Stunde der Wintervögel: Das sind die Ergenbisse

In Niedersachsen beteiligten sich knapp 53 Prozent mehr Menschen an der Vogelzählung als im Vorjahr und beobachteten etwa 63 Prozent mehr Vögel.

Auch der Buntspecht ist in so manchem Garten zu finden.
Auch der Buntspecht ist in so manchem Garten zu finden. | Foto: Frank Derer

Region. Die Ergebnisse der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ zeigen ein außergewöhnlich großes Interesse an der Mitmachaktion des NABU und liefern zugleich wertvolle Erkenntnisse zur Situation vieler heimischer Vogelarten. In Niedersachsen beteiligten sich knapp 53 Prozent mehr Menschen an der Vogelzählung als im Vorjahr und beobachteten etwa 63 Prozent mehr Vögel. Das teilt der NABU Südost-Niedersachsen in einer Pressemeldung mit.



„Das ist ein fantastisches Ergebnis, insgesamt ist es die drittgrößte Beteiligung, seit dem Beginn der Vogelzählung im Jahr 2011“, freut sich Nico Ludewig von der NABU-Regionalgeschäftsstelle Südost-Niedersachsen. „Nur die Corona-Jahre brachten noch stärkere Ergebnisse. Dies zeigt eindrucksvoll, wie groß das Interesse an der heimischen Vogelwelt ist“, so Ludewig weiter. „Gleichzeitig liefern die vielen Meldungen eine sehr gute Datengrundlage, um Entwicklungen der heimischen Vogelwelt in unseren winterlichen Gärten besser einschätzen zu können.“

Meise und Spatz dominieren


Wie in den Vorjahren dominierten auch diesmal die bekannten Arten die Zählungen. Der am häufigsten in Niedersachsen gesichtete Vogel ist in diesem Jahr die Kohlmeise. Diese löst den Haussperling im landesweiten Ranking ab. Die Topplatzierung wird überall zwischen diesen beiden Arten ausgefochten und von Blaumeise, Amsel und Buchfink ergänzt, die ebenfalls fast überall das Ranking der Top Fünf „erflattern“.

Die Beteiligung war in diesem Jahr besonders hoch.
Die Beteiligung war in diesem Jahr besonders hoch. Foto: NABU / Sebastian Hennigs


Erwartungsgemäß sind die Ergebnisse insgesamt frei von großen Überraschungen. Die Trends aus der Zwischenbilanz der Vorwoche haben sich bestätigt, jedoch mit regionalen Ausnahmen. Lesen sich die Zahlen für Niedersachsen insgesamt recht positiv, mit einem Vogelzuwachs von etwa 10 Prozent, sieht dies in der Region Südost-Niedersachsen (Landkreise und Städte Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg) nicht ganz so rosig aus.

Gewinner der Region


Doch zunächst einmal zu den Gewinnern in unserer Region: Der Haussperling findet sich trotz eines Rückgangs von zirka 23 Prozent mit insgesamt 8.121 gemeldeten Sichtungen an der Spitze wieder, das Podium wird durch 6.511 gesichtete Kohlmeisen (ein Plus von etwa 20 Prozent) und die Blaumeise mit exakt 4.444 gemeldeten Exemplaren (+ 10 Prozent) komplettiert. Insgesamt wurden 81 verschieden Arten gezählt. Die größten Positivbeispiele darunter sind im Vergleich zum Vorjahr hierzulande die Goldammern mit einem Zuwachs von 116 Prozent. Gefolgt werden diese von Erlenzeisigen (+ 76 Prozent) und Buchfinken (+ 65 Prozent).

Verlierer der Region


Trotz oder wegen der um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Beteiligung an der Zählaktion, relativiert sich jedoch so mancher Wert, da dadurch knappe 35 Prozent mehr Vögel gemeldet wurden. Umso drastischer sind die Rückgänge bei den Verlierern zu bewerten: Statt um erwartbare 38 Prozent zu steigen sind die Sichtungen von Wacholderdrosseln (- 70 Prozent), Kernbeißern (- 60 Prozent) und Sperbern (- 37 Prozent) deutlich zurückgegangen. Insgesamt haben nur sieben Arten die Erwartungen übertroffen, bei den anderen Arten lässt sich ein Rückgang feststellen oder die Daten sind für eine auf die Region bezogene Auswertung nicht reichhaltig genug.

„Die Ursachen müssen wissenschaftlich akribisch aufgearbeitet werden – aber dabei kann es nicht bleiben. Denn wir wissen, dass viele Faktoren zum Artensterben und zum Verlust von Lebensräumen beitragen: Die meisten Singvögel sind auf Insekten als Hauptnahrung angewiesen und bei eben diesen sind erhebliche Rückgänge durch die Klimakrise und die Intensivierung der Landwirtschaft festzustellen. Es fehlt weiter an ausreichend naturnahen Gärten, Blühflächen, Brachen, artenreichem Grünland sowie Feldgehölzen. Hier gilt es dringend gegenzusteuern, dabei sind alle gefragt - Privatpersonen ebenso wie Wirtschaft und Politik“, zeigt sich Ludewig kritisch.

Die nächste Stunde schlägt bald


Schon einfache Maßnahmen wie das Stehenlassen von Grünstreifen am Acker- beziehungsweise Wegesrand oder von Stauden im heimischen Garten über den Winter hinweg können dazu beitragen das Insektenaufkommen zu erhöhen und damit ein höheres Nahrungsangebot für Vögel zu ermöglichen. Alle Ergebnisse der Mitmachaktion können online unter Stunde der Wintervögel – bundesweite Mitmachaktion - NABU eingesehen werden. Die nächste Vogelzählung des NABU findet im Rahmen der Stunde der Gartenvögel vom 8. bis 10. Mai statt.