Region. Nahezu tagtäglich berichtet regionalHeute.de über schwere Straftaten, die in der Region begangen werden. Darunter nicht selten Morde, versuchte Tötungsdelikte oder schwere Raubüberfälle. Werden die Ermittlungsbehörden der Täter habhaft, so landen diese bestenfalls vor Gericht. In diesem Artikel zeigen wir, welche Prozesse vor den für die Region zuständigen Landgerichten im April geführt werden.
Im deutschen Rechtssystem haben verschiedene Gerichte unterschiedliche Zuständigkeiten. Eine wichtige Instanz innerhalb dieses Systems sind die Landgerichte. Doch welche Straftaten werden eigentlich vor dem Landgericht verhandelt?
Die Landgerichte
Die Landgerichte sind in erster Instanz für schwerwiegende Straftaten zuständig, die nicht in die Zuständigkeit der Amtsgerichte fallen. Dazu gehören unter anderem Fälle von schwerer Körperverletzung, (versuchte) Tötungsdelikte wie Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung, die eine besondere Schwere aufweisen, Raub und Erpressung in besonders schweren Fällen, schwere Sexualdelikte und Wirtschaftskriminalität.
Wie kommt es zum Prozess?
In Deutschland wird ein Strafprozess nur eröffnet, wenn ein sogenannter hinreichender Tatverdacht besteht – also wenn genügend Beweise vorliegen, dass eine Verurteilung wahrscheinlich ist.
Zunächst führt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Sie arbeitet dabei mit der Polizei zusammen. Wenn sich der Verdacht gegen eine bestimmte Person erhärtet, entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Anklage erhebt oder das Verfahren einstellt.
Wird die Anklage erhoben, prüft das zuständige Gericht – zum Beispiel das Landgericht – ob die Voraussetzungen für einen Prozess vorliegen. Das Gericht eröffnet das Hauptverfahren nur dann, wenn es die Anklage für ausreichend begründet hält. Erst mit dieser Eröffnung des Hauptverfahrens kommt es zu einem Gerichtsprozess. Dort werden die Beweise erneut geprüft, Zeugen und Gutachter angehört und schließlich ein Urteil gefällt.
Die Landgerichte der Region
Für die Region sind zwei Landgerichte zuständig. Das Landgericht Braunschweig für Braunschweig, Wolfsburg, Helmstedt, Wolfenbüttel, Salzgitter und Goslar und das Landgericht Hildesheim für die Landkreise Gifhorn (ohne Samtgemeinden Brome und Boldecker Land, LG Braunschweig) und Peine (ohne Gemeinde Vechelde und Wendeburg, LG Braunschweig). Die Gerichte melden die anstehenden Prozesse für den jeweiligen Monat. Die Straftaten, die im März verhandelt werden, reichen von Kapitalverbrechen wie Raub und gefährlicher Körperverletzung bis zu versuchtem Mord und Totschlag. Für alle Angeklagten gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld die Unschuldsvermutung.
Prozesse am Landgericht Braunschweig
Besonders schwere räuberische Erpressung
Beginn: 7. April
Fortsetzungstermin: 8. April
Tatorte: Weißensee und Braunschweig
Tatzeitraum: 14. Februar 2021 und 20. März 2021
Zur Last gelegte Tat:
Die 24-jährige Angeklagte soll als Heranwachsende den Geschädigten über das Internet kennengelernt haben. Am 14. Februar 2021 sei es zu einem ersten Treffen gekommen, bei dem es gegen Zahlung von 1.000 Euro zu sexuellen Dienstleistungen kommen sollte. Die Angeklagte habe dies einem gesondert verfolgten Mittäter mitgeteilt. Zusammen hätten sie beschlossen, den Geschädigten unter Ausnutzung seiner Gefühle für die Angeklagte finanziell auszunehmen.
Der Mittäter habe den Geschädigten unter anderem mit einem Messer bedroht und ihm vorgespiegelt, dass ein Onkel auf dem Weg sei, um ihn zu bestrafen. Unter diesem Eindruck habe der Geschädigte Zahlungen in Höhe von insgesamt 8.000 Euro geleistet. Das Fahrzeug des Geschädigten sei als Pfand mitgenommen, später von der Polizei sichergestellt und zurückgegeben worden.
Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung
Beginn: 7. April
Fortsetzungstermin: 13. April
Tatorte: Braunschweig und Vechelde
Tatzeitraum: 4. November 2025 bis 4. Dezember 2025
Zur Last gelegte Tat:
Der 31-jährige Angeklagte, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, soll im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit mehrere ältere Personen beraubt haben. Am 4. November 2025 habe er einer älteren Person auf die Hand geschlagen und 1.000 Euro erbeutet. Am 14. und 26. November 2025 soll er weitere Geldbeträge bei Bankbesuchen und in einer Tankstelle erlangt haben. Am 4. Dezember 2025 habe er eine Tankstelle betreten, ein Messer gezogen und die Herausgabe von Geld gefordert, die Tankstelle jedoch verlassen, als keine Kasse geöffnet werden konnte.
Versuchter Mord, schwere Körperverletzung
Beginn: 9. April
Fortsetzungstermine: 16., 17., 21. April, 5., 6., 8. Mai
Tatort: Schladen
Tatzeit: 7. November 2025
Zur Last gelegte Tat:
Die 27-jährige Angeklagte, die derzeit in Untersuchungshaft sitzt, soll versucht haben, ihren damaligen Ehemann mit Ameisensäure zu töten. Der Geschädigte habe zwei Wochen zuvor mitgeteilt, dass er die Scheidung einreichen wolle. Am Tattag habe die Angeklagte ihn in den Keller gelockt und hochkonzentrierte Ameisensäure über Kopf- und Gesichtbereich geschüttet.
Der Geschädigte habe schwere Verätzungen erlitten, sei vollständig erblindet und musste für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden.
Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger, Ausbeutung von Prostituierten, Zuhälterei
Beginn: 10. April
Fortsetzungstermine: 15., 20., 24., 29. April
Tatorte: Wolfenbüttel und Braunschweig
Tatzeiträume: 19. bis 20. November 2021, 25. bis 27. November 2021, 27. Dezember 2021, 17. März 2024
Zur Last gelegte Tat:
Den 21- und 24-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, eine minderjährige Person dazu gebracht zu haben, sexuelle Handlungen gegenüber fremden Männern gegen Geldzahlungen zu erbringen. Zu diesem Zweck sollen die Angeklagten Profile auf Internetplattformen erstellt und Zimmer angemietet haben.
Im ersten Zeitraum habe es mindestens fünf Treffen gegeben, im zweiten Zeitraum mehrere sexuelle Handlungen pro Tag. Der 21-jährige Angeklagte soll an einem Tag zudem die minderjährige Person vergewaltigt haben. Am 17. März 2024 soll er eine andere Person zu einem Wohnungseinbruchsdiebstahl angestiftet haben.
Sexueller Übergriff, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen
Beginn: 17. April
Fortsetzungstermine: 29. April, 19. Mai, 28. Mai, 29. Mai
Tatort: Braunschweig
Tatzeit: 1. Juli 2023
Zur Last gelegte Tat:
Der 34-jährige Angeklagte habe die erhebliche Alkoholisierung der Geschädigten in einer Kneipe erkannt und angeboten, sie auf dem Heimweg zu begleiten. Beide Personen seien flüchtig bekannt gewesen. Der Angeklagte habe den Taxifahrer angewiesen, zu seiner Wohnanschrift zu fahren, was die schlafende Geschädigte nicht mitbekommen habe.
An der Wohnanschrift habe die Geschädigte zunächst nach Hause gewollt, sei aber von dem Angeklagten vertröstet worden. Schließlich sei sie vollständig bekleidet auf dem Bett des Angeklagten eingeschlafen. Dieser habe die schlafende Geschädigte entkleidet, intime Aufnahmen gefertigt und sexuelle Handlungen vorgenommen.
Bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln
Beginn: 17. April
Fortsetzungstermine: 6. Mai, 19. Mai, 1. Juni, 3. Juni, 22. Juni
Tatorte: Bad Harzburg und andernorts
Tatzeitraum: 27. März 2025 bis 4. November 2025
Zur Last gelegte Tat:
Die 21- und 30-jährigen Angeklagten, die derzeit in Untersuchungshaft sitzen, sollen als Mitglieder einer Bande mit einer nicht geringen Menge Cannabis Handel getrieben haben. Der 21-jährige Angeklagte habe darüber hinaus in zwei weiteren Fällen, davon in einem Fall als Heranwachsender, als Mitglied einer Bande mit nicht geringen Mengen Cannabis Handel getrieben.
Die Angeklagten sollen Plantagen betrieben, Logistik organisiert und den Vertrieb von Cannabis und Kokain koordiniert haben. Bis zu den Durchsuchungen im März und November 2025 seien große Mengen Cannabis und Kokain sichergestellt worden.
Betrug in besonders schwerem Fall
Beginn: 21. April
Fortsetzungstermine: 24. April, 28. April
Tatort: Braunschweig
Tatzeitraum: 27. April 2022 bis 11. Juli 2024
Zur Last gelegte Tat:
Die Anklage richtet sich gegen einen 51-Jährigen und eine 23-Jährige, die hinsichtlich sieben der insgesamt zwölf Taten als Heranwachsende angeklagt ist. Die 23-Jährige sei Geschäftsführerin einer UG gewesen, die unter anderem Fenster und Türen geliefert und eingebaut habe.
Der 51-jährige Angeklagte habe im Namen der UG in zwölf Fällen Kaufverträge abgeschlossen und vorgetäuscht, liefern zu können. Die Geschädigten hätten vorab bezahlt. Die Angeklagten sollen in der Absicht gehandelt haben, sich eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle zu verschaffen. Insgesamt sei ein Betrag von 213.581,93 Euro erlangt worden.
Prozesse am Landgericht Hildesheim
Versuchter Mord
Beginn: Seit 2. März
Fortsetzungstermine: 8., 9. 15. 22. und 29. April und 6. Mai
Tatort: Peine
Tatzeit: 15. Juni 2025
Zur Last gelegte Tat:
Den beiden Angeklagten (25 und 26 Jahre alt) wird zur Last gelegt, aufgrund eines gemeinsamen Tatplans mit einem Fahrzeug von Hannover nach Peine gefahren zu sein. Der 26-jährige Angeklagte soll aus einer Entfernung von etwa 11 Metern einen gezielten Schuss auf Kopfhöhe in Richtung des Thekenbereichs einer Bar abgegeben haben. Ziel soll die Rache an einem Zeugen wegen zurückliegender Drogengeschäfte gewesen sein. Dabei sollen die Angeklagten den Tod des Zeugen sowie einer weiteren anwesenden Person billigend in Kauf genommen haben. Das Projektil verfehlte sein Ziel, sodass niemand verletzt wurde.
Unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge mit Waffen
Beginn: 9. April
Fortsetzungstermine: 23. April
Tatort: Peine
Tatzeit: Januar 2024
Zur Last gelegte Tat:
Dem 43-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, in seiner Wohnung ca. 300 Gramm Amphetamin-Gemisch und ca. 370 Gramm Cannabisharz zum gewinnbringenden Weiterverkauf vorrätig gehabt zu haben. In unmittelbarer Nähe zu den Drogen soll er einen Wurfstern und ein Einhandmesser aufbewahrt haben, um diese Gegenstände im Falle von Konflikten gegenüber anderen Personen einzusetzen.
Besonders schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung
Beginn: Seit 20. März
Fortsetzungstermine: 7. und 13. April
Tatorte: Ilsede und Peine
Tatzeit: März 2025
Zur Last gelegte Tat:
Den beiden Angeklagten (23 und 26 Jahre alt) wird vorgeworfen, maskiert und mit einem Beil bewaffnet ein Café in Ilsede überfallen und zirka 200 Euro geraubt zu haben.
Dem 26-jährigen Angeklagten werden darüber hinaus zwei weitere Straftaten in Peine zur Last gelegt: Am Folgetag soll er eine Bar-Mitarbeiterin unter Vorhalt eines Hammers zur Herausgabe von Bargeld gezwungen und ihr die Handtasche entrissen haben, in der sich zirka 120 Euro befanden.
Einen Tag später soll er eine Spielothek betreten haben, maskiert und mit einer Metallstange bewaffnet. Dort soll er den Mitarbeiter zur Herausgabe von Bargeld aufgefordert und insgesamt zirka 800 Euro aus der Kasse genommen haben. Als der Mitarbeiter versucht habe, den Alarm auszulösen, soll der Angeklagte ihn mit der Metallstange auf den Arm geschlagen haben, wodurch eine blutende Verletzung entstand.
Steuerhinterziehung
Beginn: 23. April
Tatorte: Edemissen und Ilsede
Tatzeiträume: Juni 2019 bis Januar 2020
Zur Last gelegte Tat:
Dem 37-jährigen Angeklagten werden insgesamt sechs Straftaten zur Last gelegt. Er soll als Betreiber eines Imbisses und eines Restaurants Geschäftsumsätze bewusst falsch erfasst und unrichtige Steuererklärungen (Einkommens-, Gewerbe- und Umsatzsteuer) abgegeben haben. Hierdurch soll er Steuern in Höhe von insgesamt ca. 220.000 Euro verkürzt haben.

