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Studienabbruch ist nicht immer die schlechteste Alternative

von Alexander Dontscheff


Johanna Kuchling im (nachgestellten) Beratungsgespräch mit Thomas Jusko im Büro am Bienroder Weg 97. Fotos: Alexander Dontscheff
Johanna Kuchling im (nachgestellten) Beratungsgespräch mit Thomas Jusko im Büro am Bienroder Weg 97. Fotos: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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26.01.2017

Region. Seit August 2016 gibt es das Projekt "Wegbereiter - Perspektiven trotz Studienabbruch", das Studenten der TU Braunschweig, TU Clausthal, HBK Braunschweig und Ostfalia berät, wenn diese mit dem Gedanken spielen, ihr Studium abzubrechen oder bereits vorzeitig beendet haben.



Manche Studenten quälen sich - von den Eltern angetrieben - durch ihr Studium, obwohl sie wissen, dass das gar nicht das ist, was sie später mal arbeiten wollen. Andere sind in ihrem Studiengang schlicht überfordert. Gründe gibt es viele, die zu einer Umorientierung führen können. Doch ein Studienabbruch ist bei vielen immer noch ein Tabu-Thema. Dass es dafür keinen Grund gibt, zeigen die "Wegbereiter". Seit dem Start im August 2016 haben die drei Coaches Marcus Voitel, Johanna Kuchling und Inga Möller rund 70 Ratsuchende betreut.


Marcus Voitel, Johanna Kuchling und Inga Möller (v. li.). Foto: Dontscheff


Beratung in drei Phasen


"In einem ersten Schritt geht es darum, dass wir den Leuten zuhören, als jemand, der nicht aus ihrem direkten Umfeld kommt", erklärt Projektleiter Marcus Voitel. "Danach folgt die Orientierungsphase mit einer Standortbestimmung und der Frage wo könnte es hingehen. Und zuletzt stellen wir Kontakte zu möglichen Arbeitgebern her, etwa für ein Praktikum zur Orientierungshilfe", so Voitel weiter. Dazu dient ein großes Netzwerk an Beratungsangeboten.

Großes Netzwerk in der Region


Das Projekt, das zunächst bis Juli 2018 läuft, wird vom Europäischen Sozialfonds durch die NBank und Mittel des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert. Netzwerkpartner sind unter anderem die Agentur für Arbeit,die Arbeitgeberverbände, IHK und Handelskammer sowie einige Städte und Kommunen der Region.


Thomas Jusko. Foto: Dontscheff



Beratung ohne Zielvorgabe


Dass die Berater ohne Zielvorgabe in die Beratungen geben und nur bei der Entscheidung helfen wollen, zeigen die Fälle von drei Studentinnen und Studenten, die am Mittwoch in einem Pressegespräch von ihren Erfahrungen berichteten. Thomas Jusko studierte an der TU Braunschweig Maschienenbau. In der Schule war er gut in Mathematik und Physik und dachte, dass dies etwa für ihn wäre. Doch es stellte sich heraus, dass der Studiengang zu theoretisch war. Zudem hatte er in manchen Fachbereichen Probleme mitzuhalten. Schlechte Noten waren die Folge. "Die Studienberatung konnte mir nicht helfen. Dort wird in erster Linie versucht, einem einen neuen Studiengang zu vermitteln", berichtet der 23-Jährige. Bei den Wegbereitern konnte ihm dagegen geholfen werden. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker.


Elisa Dittmann und Annabelle Sievert. Foto: Dontscheff


"Viele tolle Tipps"


Anders sah der Fall bei Elisa Dittmann aus. Die 23-Jährige studiert an der TU Braunschweig Mathematik und Englisch auf Lehramt. "Während des Studiums habe ich festgestellt, dass es auch andere Berufe mit vielen sozialen Kontakten gibt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht bis an mein Lebensende als Lehrer arbeiten möchte", erzähltDittmann. Ihren Bachelor wollte sie aber in jedem Fall fertig machen. "Im Coaching habe ich dann viele tolle Tipps bekommen, welche beruflichen Möglichkeiten ich außerhalb des Lehrerberufs mit meinem Abschluss habe", berichtet die Studentin. Nun studiert sie weiter bis zum Master.

Auch ihre Mitbewohnerin Annabelle Sievert nutzte das Angebot der Wegbereiter. Die 23-Jährige studierte an der TU Braunschweig bereits acht Semester Umwelt-Ingenieurwesen. "Ein Studium nach vier Jahren abzubrechen, ist kein leichter Schritt", berichtet Sievert. "Aber ich bin einfach nicht mehr weitergekommen." Leichtwar es nicht, das den Eltern beizubringen, zumal sie die erste in der Familie gewesen ist, die studiert hat. Doch nun startet sie im September eine Ausbildung zur technischen Produktdesignerin in Kiel. Und mittlerweile seien auch die Eltern überzeugt, dass es ihrer Tochter damit besser gehen wird.

Die Standorte der Wegbereiter sind in Braunschweig Bienroder Weg 97 und Cyriaksring 10, in Clausthal-Zellerfeld Adolph-Roemer-Straße 2a, Wolfenbüttel Am Exer 45 und in Wolfsburg Robert-Koch-Platz 8a. Weitere Informationen finden Sie unter www.tu-braunschweig.de/wegbereiter-studienabbruch.

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