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Heiningen: Ein neues Gewässer für den Lurch des Jahres



Ein neues Gewässer für den Lurch des Jahres

Die Wechselkröte gilt als akut vom Aussterben bedroht. In Heiningen wurde ein neuer Lebensraum für sie geschaffen.

Die Wechselkröte – Lurch des Jahres 2022.
Die Wechselkröte – Lurch des Jahres 2022. Foto: Lars Kaletta

Heiningen. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. kürt die Wechselkröte (Bufotes viridis) zum Lurch des Jahres 2022. Als Niedersachsens bedrohteste heimische Amphibienart ist sie akut vom Aussterben bedroht. Sie kommt in unserem Bundesland nur noch an wenigen Standorten in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel vor. Die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) schafft ein neues Gewässer für die seltene Wechselkröte in Heiningen. Das berichtet der NABU in einer Pressemitteilung.



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Der Name Wechselkröte rührt von der Fähigkeit her, die Hautfärbung wechseln zu können, um sich damit rasch dem jeweiligen Untergrund anzupassen. Mit ihrer kontrastreich gefleckten Färbung zählt die Wechselkröte zu den attraktivsten, aufgrund drastischer Bestandsrückgänge aber auch zu den am stärksten bedrohten Amphibienarten Deutschlands. Als ehemals wärmeliebende Steppenbewohnerin musste inzwischen auch ihr Lebensraum aufgrund starker Veränderungen in der Landnutzung „wechseln“: Die Wechselkröte ist heutzutage hauptsächlich an von Menschen geprägten, naturfernen Orten wie Kiesgruben, Tagebauen und Steinbrüchen als Ersatzlebensräumen zu finden.



Erfolgreiche Hilfe beim Nachwuchs


Die ÖNSA versucht unter anderem in Zusammenarbeit mit der Raulf Kies GmbH & Co. KG auf dem Gelände des Kieswerks Heiningen der Wechselkröte unter die Arme zu greifen. So haben Mitarbeitende des Kieswerks nach einer fachkundigen Schulung durch die ÖNSA in den letzten Jahren eigenständig kleine Wasserflächen angelegt, die als Laichplatz dienen können. Die Maßnahmen wirken: Bereits letztes Jahr wurde hier Wechselkrötennachwuchs in durch die Sandaufbereitung entstandenen Gewässer gefunden.


Mitarbeitende der Raulf Kies GmbH & Co. KG und der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) legen Verstecke an einem neu geschaffenen Folienteich an, der dem Schutz der in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Wechselkröte dienen soll.
Mitarbeitende der Raulf Kies GmbH & Co. KG und der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) legen Verstecke an einem neu geschaffenen Folienteich an, der dem Schutz der in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Wechselkröte dienen soll. Foto: ÖNSA / Nicole Feige


In diesem Frühjahr wurde ein Folienteich angelegt, der das Wasser länger halten kann. Das Umfeld des Teiches wurde wechselkrötengerecht gestaltet: Durch Holzpaletten, Kiesaufschüttungen und Steinhaufen wurden Versteckmöglichkeiten geschaffen. Die Anlage des Teiches war ein Gemeinschaftsprojekt: Die ÖNSA besorgte die Teichfolie und beriet bei der Herrichtung, die Raulf Kies GmbH & Co. KG übernahm den Einbau. „Wir sind außerordentlich froh, dass Naturschutz und Abbaubetrieb hier erneut Hand in Hand zusammenarbeiten und gemeinsamer Artenschutz betrieben werden kann. Nur auf diese Art und Weise kann für den Erhalt der seltenen Wechselkröte in Niedersachsen gesorgt werden“, betont Vincent Heinsohn, wissenschaftlicher Mitarbeiter der ÖNSA.


Alternative Lebensräume für seltene Arten


Janna von Pupka, Geschäftsführerin der Raulf Kies GmbH & Co. KG erläutert: „Durch die Rohstoffgewinnung in unseren Betrieben verändern wir das Landschaftsbild, was wir als Chance sehen, alternative Lebensräume für seltene Arten zu schaffen. Wir sind stolz, zwei der wenigen Wechselkrötenvorkommen in Niedersachsen beherbergen zu dürfen und erfolgreich unterstützen zu können. In Heiningen versuchen wir seit vielen Jahren verschiedene Amphibienarten zu unterstützen. Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Jahr mit dem Folienteich ein neues, lang geplantes Gewässer an einem vielversprechenden Landstück anlegen konnten.“

Im Wechselkrötenschutz arbeitet die ÖNSA eng mit dem NABU Wolfenbüttel zusammen. Frisch aus dem Druck kommt der gemeinsame Flyer „Wechselkrötenschutz im eigenen Garten“, den man sich sowohl von der Webseite des NABU Wolfenbüttel als auch von der Webseite der ÖNSA herunterladen kann.


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