Kirchenkonflikt in Wolfenbüttel: Bischof nimmt Stellung

In einer offiziellen Stellungnahme äußert sich nun Bischof Dr. Heiner Wilmer zur öffentlichen Debatte um Pfarrer Matthias Eggers.

Bischof Dr. Heiner Wilmer.
Bischof Dr. Heiner Wilmer. | Foto: Gossmann / bph

Wolfenbüttel. In einer offiziellen Stellungnahme äußert sich nun Bischof Dr. Heiner Wilmer zur öffentlichen Debatte um Pfarrer Matthias Eggers und zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim.


Bischof Wilmer und das Bistum Hildesheim waren vom Wolfenbütteler Pfarrer Matthias Eggers dafür kritisiert worden, dass in der Aufarbeitung und Aufklärung von Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche nicht genug getan worden sei. Was folgte war eine Aufforderung des Bischof, Eggers solle von seinem Amt zurücktreten. Daraufhin solidarisierte sich eine große Gemeinschaft mit dem Pfarrer. Auf Nachfrage von regionalHeute.de erklärte sich das Bistum bereits gestern. Am heutigen Mittwoch folgt nun die offizielle Stellungnahme des Bischofs Dr. Heiner Wilmer, die wir nachfolgend ungekürzt und unkommentiert veröffentlichen.

Bischof Wilmer zur Debatte um Wolfenbütteler Pfarrer Eggers


„In den vergangenen Tagen ist eine öffentliche Debatte um den Wolfenbütteler Pfarrer Matthias Eggers und die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim entstanden, die emotional und aufgeheizt geführt wird. Es ist mir ein sehr großes Anliegen, dass sich diese Situation beruhigt. Ich werde mich stark dafür einsetzen, dass es zu einer Deeskalation kommt. Wir werden mit Pfarrer Eggers im Gespräch bleiben, um Wege zu finden, den Konflikt zu befrieden.

Zunächst möchte ich jedoch auf einige Aspekte eingehen, die in diesem Kontext wichtig sind: Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und die Veröffentlichung damit zusammenhängender Untersuchungsergebnisse haben für das Bistum Hildesheim und für mich als Bischof eine sehr hohe Priorität. Das Bistum Hildesheim hat in den Jahren 2017 und 2021 zwei umfangreiche Aufarbeitungsstudien veröffentlicht, die externe Fachleute im Auftrag der Diözese erstellt hatten. Zudem gab es in Bezug auf den Fall Georg M. einen Untersuchungsbericht durch einen Berufsrichter im Ruhestand, der 2021 veröffentlicht worden ist. Pfarrer Eggers hatte seinerzeit den ersten Hinweis auf den inzwischen verstorbenen Georg M. gegeben, der als Ruhestandsgeistlicher im Kreis Wolfenbüttel gelebt hatte. Diesem Hinweis ist das Bistum Hildesheim unverzüglich gefolgt, um die Aufklärung in Gang zu bringen.

Noch viel Arbeit


Gegenwärtig ist die dritte große Aufarbeitungsstudie ausgeschrieben, die sich mit sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich des Bistums Hildesheim befassen und die Veröffentlichung von Zwischenberichten vorsehen wird. Darüber hinaus hat das Bistum Hildesheim die personellen Ressourcen für die Prävention, Intervention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt seit 2012 von einer auf insgesamt neun Stellen aufgestockt (fünf Vollzeit- und vier Teilzeitstellen). Es gibt eine eigene Stabsabteilung, die sich mit der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt befasst. Es würde zur Versachlichung der Debatte sehr beitragen, wenn diese Fakten berücksichtigt werden würden.

Zugleich ist allen Menschen klar, die sich im Bistum Hildesheim für die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt einsetzen, dass es noch viel Arbeit zu tun gibt. Das bestreitet niemand. Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt ist ein umfangreicher Prozess, der längst nicht am Ende ist. Konstruktive Kritik am eingeschlagenen Weg der Aufarbeitung ist jederzeit durch jede Person – selbstverständlich auch durch Pfarrer Eggers – nicht nur möglich, sondern auch explizit erwünscht.

In den Medien dominiert der Eindruck, es handele sich in erster Linie um einen Dissens zwischen Pfarrer Eggers und mir. Das ist falsch. Grund des Konfliktes waren Anschuldigungen, die Pfarrer Eggers gegen Weihbischof Heinz-Günter Bongartz erhoben hat. Deshalb gab es mehrere persönliche Gespräche sowie schriftliche Korrespondenz mit Pfarrer Eggers in den zurückliegenden Wochen und Monaten.

Pfarrer Eggers hat den Weihbischof an der im Zusammenhang mit der Visitation vorgesehenen Firmung junger Menschen in Wolfenbüttel gehindert. Damit behindert er den Weihbischof an der Ausübung einer Aufgabe, die ich ihm übertragen hatte. Das geht nicht, zumal Pfarrer Eggers keine Belege für seine Anschuldigungen vorgebracht hat. Der Pfarrer tritt hier zugleich als Ankläger und als Richter auf, was ich nicht hinnehmen kann. Hier genau liegt der eigentliche Grund für den Konflikt. Es ist nicht das am 18. Mai 2024 erschiene Interview von Pfarrer Eggers mit der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung.

Um zu deeskalieren, habe ich entschieden, dass nicht Weihbischof Bongartz nach Wolfenbüttel kommt, um jungen Menschen das Sakrament der Firmung zu spenden, sondern ein anderer Geistlicher. Außerdem wird auch die Visitation der Pfarrgemeinde von einer anderen Person übernommen. Darüber ist Pfarrer Eggers bereits informiert worden.

Aussagen waren kontraproduktiv


In dieser Gemengelage war es kontraproduktiv, dass sich Pfarrer Eggers in dem Interview sehr pauschal, zuspitzend und undifferenziert geäußert hat. Ich bitte Pfarrer Eggers daher eindringlich um eine verbale Mäßigung. Man kann in der Sache hart miteinander ringen, aber auf der persönlichen Ebene sollte man anständig miteinander umgehen. Das hat auch mit Vertrauen zu tun. Ohne Vertrauen ist eine sinnvolle Zusammenarbeit nur schwer möglich.

Pfarrer Eggers engagiert sich stark für die Aufklärung von sexualisierter Gewalt in unserer Kirche und für Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. In diesem Anliegen hat er meine volle Unterstützung. Ich weiß, dass er als Pfarrer in Wolfenbüttel sehr geschätzt und respektiert wird. Deshalb verstehe ich gut, dass sich viele Menschen, insbesondere in seiner Pfarrgemeinde St. Petrus, mit ihm solidarisieren.

Ich möchte betonen: Pfarrer Eggers und ich verfolgen mit der konsequenten Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt das gleiche Ziel. Da das Thema hochkomplex ist, kann es immer wieder unterschiedliche Auffassungen darüber geben, wie man am besten vorgeht. Das zeigt sich auch in der aktuellen Situation. Gleichwohl hoffe ich sehr, dass wir eine gute Lösung finden werden.“


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