Amo: Diese Würdigung ist lächerlich und ein Versagen von Stadt und Politik

Ein Schwarzer Mensch und erster bekannter Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland, soll nun eine doch wirklich eher fragwürdige Würdigung in Wolfenbüttel erhalten.

Ein Kommentar von Werner Heise

regionalHeute.de-Chefredakteur Werner Heise kommentiert die Entscheidung des Rates der Stadt Wolfenbüttel Anton Wilhelm Amo mit einer Straßenbenennung zu würdigen.
regionalHeute.de-Chefredakteur Werner Heise kommentiert die Entscheidung des Rates der Stadt Wolfenbüttel Anton Wilhelm Amo mit einer Straßenbenennung zu würdigen. Foto: Thomas Stödter

Wie unwürdig die Stadtverwaltung und Politik abermals mit einem Menschen der Wolfenbütteler Geschichte umgeht, ist schier unbegreiflich. Und wenn man sie, so wie die Fraktionsvorsitzende der Grünen es getan hat, mit der Nase auf dieses fehlerhafte Verhalten stößt, hüllt man sich lieber in arrogantes Schweigen als eine Korrektur vorzunehmen.



Die Sitzung des Rates der Stadt Wolfenbüttel am Mittwochnachmittag bot dem Beobachter gleich mehrere fragwürdige Momente und Entscheidungen. Eine davon ist der Umgang mit der Würdigung Anton Wilhelm Amos, dem "Mohren" von Herzog Anton Ulrich am Wolfenbütteler Hofe im 18. Jahrhundert. Der als Kind aus Afrika mutmaßlich nach Europa verschleppte und hier in Wolfenbüttel aufgewachsene Amo wurde der erste bekannte Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland. Er erlangte die Doktorwürde und lehrte an verschiedenen Universitäten. Eine besondere historische Persönlichkeit der Lessingstadt also, die vor allem 2020 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, als man in Berlin nach einem neuen Namen für die dortige Mohrenstraße suchte. In Wolfenbüttel griff der CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Adrian Haack das Thema auf und wollte Amo hier vor Ort sichtbar machen.

Das will nun auch die Stadt Wolfenbüttel. Sie will ihn nicht nur sichtbar machen, sondern auch dessen Leben und Werke würdigen, wie sie es selbst in der entsprechenden Verwaltungsvorlage schreibt. Und das macht man nach Vorstellung der Stadt am besten, indem man eine Straße fernab des Wolfenbütteler Hofes in einem neu zu erschaffenden Wohnviertel für Senioren versteckt. Direkt an der Adersheimer Straße, neben der Ackerstraße und auf dem Gelände eines alten Betonwerkes. Einsam und allein, ganz ohne Bezug, Sinn und Verstand.

Nein, das ist wahrlich unwürdig, unüberlegt und dumm. Traurig, dass außer den Grünen niemand die Stimme dagegen erhoben hat. Nicht einmal die CDU, dessen Kandidat im Wahlkampf sich für Amo starkmachte. "Hier und heute wird Amo an den Rand der Stadt und damit an den Rand der Gesellschaft gedrängt", sagte Ulrike Krause in ihrer Rede. Recht hat sie! Er war ein Schwarzer Mensch und hätte mit der Erfahrung seiner Zeit vielleicht aber auch nichts anderes erwartet.


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