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Wohnmobile: der seltene, gestohlene Traum der Freiheit



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Wohnmobile: der seltene, gestohlene Traum der Freiheit

In Coronazeiten haben viele das Wohnmobil für sich als Alternative entdeckt. Aber auch für Diebesbanden stellen Wohnmobile ein Objekt der Begierde da, was in Zeiten des Rohstoffmangels zu langwierigen Konsequenzen führen könnte.

von Martin Laumeyer


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Martin Laumeyer

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Region. Das Wohnmobil ist für viele der Inbegriff von freiem sowie spontanem Urlaub und ein Freiheitstraum. Diesen träumten in den letzten zwei Jahren immer mehr Menschen, wie Jacqueline Schilasky, Prokuristin und Betriebsleitern bei P-Concept Reisemobile, dem größten Wohnmobilhändler in unserer Region, im Gespräch mit regionalHeute.de berichtet. Grund für diesen Anstieg in der Nachfrage seien die verschiedenen Reiseeinschränkungen und geringe Hotelkapazitäten in der Pandemie gewesen.



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"Die Menschen haben den Urlaub vor der eigenen Haustür wiederentdeckt", beschreibt Schilasky die Urlaubssituation in den Corona-Jahren und sieht darin den Grund für die starke Nachfrage. Doch es waren zu viele Anfragen, die man nicht habe bedienen können. Bei 140 Leihwagen, die das Unternehmen laut eigenen Zahlen hat, seien zirka 1.500 Anfragen gekommen, von welchen man 1.000 realisiert habe. Die durchschnittliche Mietdauer habe dabei zwei Wochen betragen. Der Aufschwung habe in der Branche aber bereits vor zirka zehn Jahren begonnen, nach der Krise 2008. Vor Corona habe man daher zweistellige Wachstumsraten bei Neuzulassungen verzeichnen können.



Jacqueline Schilasky Prokuristin von P-Concept.
Jacqueline Schilasky Prokuristin von P-Concept. Foto: Martin Laumeyer


Doch zurzeit kann die Nachfrage ebenfalls nicht bedient werden, da die Lage aufgrund des Rohstoffmangels prekär sei. Diese treffe auch die Wohnmobilproduktion. Materialien, die derzeitig fehlten, seien etwa elektronische Stabilitätsprogramme, Wasserpumpen oder auch Heizungselemente. Dies sei auch problematisch für die Werkstatt, weil die Ersatzteile entsprechend nicht da sind. Diese Situation verursache so eine Wartezeit von 18 und 24 Monaten für ein neues Wohnmobil und höhere Preise. Auch die Ausstellungsmodelle, die 12 Monate im Geschäft bleiben müssen, seien teilweise vorverkauft. Ein Wohnmobil kostet im Einstieg um die 40.000 Euro, wobei es nach oben hin keine Grenzen gebe.

Besonders ärgerlich wäre es daher, wenn in einer solchen Lage das eigene Wohnmobil gestohlen würde, da ein Ersatz entsprechend lange auf sich warten lässt. Diese Situation sei in der Pandemiezeit jedoch nur ein Mal vorgekommen, wie Schilasky im Gespräch mit regionalHeute.de verrät. Genaue Zahlen zu Wohnmobildiebstählen im Jahr 2021 kann die Polizei Braunschweig, beispielsweise, auf Anfrage nicht nennen. Jedoch wurden im Jahr 2020 sechs Wohnmobile im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Braunschweig entwendet. "Diese Zahl ist im Jahr 2021 minimal angestiegen, wobei dieser Anstieg so gering ist, dass er keine Rückschlüsse auf eine veränderte Kriminalitätslage zulässt", so Jonas Brockfeld von der Pressestelle der Polizei Braunschweig. Welchen Einfluss hierbei die Pandemie auf die Entwicklung der Zahlen hat, könne aus polizeilicher Sicht nicht beantwortet werden.

Diebe aus dem sonnigen Süden


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Martin Laumeyer


"Generell ist festzuhalten, dass wir als Polizei im Bereich der KFZ-Diebstahls-Delikte in vielen Fällen von Tätern ausgehen, die nicht alleine agieren und nicht unwesentlich auch in gewisser Weise einer Struktur unterliegen", so Brockfeld weiter. Auch bei Wohnmobilen gehe man von organisierten Banden aus, allerdings vorwiegend aus dem südeuropäischen Raum und nicht aus Osteuropa, wie man meinen könnte. Denn wenn Fahrzeuge aufgefunden werden, dann meistens in Spanien, Portugal oder Frankreich, wie Schilasky verrät. In vielen Fällen gehe man von gezielten Auftragsdiebstählen aus: 2018 sei es auf dem Hofe der Firma zu einem Fall gekommen, bei dem andere Fahrzeuge kurzgeschlossen und weggefahren wurden, nur um zwei bestimmte Modelle zu entwenden. Danach seien die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend verschärft worden. Entsprechend komme es auch in der Sicherheitstechnologie bei Wohnmobilen zu Weiterentwicklungen.

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Das Diebstahlproblem sei aber immer schon da gewesen und trotz der derzeitigen coronabedingten Lage sei die Zahl, der direkt beim Händler gestohlenen Fahrzeuge eher rückläufig. Ein Grund hierfür könnte das Zusammenhalten der Händlergemeinschaft sein: Daten entwendeter Wohnmobile werden gespeichert, sodass man dieser leichter wiederfindet. Es sei aber besonders ärgerlich, wenn das eigene Wohnmobil entwendet wird, weil der emotionale Wert des Wagens überwiege: "Das tut meistens mehr weh, als der Sachwert, der in der Regel über die Versicherung abgedeckt ist“, so Schilasky abschließend.


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