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Brutale Schläge gegen Mutter: "Ich wollte, dass sie ruhig ist"



Braunschweig | Wolfenbüttel

Brutale Schläge gegen Mutter: "Ich wollte, dass sie ruhig ist"

von Alexander Dontscheff


Der Angeklagte (sitzend) mit seinem Anwalt. Foto: Alexander Dontscheff
Der Angeklagte (sitzend) mit seinem Anwalt. Foto: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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Braunschweig. Am Braunschweiger Landgericht wurde am heutigen Freitag der Prozess gegen einen 20-jährigen Wolfenbütteler fortgesetzt, der im März vergangenen Jahr seine Mutter durch Schläge und Tritte lebensgefährlich verletzt haben soll.



"Ich wollte, dass sie ruhig ist. Ich hoffe, ich habe es geschafft, dass sie nie wieder aufsteht", soll der Angeklagte gegenüber den Polizeibeamten, die zuerst vor Ort waren, wiederholt geäußert haben. Dies sagte eine 24-jährige Polizeikommissaranwärterin heute aus. Sie trafen den Mann mit freiem Oberkörper und stark blutend vor einem Kiosk am Doktorkamp an, wo er "randalierte". Doch die Polizisten konnten ihn schnell beruhigen, und er ließ sich widerstandslos Handschellen anlegen. Aufgrund seiner Äußerungen bezüglich der Mutter wurde schnell Verstärkung angefordert.

Treppenhaus war blutverschmiert


Diese fand die schwer verletzte Frau und mehrere zertrümmerte Zimmer vor. Briefkästen und Treppenhaus seien blutverschmiert gewesen. Dies stamme aber vermutlich vom Angeklagten, der sich beim Durchschlagen eines Sichtfensters einer Innentür verletzt hatte.


Der 20-Jährige sei im Anschluss bei den ersten Vernehmungen im Rettungswagen und später im Krankenhaus sehr gefasst gewesen, berichtete die Polizeikommissaranwärterin. "Es war so erschreckend, dass er einen normalen Eindruck auf mich gemacht hat, wir uns zwischendurch sogar ganz nett unterhalten haben." Gegenüber seiner Tat habe er aber keinerlei Reue gezeigt. Er sei ausgerastet, habe er angegeben.

Ein einschneidendes Erlebnis


Doch wie ist es dazu gekommen? Ein ebenfalls 20-jähriger Freund des Angeklagtenwar am besagten Abend mit in der Wohnung. Man habe zuvor bei Freunden gefeiert, anschließend sei man zusammen in die Wohnung, in der der Angeklagte mit seiner Mutter wohnte. An die Details, wie es zum Stimmungsumschwung kam und wie sich die Auseinandersetzung entwickelt hat, konnte sich der 20-Jährige heute nicht mehr erinnern. Richterin und Staatsanwältin hatten da ihre Zweifel. "Ich frage Sie nicht, was Sie vor einem halben Jahr gefrühstückt haben, sondern nach einem einschneidenden Erlebnis. So etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben. So etwas sollte sich eigentlich im Gedächtnis festbrennen", so die Richterin. Doch der Zeuge konnte seine Aussagen, die er damals gegenüber der Polizei geäußert hatte, nur noch teilweise bestätigen.

Mutter und Sohn hatten gutes Verhältnis



Eigentlich hätten Mutter und Sohn ein offenes, gutes Verhältnis gehabt. Was seinen Freund, den er als "lustig, freundlich und hilfsbereit" beschreibt, so auf die Palme gebracht haben könnte, dafür habe er keine Erklärung. Der Angeklagte selbst hatte ausgesagt, im Streit sei es darum gegangen, dass die Mutter nicht erlaubt hätte, dass der Freund in der Wohnung übernachten darf.

Nie wütend und unkontrolliert


Auch der in Götting lebende Vater des Angeklagten sagte heute aus. Nach der Tat habe der 20-Jährige einige Zeit bei ihm gewohnt, bis er verhaftet wurde, da er gegen seine Auflagen verstoßen hatte. Er habe seinen Sohn nie wütend oder unkontrolliert erlebt. Dieser sei ein offener Mensch, der schnell Freunde findet.

Zu der Frage, wie es zu dem folgenschweren Ausraster gekommen ist, können eventuell die medizinischen Gutachter etwas beitragen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Nach dem heutigen Prozesstag kam es zudem zu einer Aussprache zwischen Mutter und Sohn. Auch habe die Mutter eine Besuchserlaubnis für ihren Sohnim Gefängnis beantragt.

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