Wolfenbüttel. Im Mai des vergangenen Jahres wurde die Bioabfallverordnung verschärft, der Anteil der Fremdstoffe muss künftig noch geringer ausfallen. Selbst wenn Kunststoffprodukte als biologisch abbaubar beworben werden, dürfen sie nicht in die Biotonne geworfen werden.
Eine der größten Herausforderungen sind Plastiktüten und Bioplastiktüten, die oft in den Biotonnen landen, erklärt Sandra Wehr, Werksleiterin beim ALW. Es komme häufiger vor, dass verdorbenes Obst und Gemüse samt Verpackung in die Tonne geworfen werde. Zeitungspapier oder Brötchentüten dürfen hingegen als umweltfreundliche Option für die Abfallsammlung genutzt werden. Um den Anteil der sogenannten „Fehlwürfe“, also die Fremdstoffanteile in Bioabfällen, zu reduzieren, setzt der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Wolfenbüttel (ALW) seit Kurzem auch künstliche Intelligenz ein. Zudem wurden bei einem Projekt im Februar mehrere Mitarbeiter eingesetzt, die vor der Leerung einen genaueren Blick in die Biotonnen warfen.
So funktioniert die KI-Überwachung
Bisher ist nur ein Fahrzeug mit diesem Kamerasystem ausgestattet, das unterschiedliche Touren absolviert. Technisch funktioniert das Kamerasystem, indem es bei Fehlwürfen Fotos anfertigt. Diese Bilder werden analysiert, um die Art und Menge der Fremdstoffe festzustellen. Der Fahrer kann auf einem Display die Aufnahmen im Fahrzeug sehen, aber die Erkennung läuft automatisiert ab. Svea Keller, beim ALW unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, überwacht die Qualität der KI und stellt sicher, dass alles korrekt erkannt wird.
Das passiert bei einem Verstoß
Wird eine falsche Entsorgung entdeckt, erhält der Müllverursacher als Verwarnung eine Gelbe Karte. Bei wiederholtem Fehlverhalten folgt eine Rote Karte, was dazu führt, dass die Biotonne nicht geleert wird. Solche Maßnahmen sollen zu einer besseren Mülltrennung motivieren. Das KI-Fahrzeug verfügt zudem über ein Chipsystem, das automatisch bei Fehlwürfen Alarm gibt und genaue Daten an die Zentrale liefert, um zu definieren, wann wiederholt Abweichungen auftreten.

Im Fahrzeuginneren ist auf beiden Seiten eine Kamera in der Außenwand verbaut, die den Biomüll optisch erfasst. Foto: Matthias Kettling
KI könnte auch beim Restmüll zum Einsatz kommen
Neben der Technik wird auch die Aufklärungsarbeit großgeschrieben. Pressemitteilungen und Informationsblätter sollen die Bürger auf das Problem aufmerksam machen. Auch im Restabfall befinden sich oft organische Anteile, die dort nicht hineingehören. Der zukünftige Einsatz von KI zur Kontrolle anderer Abfallsorten wird zwar erwogen, doch aktuell liegt der Fokus auf den Bioabfällen.

Daniel Gadsinski und Niklas Döring beim Leeren der Biotonnen. Eine Gelbe oder Rote Karte wird an die Tonne gehängt, wenn ein Fehlwurf entdeckt wurde. Foto: Matthias Kettling
Sandra Wehr freut sich über jede Aktion, die mehr Menschen zum richtigen Trennen ihrer Abfälle bewege. Der Wunsch sei, mit jeder Maßnahme einige Bürger mehr zu erreichen und gemeinsam die Qualität der Abfallverwertung zu steigern, was sie als bedeutenden Gewinn für das gesamte System sieht: „Unser Ziel ist die Aufklärung.“

Der Inhalt der Biotonnen landet in der Rottehalle der Kompostierungsanlage in Bornum. Foto: Matthias Kettling
Was passiert mit dem Bioabfall?
Die ALW-Müllwagen bringen den Inhalt der Biotonnen in die Mülldeponie nach Bornum. In der Rottehalle der Kompostierungsanlage wird der Inhalt der Fahrzeuge zu sogenannten Mieten aufgehäuft. Der Prozess von der Anlieferung des Bioabfalls bis zur vollständigen Kompostierung dauert mindestens vier Wochen. Am Ende wird das Material gesiebt, um die fertige Komposterde abzutrennen. Der Großteil dieses Materials wird als organischer Dünger in der regionalen Landwirtschaft verwendet.

