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Unterwegs mit mobilen Impfteams - Das passiert in den Altenheimen in Salzgitter



Unterwegs mit mobilen Impfteams - Das passiert in den Altenheimen in Salzgitter

Viele Ehrenämtler legen am frühen Morgen los, um die Impfdosen in die Altenheime zu bringen. Das alles erfordert einen hohen organisatorischen und logistischen Aufwand.

Jede Impfdosis wird kurz vor der Vergabe zubereitet.
Jede Impfdosis wird kurz vor der Vergabe zubereitet. Foto: Johanniter

Salzgitter. "Der Hauptdarsteller liebt es kalt", so oder so ähnlich lassen sich die aktuellen Aktivitäten des mobilen Impfteams der Johanniter in Salzgitter zusammenfassen. Doch gerade in Corona-Zeiten gehört zum Impfen viel mehr als nur ein kleiner Pieks. Der Impfstoff muss bei -70 Grad gelagert und transportiert werden und alle Mitglieder der Impfteams müssen sich regelmäßig testen lassen. Die Johanniter Unfallhilfe berichtet in einer Pressemitteilung über den Alltag im mobilen Impfteam.



Johanniter-Helfer Dennis Tiemann wartet mit dem Stäbchen in der Hand und gibt genaue Anweisungen. „Gerade an die Wand stellen, Kopf nach hinten und ganz wichtig: nicht zucken!“, sagt er, und dann verschwindet der Teststab für den Antigen-Schnelltest auch schon in der Nase der Frau. Ein paar Sekunden später steht bereits die nächste Person an der Wand bereit.

Es ist kurz vor halb acht an diesem Januarmorgen, und im Salzgitteraner Impfzentrum finden sich Mitglieder der Berufsfeuerwehr und der Mobilen Impfteams – Ehrenamtliche der JUH, des DRK, des THW und der DLRG - zur Lagebesprechung ein. Die Stimmung ist entspannt, der Kaffee dampft, dazu gibt es für jeden ein belegtes Brötchen als Frühstück. Zwischendurch muss jeder zum Schnelltest, das ist Routine, an jedem Einsatzmorgen um 7.30 Uhr, also auch heute. In zwei Salzgitteraner Pflegeheimen wird an diesem Tag geimpft: Die Johanniter Sabine Symietz, Dennis Tiemann und Jan Wietbrock fahren gemeinsam mit dem Arzt Dr. Stefan Voges.


1.170 Impfdosen pro Lieferung


Vor dem Aufbruch steht allerdings die Organisation. Jedes Team hat eine eigene Kiste mit Desinfektionsmitteln, Pflastern, Tupfern, Einwegspritzen, Schutzanzügen, Kochsalzlösung, Handschuhen – kurzum: mit allem, was zum Impfen benötigt wird. Vor jeder Abfahrt wird einmal durchgeschaut. Das Wichtigste, der Impfstoff, fehlt aber noch. Wie es sich für einen extravaganten Hauptdarsteller gehört, hat die durchsichtige Flüssigkeit von Biontech/Pfizer ihre Allüren: Sie mag es kalt. Bitterkalt. Das Vakzin kommt in Thermoboxen und liegt im Trockeneis, das minus 70 Grad kalt ist. Fünf Tage dürfen die Ampullen darin auftauen, dann werden sie in einem speziellen Kühlschrank bei plus 5,5 Grad gelagert. In einem Raum, der mit Kameras überwacht wird. Fünf Tage darf man den Impfstoff so aufbewahren, danach ist eine Verwendung verboten. Ganz wichtig: Die Kühlkette darf nie unterbrochen werden. „Jede Charge, die geliefert wird, enthält 195 Ampullen“, erläutert Marcus Spiller von der Salzgitteraner Berufsfeuerwehr. Pro Ampulle werden sechs Dosen angemischt: Das macht insgesamt 1170 Impfdosen pro Lieferung.

„Die älteren Menschen freuen sich richtig, wenn wir kommen.“



Als Sabine Symietz, Dennis Tiemann und Jan Wietbrock schließlich zum Pflegeheim fahren, dämmert es schon. Jan, 22, ist Elektroniker und seit 2018 bei den Johannitern. Sein Arbeitgeber hat ihn für die Einsätze im Mobilen Impfteam freigestellt. Es ist eine dankbare Aufgabe, sagt er. „Die älteren Menschen freuen sich richtig, wenn wir kommen. Die Impfung ist für viele ein Hoffnungsschimmer.“ Jan ist heute dafür zuständig, die Impf-Liste zu kontrollieren. Nur wer auf der Liste steht, wird auch geimpft – kein Listeneintrag, keine Spritze. Während der Pausenraum im Pflegeheim zu einem kleinen Impfplatz umfunktioniert wird und Dr. Voges nebenan die Aufklärungsgespräche mit den Beschäftigten des Pflegeheims führt, rührt eine Mitarbeiterin der Stadt Salzgitter den Impfstoff an. Gemischt mit Kochsalzlösung zieht sie die einzelnen Spritzen auf und legt sie Dr. Voges in die Nierenschale. Sabine Symietz macht sich ebenfalls bereit: Sie assistiert bei der Impfung. Die geht übrigens ganz zügig. Die ganze Organisation, das Desinfizieren, Aufbauen, Umräumen, Anmischen, Kontrollieren, Eintragen, Zurechtlegen, Aufschreiben – eine erstaunliche intensive Vorarbeit kulminiert in einer Tätigkeit, die keine zwei Minuten dauert. Tür auf, Liste kontrolliert, Allergien-Check, kurzes Gespräch, Ärmel hoch, Spritze ansetzen, pieksen, Impfpass wieder in die Hand, Fragen? Nein? Der Nächste bitte!

Ohne Ehrenamtliche geht es nicht


Das alles funktioniert reibungslos. „Die Hilfsorganisationen machen wirklich einen tollen Job“, lobt Marcus Spiller. Ohne Ehrenamtliche ginge es eben nicht. Es hat sich bereits eine Routine eingespielt in diesem ungewöhnlichen Januar 2021. Egal, ob es sich um den organisatorischen Ablauf handelt, um den Impfstoff-Transport, die adäquate Behandlung der Impf-Kandidaten oder den Schnelltest vor jedem Einsatz. Der war übrigens heute früh, wie bisher an jedem Morgen, bei allen Beteiligten negativ.


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