NABU-Artenschutzzentrum musste 2021 mehr Tiere aufnehmen als jemals zuvor

Dabei machen Vögel noch immer den größten Teil der Pfleglinge aus. Diese werden aus der ganzen Region und darüber hinaus nach Leiferde gebracht.

Auch eine sieben Kilo schwere Schnappschildkröte galt es zu betreuen.
Auch eine sieben Kilo schwere Schnappschildkröte galt es zu betreuen. | Foto: NABU / Joachim Neumann

Leiferde. Seit dem Jahr 2018 sind die Pflegetierzahlen im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde jährlich rasant angestiegen: Im Jahr 2021 setzt sich dieser Trend mit erstmals über 4.000 zu pflegenden Tieren in einem Jahr fort. Mit 4.185 Tieren aus 198 Arten wurde das höchste Ergebnis seit Bestehen des NABU-Artenschutzzentrums erreicht. Das berichtet der NABU Niedersachsen in einer Pressemitteilung.



„Diese Entwicklung ist überwiegend auf die wachsende Anzahl an Pfleglingen aus der Gruppe der heimischen Vögel zurückzuführen, die durch zunehmenden Insektenschwund, Trockenheit und die Hitze der letzten drei Jahre besonders bei der Aufzucht ihrer Jungen Probleme hatten“, sagt Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums. Insgesamt wurden 2.903 heimische Vögel gepflegt, eine Zahl, die bis 2017 noch nicht einmal als Gesamtzahl an Pflegetieren erreicht wurde. Zu den zahlenmäßig häufigsten versorgten Singvögeln zählten Haussperlinge mit 476, Amseln mit 273, Mehlschwalben mit 137 und Rauchschwalben mit 109 Individuen. Außerdem wurden fünf Rotmilane, drei Wanderfalken, eine Kornweihe (selten), sechs Uhus, ein Schwarzstorch, ein Knutt (absolute Seltenheit im Inland), ein Wiedehopf sowie vier Wasserrallen aufgenommen.

Ein junger Haussperling benötigte Hilfe.
Ein junger Haussperling benötigte Hilfe. Foto: NABU / Joachim Neumann


Die Ursachen der Einlieferung waren vielfältig und gingen teilweise auf menschliches Handeln zurück. So wurden 1.469 Vogelwaisen eingeliefert, deren Aufzucht bei Singvögeln größtenteils mit Insekten erfolgt, deren Bestände bekanntermaßen rückläufig sind. Die drei trockenen Jahre haben diese Tendenz sicher noch verstärkt. Auch Anflugopfer (meist Kraftfahrzeuge oder Scheiben) nahmen mit 521 Fällen einen hohen, aber konstanten Wert ein – die Folgen eines solchen Unfalls können für die Tiere durchaus tödlich sein. Weitere Ursachen stellen Verletzungen durch andere Tiere dar (285 Fälle, meist Hauskatzen) sowie Zivilisationsopfer mit 246 Tieren, die durch Gruben, Netze, Klebefallen, Wassertonnen, diverse Gartengeräte wie Freischneider, Mähroboter bis hin zu Straftaten, wie das Entfernen von Nestern, zu Schaden gekommen sind.

Zahl der Reptilien, Amphibien und Säugetiere weiterhin hoch


Neben 21 exotischen Vögeln, allesamt Papageien, war die Gruppe der gepflegten Reptilien und Amphibien mit insgesamt 503 Tieren in 57 Arten erheblich größer. Für das Projekt zur Zucht und Auswilderung der Europäischen Sumpfschildkröten werden 243 Individuen gehalten. Aber auch die Pflege und Unterbringung von 57 unterschiedlichen Reptilienarten verlangt eine sehr hohe Flexibilität. 76 Landschildkröten in sieben Arten, 84 Wasserschildkröten in 16 Arten, 56 Schlangen in 16 Arten und 34 Echsen in 15 Arten sowie 3 Amphibienarten müssen täglich artgerecht versorgt werden. „Das reicht von dem drei Zentimeter großen Gecko über die drei Meter lange Riesenschlange bis hin zur bissigen sieben Kilo schweren Schnappschildkröte“, so Rogoschik. Bedauerlicherweise wurden im letzten Jahr wieder 139 exotische ehemalige Hausgenossen aufgenommen, die im Freiland gefunden wurden und von denen nur ein geringer Teil wohl von selbst die Flucht ergriffen hatte.

Der Biber konnte wieder ausgewildert werden.
Der Biber konnte wieder ausgewildert werden. Foto: NABU / Bärbel Rogoschik


Extrem hoch war im Jahr 2021 auch die Gruppe der Säugetiere, die mit 696 Tieren in 21 Arten einen Höchstwert erreichte. Die einmal mehr häufigste Art war der Igel mit allein 447 Individuen. „Zum allerersten Mal wurde ein Biber versorgt, der nach zweiwöchiger Behandlung wieder gesund ausgewildert werden konnte“, berichtet Rogoschik.

Rehkitzrettung mit Drohne


Die Rettung von Rehkitzen vor dem Mähtod wird mittlerweile seit vier Jahren durch das NABU-Artenschutzzentrum betrieben. „In dieser Zeit wurden etwa 200 Rehkitze mittels Drohne mit Wärmebildkamera aufgespürt und gesichert. Im letzten Jahr wurden 63 Kitze gefunden. Als Besonderheit haben wir auch zwei Rohrweihennester gefunden und in Absprache mit der Naturschutzbehörde und den Landwirten eine Einigung zu Gunsten der Jungtiere erzielt“, berichtet NABU-Mitarbeiter Joachim Neumann.


Mit Abstand die meisten Tiere (1.078) wurden aus dem Landkreis Gifhorn ins Zentrum gebracht, danach folgen der Landkreis Peine (543), die Stadt Braunschweig (514), die Region Hannover (322), die Stadt Wolfsburg (297) und die Landkreise Hildesheim (244), Celle (236), Helmstedt (188), Wolfenbüttel (153) und Salzgitter (144). Insgesamt kamen die Pflegetiere aus 57 Landkreisen oder Städten aus elf Bundesländern oder Stadtstaaten.

Hoffnung auf Verbesserung im Jahr 2022


Durch die Corona-Pandemie, verbunden mit einer Schließung des Freigeländes, konnte die so wichtige Umweltbildung über viele Monate weiterhin nicht stattfinden. Erst ab Juni wurde damit wieder eingeschränkt gestartet. Immerhin fanden 48 Veranstaltungen statt, an denen 681 Personen teilnahmen. Das Storchenfest konnte zum zweiten Mal nicht stattfinden. Der NABU hofft, dass das Storchenfest in diesem Jahr Ende April wieder stattfinden kann. „Da seit dem 21. Dezember ein Aufstallungsgebot wegen der Geflügelpest besteht, fing das Jahr leider weniger positiv an – bislang müssen wir unser komplettes Gelände deswegen abriegeln. Wir hoffen, dass sich die Lage bald bessert und wünschen uns für das neue Jahr vor allem weniger tierische Notfälle, ausgewogenere Wetterlagen und endlich ein Ende der Coronapandemie – das wäre traumhaft“, hofft Bärbel Rogoschik auf eine Verbesserung im Jahr 2022.


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