Niedersachsen. Seit Montag werden in Niedersachsen die schriftlichen Abiturprüfungen geschrieben. Gleich am ersten Tag gab es Probleme im Fach Erdkunde. In einer Prüfungsaufgabe wurde ein Fehler in der Fragestellung entdeckt. Auf Anfrage von regionalHeute.de gibt das Niedersächsische Kultusministerium Auskunft darüber, was passiert ist und mögliche Konsequenzen.
Laut Medienberichten hatten mehrere Schulen den Fehler dem Kultusministerium gemeldet - unter anderem auch aus Braunschweig. Das Ministerium bestätigt dies. "Der Fehler wurde dem Kultusministerium im Verlauf der Prüfung am Montagvormittag mitgeteilt und sofort nach Beratung mit der zuständigen Fachkommission Erdkunde im Kultusministerium bewertet", erklärt Britta Lüers für das Ministerium.
Energiepolitik im Senegal
Doch was ist genau passiert? "Es sind Fehler im Material des Aufgabenvorschlags I auf erhöhtem Anforderungsniveau Zahlen vertauscht worden", erklärt Lüers weiter. Die betroffene Prüfungsaufgabe I habe sich mit der Energiestrategie der Republik Senegal beschäftigt. Die Prüflinge sollten sich mit den energiepolitischen Zielen der Republik Senegal auseinandersetzen und diese beurteilen. Der Aufgabe waren fünf verschiedene Materialien beigefügt, davon eine statistische Übersicht, zwei Karten, verschiedene Diagramme und ein Zeitungsartikel. Die statistische Übersicht (Material 1) stellte eine Vielzahl von Strukturdaten zur Republik Senegal im Jahr 2022 dar. In diesem Material seien die Werte der Warenexporte und -importe der Republik Senegal vertauscht worden.
Allerdings habe dies keine Auswirkungen auf die Schüler während der Prüfung gehabt. Die gesamte Prüfungsaufgabe I habe von den Abiturientinnen und Abiturienten auch mit den gegebenen Daten in M1 trotz der vertauschten Zahlen der Außenhandelsbilanz sinnvoll und problemlos bearbeitet werden können. "Daher hat das Kultusministerium auch unmittelbar nach Bekanntwerden der vertauschten Zahlen entschieden, dass ein Eingriff und/oder Abbruch der Prüfung nicht notwendig ist", betont die Ministeriumssprecherin.
Kein Nachteil soll entstehen
Das Kultusministerium habe zusätzlich entschieden, dass Ausführungen der Prüflinge, die sich auf den im Material fehlerhaft dargestellten Außenhandelsüberschuss beziehen, nicht negativ bewertet werden dürfen. Insofern entstehe den betroffenen Prüflingen durch die vertauschten Daten im Aufgabenmaterial kein Nachteil, versichert man.
Wie viele Schüler überhaupt betroffen waren, könne man nicht genau sagen. "Die Anzahl der Prüflinge wird dem Kultusministerium erst nach Rückmeldung der Ergebnisse durch die Schulen im Sommer bekannt. Mit Blick auf die vergangenen Abiturprüfungen gehen wir derzeit davon aus, dass zirka 5.000 Prüflinge eine schriftliche Abiturprüfung im Fach Erdkunde auf erhöhtem Anforderungsniveau absolviert haben. Wie viele von ihnen die betroffene Prüfungsaufgabe 1 gewählt haben – zwei Aufgaben stehen immer zur Auswahl – wissen wir derzeit ebenfalls nicht", erklärt Britta Lüers.
Gibt es Konsequenzen
Bleibt die Frage, wie so etwas überhaupt passieren kann und wie man es in Zukunft verhindert. Grundsätzlich seien alle Beteiligten in den zuständigen Fachkommissionen bemüht, dass sämtliche Abiturprüfungsaufgaben fehlerfrei sind. Dennoch könnten trotz bewährter mehrstufiger Qualitätskontrolle Fehler passieren, so wie im vorliegenden Fall. "Wir nehmen daher diesen Fall selbstverständlich zum Anlass, unsere Qualitätskontrollen weiter zu optimieren, zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern oder zu erweitern", versichert man.