Wolfenbüttel. Seit dem 1. Juli 1954 gehörte das Kapitel der „Elektrischen“, der Straßenbahnlinie A zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, der Vergangenheit an. Nach 57 Jahren wurde der Straßenbahnbetrieb nach und in Wolfenbüttel eingestellt. Zur Erinnerung an die Straßenbahn, die über rund sechs Jahrzehnte Wolfenbüttels Stadtbild geprägt hatte, zeigt das Bürger Museum vom 27. Februar bis 18. Mai 2025 die Kabinettausstellung „Die Elektrische kommt nicht mehr!“. Das berichtet das Museum in einer Pressemitteilung.
Die „elektrische Bahn“ war seit 1897 von Braunschweig durch das Lechlumer Holz, vorbei am Sternhaus, den Neuen Weg entlang bis zur Breiten Herzogstraße, dann auf der Langen Herzogstraße, durch die Krambuden, über den Großen Zimmerhof zum End-, Anfangs- und Wendepunkt am Wolfenbüttel Bahnhof gefahren. In der Zeit fortschreitender Elektrifizierung der Städte verkörperte sie am Ende des 19. Jahrhunderts die modernste Form der Personenbeförderung von A nach B.
Das Ende einer Ära
Mit dem Abriss der Straßenbahnschienen in der Wolfenbütteler Innenstadt in den 1950er-Jahren ging eine Ära zu Ende, und eine neue Ära begann – von nun an übernahmen im Zeitalter des Automobils Omnibusse den Linienverkehr. Die zweite Schienenverbindung Braunschweig-Wolfenbüttel blieb bestehen, die 1838 als 1. Deutsche Staatseisenbahnlinie eingeweihte Strecke existiert bis heute.
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Eine kolorierte Postkarte mit der Straßenbahn, kurz vor dem Grünen Platz, um 1900. Foto: Museum Wolfenbüttel
Mit den hier ausgestellten, bisher unveröffentlichten Postkarten und historischen Fotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert möchte das Bürger Museum dieses besondere Kapitel Wolfenbütteler Stadt- und Mobilitätsgeschichte in Erinnerung rufen. Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz sei es gelungen, die Straßenbahn wieder auf der Langen Herzogstraße des beginnenden 20. Jahrhunderts fahren zu lassen und die historischen Bilder in Bewegung zu bringen.
Szenen, die es so nicht gegeben hat
„Die historische Fotosammlung des Museums Wolfenbüttel gibt uns die Möglichkeit, in die Vergangenheit zu blicken und Stadtgeschichte abzubilden. Mithilfe Künstlicher Intelligenz ist es nun auch noch möglich, historische Fotografien in bewegte Bilder umzuwandeln. Zugleich zeigt dieses Projekt die Grenzen der KI, die selbstständig Szenen ergänzt, die es so nicht gegeben hat“, sagt Dr. Sandra Donner, Leiterin des Museums Wolfenbüttel.
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Die Studenten Emily Gerdesmann und Philipp Zimmermann, die Praktika im Museum Wolfenbüttel absolvierten, richteten die Kabinettausstellung im Bürger Museum ein. Foto: Museum Wolfenbüttel
Weitere Fotos und Beschreibungen zur Straßenbahnlinie Braunschweig-Wolfenbüttel – auch von ihrer letzten Fahrt 1954 – sind in der Dauerausstellung des Bürger Museums bei der Themeninsel „Schienen und Maschine“ ausgestellt.