Wolfenbüttel. Eine Hand halten, zuhören, gemeinsam Schweigen aushalten: Mit diesen Worten beschrieb Bürgermeister Ivica Lukanic die Begleitung sterbender Menschen. Dagmar Ammon hat sich dieser Aufgabe über viele Jahre gewidmet. Dafür wurde sie jetzt mit der Ehrenmedaille der Stadt Wolfenbüttel ausgezeichnet. Der Rat hatte der Ehrung zuvor einstimmig zugestimmt.
Lukanic würdigte Ammon in seiner Ansprache als einen lebensbejahenden, herzlichen und zugewandten Menschen. Bei der Hospizarbeit gehe es darum, Ängste ernst zu nehmen, Angehörigen Halt zu geben und Menschen zu vermitteln, dass sie nicht allein seien.
„Meine Oma weiß, wie sterben geht.“
In seiner Rede griff der Bürgermeister auch eine Begebenheit auf, die ihm aus dem Schulunterricht von Ammons Enkel berichtet worden sei. Als es dort um Krankheit, Sterben und Tod ging, habe dieser gesagt: „Meine Oma weiß, wie sterben geht.“ Der Satz bringe zunächst zum Schmunzeln, erklärte Lukanic. Zugleich beschreibe er etwas Wesentliches an Ammons Arbeit: zu wissen, wie man Menschen auf diesem Weg nicht allein lässt.
Ammon gehört zu den 13 Gründungsmitgliedern des Hospizvereins Wolfenbüttel, der am 28. August 2006 gegründet wurde. Seither hat sie dessen Aufbau und Entwicklung maßgeblich mitgestaltet. Sie begleitet schwerstkranke Menschen bis zu ihrem Tod und steht Trauernden auf ihrem Weg in ein verändertes Leben zur Seite.
Dafür qualifizierte sie sich unter anderem in der Sterbe- und Trauerbegleitung für Erwachsene und Kinder sowie in der Kinder- und Jugendhospizarbeit. Sie arbeitete mit Schulen zusammen und wirkte an Vorbereitungskursen für angehende Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter mit. Bis 2024 gehörte sie dem Vereinsvorstand an.
Dank an Wegbegleiter
Auch beim Aufbau des HospizZentrums in Wendessen brachte Ammon sich ein. Zwischen 2019 und 2024 arbeitete sie an Planung, Umbau und Einrichtung mit. Seit der Eröffnung 2024 übernimmt sie dort weiterhin regelmäßig Dienste. Darüber hinaus engagierte sie sich auch anderweitig ehrenamtlich. So beispielsweise im Basketballbereich des MTV Wolfenbüttel und im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Satu Mare.
In ihrer Dankesrede stellte Ammon nicht sich selbst, sondern die Menschen in den Mittelpunkt, die ihr Engagement über die Jahre mitgetragen haben. „Ich freue mich ganz besonders über diese Anerkennung und Ehrung“, sagte sie. Wenn sie eine Aufgabe nicht allein bewältigen konnte, seien andere da gewesen – im Hospizverein, im Sportverein und in der Stadt. „Ehrenamt ist für mich Gemeinschaft leben und in der Gemeinschaft gemeinsam etwas bewegen“, beschrieb sie ihr Verständnis von ehrenamtlicher Arbeit.
