


Arnulf Wulff, Vertrieb National / International, LASE Peco GmbH, erklärte: "Zur dauerhaften Outdoor-Messung nutzen wir unseren laserbasierten PeCO LC High Laserscanner. Die Counter werden an zum Beispiel an Gebäudefassaden installiert. Wenn die Abhängigkeit „Installationshöhe Counter zur Breite der Fußgängerzone“ stimmt, reicht ein Zählsystem aus, um eine Fußgängerzone in ihrer gesamten Breite zu erfassen. Die Datenübertragung erfolgt kabellos via GSM, “PeCo-GSM“. Die erhobenen Daten sind jederzeit, von jedem Internet-Zugang aus, über ein passwortgeschütztes Demo-Portal ersichtlich, werden gespeichert und sind als excel-, pdf- und csv-Datei für frei wählbare Zeiträume abrufbar. Eine Kalenderfunktion ermöglicht den Eintrag von zum Beispiel stattgefundenen Stadtfesten, tägliche Wetterinformationen werden eingepflegt, die Daten werden unseren Kunden exklusiv zur Verfügung gestellt. Die jährlichen Kosten für den Stromverbrauch liegen unter 50 Euro netto."

Genauere Auswertung - besserer Service


Die Verwaltung erhofft sich durch die neuen Daten ein wesentlich ergiebigeres Kontroll- und Vergleichsinstrument für die Innenstadtentwicklung. Man könne dann Wochentage mit Wochenenden vergleichen, das Wetter berücksichtigen, die Magnetwirkung von Veranstaltungen überprüfen oder auch die Verbesserung von Servicemaßnahmen in der Innenstadt (zum Beispiel Anpassung der Anzahl an Mülleimern und deren Leerungsintervalle an das Besucheraufkommen) erreichen.  Zunächst ist eine Auswertung je Quartal geplant, wobei hier auch die verkaufsoffenen Sonntage Berücksichtigung finden werden.

So geht es los


Nach aktuellem Stand können die Standorte Hutfiltern und Schuhstraße realisiert werden. Mit einer positiven Rückmeldung für den Standort Sack wird in den nächsten Tagen gerechnet. Verhandlungen mit verschiedenen Immobilieneigentümern für den Standort Langer Hof werden geführt. Offen ist im Moment noch der Bereich Damm, da hier bisher keine interessierten Eigentümer von Immobilien gefunden werden konnten, so die Verwaltung.  Aufgrund der baulichen Struktur des Schlossplatzes beziehungsweise der anliegenden Gebäude ist eine Erfassung durch Lasermessgeräte aktuell zu aufwendig – alternative Erhebungsmöglichkeiten sollen deshalb geprüft werden (WLAN-Tracking). Start für das Laser-Projekt könnte bereits im Herbst diesen Jahres sein. Über eine Erweiterung der Technik wird zudem nachgedacht.

***aktualisiert** * Das sagt der Wirtschaftsdezernent


Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa erklärte am Freitag im Wirtschaftauschuss: „Auf Basis der von uns in den vergangenen acht Jahren erhobenen Daten können wir sagen: Die Besucherfrequenzen in der Braunschweiger Innenstadt sind stabil. Nennenswerte Verschiebungen oder strukturelle Frequenzverluste sind nicht zu erkennen. Dies zeigt, dass die vermeintlichen Frequenzverluste, die durch Branchenverbände immer wieder unterstellt werden, so zu den erfassten Tagen für Braunschweig nicht zutreffen. Das ist neben der Investitionssicherheit durch das Zentrenkonzept ein wichtiges Argument für den Standort Innenstadt.“ Ein Rückgang von Frequenzen im Einzelhandel bedeute nicht automatisch einen Rückgang der Zahl der Innenstadtbesucherinnen und -besucher, denn Innenstadt bedeute mittlerweile viel mehr als Einkaufen. Und auch der Rückgang von Frequenzen in den Geschäften sei nicht zwingend negativ, durch die Vorinformation im Internet seien Einkäufer mitunter auch gezielter unterwegs. Wichtig sei es laut Leppa, auch zukünftig eine präzise Datengrundlage zu haben, auf Basis derer man der allgemeinen Verunsicherung durch den Onlinehandel begegnen könne.


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