Harz. Uran und Radon im Harz – ein Problem oder kein Problem oder nur von geologischem Interesse? Darüber berichtet der Goslarer Geologe Dr. Friedhart Knolle in einem Vortrag beim Biochemischen Verein Bergstadt Lautenthal e.V. am Donnerstag 8. Januar, 18:30 Uhr im VfR-Clubheim, Kastanienallee 2c in Langelsheim. Der Eintritt ist frei. Darüber informiert der Referent in einer Pressemeldung.
Jüngst kamen die teilweise ungewöhnlich hohen Radonwerte im Harz in die Medien. Das löste ein vermehrtes Interesse am Thema „Uran“ und „Radioaktivität“ im Harz aus. Denn tatsächlich hat man einst im Harz nach Uran gesucht. Selbst im Rammelsberger Erz seien Spuren von Uran vorhanden und ein Gestein – der Kupferschiefer – weise eine vergleichsweise hohe Radioaktivität auf, berichtet Knolle. Daher seien im Ostharzvorland einige Stollenabläufe und Grundwässer stark mit Uran belastet – teilweise um eine Zehnerpotenz höher als es die Trinkwasserverordnung erlauben würde.
Hochbelastete Gebiete
In hochbelasteten Gebieten seien besondere Maßnahmen zum radonsicheren Bauen zu beachten. Hierzu gehöre auch der Harz und hier speziell die Region Langelsheim – Goslar – Bad Harzburg – Mansfelder Land und Teile des Südharzes. Daneben auch die Region Duderstadt in Südniedersachsen sowie Thüringen und Sachsen im Erzgebirge, der ostbayerische Raum, der Schwarzwald und andere Gebirgsregionen.
Das Land Sachsen-Anhalt habe seine Hausaufgaben gemacht und schon vor einiger Zeit Risikogebiete ausgewiesen – Niedersachsen zog einen Tag vor Weihnachten 2020 nach und erklärte die Kommunen Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und Goslar zu Radon-Vorsorgegebieten. Das habe Auswirkungen beispielsweise auf das Baugeschehen und auf die Pflichten zum verstärkten Radon-Messen. Konkret nennt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auch andere belastete Kommunen, zum Beispiel Bad Harzburg und im Landkreis Göttingen die Städte und Gemeinden Osterode am Harz, Herzberg am Harz, Hattorf am Harz, Duderstadt, Gleichen und Radolfshausen.
Radon – die unterschätzte Gefahr
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das aus dem Erdboden austritt und sich in Gebäuden anreichern kann. Das Gas ist instabil und strahlt bei seinem Zerfall unter anderem die sehr gefährlichen Alphastrahlen ab. Radon verursache etwa die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland. Das Einatmen zähle nach dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken, so das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Bergleute unter Tage atmeten besonders viel Radon ein und hätten deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.
Mit dem Strahlenschutzgesetz von 2017 wurden erstmals klare Maßnahmen zur Radonminderung eingeführt. So wird unter anderem ein Referenzwert zur Bewertung der Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen festgelegt. Dieser sollte nicht überschritten und wenn möglich nach dem Minimierungsgrundsatz des Strahlenschutzes unterschritten werden. Hierzu sollen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um den Zutritt von Radon in Innenräume zu vermeiden oder zumindest zu erschweren.
Verhalten der Bewohner
Um welche es sich handelt, wird in einem regelmäßig zu aktualisierenden Maßnahmenplan erläutert. Die Bundesländer hatten zwei Jahre Zeit, um Gebiete zu benennen, in denen mit erhöhten Radon-Werten zu rechnen ist. Es gibt regional erhebliche Unterschiede, so das BfS. Denn die Radonkonzentration in Gebäuden sei nicht nur abhängig von Verhalten der Bewohner, zum Beispiel durch unzureichendes Lüften, sondern insbesondere von der Geologie des Untergrundes.

