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Verharmlosung der R.A.F.? Kritik an Förderung von Theaterprojekt



Verharmlosung der R.A.F.? Kritik an Förderung von Theaterprojekt

Die FDP-Fraktion lehnt die mittlerweile beschlossene Förderung eines Projektes von krügerXweiss durch die Stadt Wolfenbüttel ab. Die städtische Förderkommission hatte eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

von Alexander Dontscheff


Das Stück soll auf dem Vorplatz des Lessingtheaters aufgeführt werden. Archivbild.
Das Stück soll auf dem Vorplatz des Lessingtheaters aufgeführt werden. Archivbild. Foto: Anke Donner

Wolfenbüttel. Die Stadt Wolfenbüttel wird das Theaterprojekt "Der Prozess II – RAF" von krügerXweiss mit 7.000 Euro fördern. Wie die Stadt mitteilt, habe dies inzwischen der Verwaltungsausschuss beschlossen. Vergangene Woche hatte bereits der Kulturausschuss eine Beschlussempfehlung abgegeben. Doch es gibt auch Kritik. Die Rolle der RAF werde in dem Stück nicht nur verharmlost, sondern positiv gewürdigt, heißt es in einer Pressemitteilung der FDP-Fraktion.



Eine Förderung dieses Projektes mit Steuergeldern Wolfenbütteler Bürger lehne die FDP ab, da das Projekt und seine Zielsetzungen zum Teil nicht auf Tatsachen beruhten, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Rudolf Ordon. In der Projektbeschreibung von krügerXweiss sei von „Isolationshaft“ die Rede, die es nach Ansicht der FDP nicht gegeben habe, denn die inhaftierten Terroristen hätten sich tagsüber in ihrer extra eingerichteten Etage im Gefängnis Stuttgart-Stammheim frei bewegen können, lediglich nachts seien die Zellentüren verschlossen worden. Der Begriff „Isolationshaft“ sei von Sympathisanten ins Spiel gebracht worden, um die öffentliche Meinung aufzubringen.

War die R.A.F. erfolgreich?


Viel schlimmer sei aus Sicht der FDP eine andere Behauptung in der Darstellung des Projektes: Die RAF habe „ziemlich erfolgreich“ gegen den Staat revoltiert. "Indem sie führende Wirtschaftsvertreter wie Hans-Martin Schleier, Karl-Heinz Beckurts, Jürgen Ponto, Detlev Rowedder und auch Polizisten ermordete?", fragt Rudolf Ordon.



"Kultur und Kunst sind frei, dazu gehört auch, dass derartige Projekte durchgeführt werden können, auch im Wolfenbütteler Lessingtheater. Aber diese Art der Kultur mit den Geldern Wolfenbütteler Bürgerinnen und Bürger zu fördern widerspricht dem Kulturverständnis der Liberalen", so die FDP abschließend. Laut Förderantrag soll das Stück außer in Wolfenbüttel unter anderem auch in Braunschweig und Hannover zu sehen sein.

Stadt äußert sich inhaltlich nicht zu den Vorwürfen


Die Stadt Wolfenbüttel wollte sich inhaltlich nicht zu den Vorwürfen äußern. Auf Anfrage von regionalHeute.de heißt es lediglich: "Die Anträge der Antragstellerinnen und Antragsteller, die eine Projektförderung ab 2.000 Euro beantragen, werden der städtischen Förderkommission zur neutralen Bewertung übermittelt. Die Verwaltung ist durch die Politik daran gehalten, jeden Antrag gemäß der städtischen Richtlinien zur Beratung auf den Weg zu bringen. Die städtische Förderkommission, die sich aus Ratsmitgliedern aller Fraktionen sowie externen Fachleuten verschiedener Sparten zusammensetzt, bewertet den Antrag und gibt eine individuelle Empfehlung für den Antrag ab. In diesem Fall wurde dem Antrag in der beantragten Höhe mehrheitlich zugestimmt." Auch Bürgermeister Thomas Pink in seiner Funktion als Vorsitzender der Förderkommission habe dem nichts weiter hinzuzufügen.


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