Herzensgebet lädt zur Einkehr ein


Das Herzensgebet dient der Einkehr. Foto: Kirchengemeinde
Das Herzensgebet dient der Einkehr. Foto: Kirchengemeinde

Wolfenbüttel. „In mir gibt es einen ganz tiefen Brunnen. Und darin ist Gott. Manchmal ist er für mich erreichbar. Aber oft liegen Steine und Geröll auf dem Brunnen und dann ist Gott begraben. Dann muss er wieder ausgegraben werden.“ Das sind Worte aus den KZ-Tagebüchern der niederländischen Jüdin Etty Hillesum, die im KZ Auschwitz-Birkenau umgebracht wurde.


Damit begann Pfarrer Klemens Teichert, zuständig für spirituelle Begleitung im Bistum Hildesheim, seine „Einführung in die Praxis des Herzensgebetes“. Zirka 60 Personen waren der Einladung zu dem Vortrag gefolgt. So wie die junge Etty Hillesum in den Grauen des Konzentrationslagers auf dem Grund ihres Herzens Gott gefunden habe, so suchten viele Menschen heute im Lärm, in der Unrast und den Wirren unserer Tage Zugang zu der inneren Quelle ihres Lebens. Das Herzensgebet könne ein solcher Weg sein, so Pfarrer Teichert.

Es komme aus der langen Tradition einer Gebetsschule der ersten christlichen Mönche, der sogenannten Wüstenväter (4.Jhdt.), bei der nur der Name Jesu im Atemrhythmus innerlich gesprochen wird. Es könne dem Beter helfen, zurückzufinden zu der Erkenntnis, „dass Gott immer schon da ist“, schon vor unserem Suchen und Fragen; - eine Erfahrung, die man machen, aber nicht festhalten könne. Sie komme und sie gehe. „Wir haben Gott nicht“, er lasse sich nicht besitzen; genau so, wie auch Menschen einander nicht besitzen können. Das Herzensgebet sei nicht zweckgerichtet; es habe nicht das Ziel, irgendetwas zu erreichen. Es habe allein in der inneren Ausrichtung der Sehnsucht auf Gott hin seinen Grund und seinen Sinn. Wie in der Einladung versprochen gab es an diesem Abend einen Wechsel zwischen Vortrag und praktischen Übungen zum Herzensgebet.

Zum Abschluss lud er die Zuhörer noch zu einer kleinen Sequenz in der Kirche ein. Mit dem Lied „Schweige und höre“ wurde eine kurze Gebetsstille eingeleitet, danach ein Segen gesprochen und schließlich ging mit dem als Kanon gesungenen „Schweige und höre“ jeder hinaus in die Stille seines Abends.


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