Krisenvorsorge im Landkreis: Was wurde aus den "Leuchttürmen" ?

Wie weit ist der Landkreis Wolfenbüttel mehr als zwei Jahre nach dem Start des Projekts "Bürger-Leuchttürme" mit der Einrichtung der Notfalltreffpunkte?

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Symbolfoto | Foto: KI-generiert mit GoogleGemini

Wolfenbüttel. Bereits 2023 kündigte der Landkreis Wolfenbüttel die Einrichtung von sogenannten Leuchttürmen an. Diese speziell eingerichteten Notfalltreffpunkte sollen im Krisenfall, wie beispielsweise bei lang anhaltenden Stromausfällen, zum Einsatz kommen. Eigentlich sollten die ersten Leuchttürme bereits in Betrieb sein. Wie weit ist man also bei der Einrichtung der Notfalltreffpunkte? regionalHeute.de fragte bei der Landkreisverwaltung nach.



Das Konzept der Leuchttürme folgt einem klaren Ziel: In extremen Krisenlagen, wie etwa einem großflächigen Stromausfall, sollen sie der Bevölkerung als Anlauf- und Informationspunkte dienen. Dabei geht es primär um die Vermittlung von Orientierung und die Koordination gegenseitiger Hilfsmaßnahmen direkt vor Ort. Die Standorte sollen so eingerichtet werden, dass sie für die Bürger fußläufig gut erreichbar sind und einen geschützten Raum für den Informationsaustausch bieten. Die Leuchttürme sollen mit spezieller Notruftechnik ausgestattet werden, die völlig unabhängig vom regulären Stromnetz funktioniert und so eine Verbindung zu den Rettungskräften sicherstellt, wenn herkömmliche Telefone versagen.

Unterschiedliche Kategorien


Der Landkreis unterscheidet bei der Umsetzung zwischen zwei Kategorien, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Welche das sind, erklärt Landkreissprecher Andree Wilhelm auf Nachfrage von regionalHeute.de. Die sogenannten „LT1“-Leuchttürme bilden dabei sozusagen das Rückgrat der Struktur. Diese befinden sich in festen öffentlichen Gebäuden, die für einen mehrtägigen Betrieb unter schwierigen Bedingungen mit Notstromaggregaten und autarkem Funk ausgestattet werden. Insgesamt 22 dieser Schwerpunkte sind im Kreisgebiet vorgesehen, wobei allein zehn auf das Stadtgebiet von Wolfenbüttel entfallen. Ergänzt werden soll dieses Netz durch die Kategorie „LT3“. Diese Einheiten sollen sicherstellen, dass in jeder einzelnen Ortschaft und jedem Dorf im Landkreis ein Notfalltreffpunkt vorhanden ist, um zumindest lebenswichtige Notrufe absetzen zu können. Hierfür befinden sich weitere 84 Standorte in der Planung, sodass ein Netz von insgesamt 106 Anlaufstellen entsteht.

Keine Leuchttürme in Sicht


Schon im Juni 2023 hieß es seitens des Landkreises, die ersten Notfalltreffpunkte sollten noch im selben Jahr startklar sein. Doch wer heute nach einer offiziellen Karte sucht, findet noch immer keine fertigen Standorte im Dauerbetrieb. Dass das Thema auch die Politik umtreibt, zeigte sich in der Kreistagssitzung im Januar: Dort hakte der CDU-Abgeordnete Frank Oesterhelweg nach und verlangte Auskunft zum aktuellen Sachstand.

Die Antworten der Verwaltung auf die Anfrage Oesterhelwegs offenbaren dabei konkrete Fortschritte, aber auch einen weiten Weg: So ist die bauliche Ertüchtigung (Notstrom-Einspeisung) für alle Gebäude der Kategorie 1 inzwischen abgeschlossen. Zudem wurde die erste Übung eines Leuchtturms erfolgreich absolviert, deren Ergebnisse nun ausgewertet werden. Das Ziel der Verwaltung ist jedoch langfristig gesteckt: Da jeder Leuchtturm mindestens einmal beübt werden soll, wird das Projekt laut offizieller Antwort erst Ende 2026 vollständig abgeschlossen sein.

Auf Nachfrage von regionalHeute.de ergänzte Landkreissprecher Andree Wilhelm die Gründe für die bisherigen Verzögerungen. Demnach hätten vor allem langwierige Vergabeverfahren bei der technischen Ausstattung sowie komplexe rechtliche Vereinbarungen zwischen dem Landkreis und den Kommunen mehr Zeit als ursprünglich kalkuliert beansprucht. Zudem müsse das Personal für den Betrieb – das von den Kommunen gestellt wird – erst gewonnen und an der Funktechnik geschult werden. Die Funktionsfähigkeit wird derweil weiter in der Praxis erprobt, wie zuletzt im August 2025 in der Samtgemeinde Sickte.

Übersichtskarte soll folgen


Eine offizielle Übersicht der Standorte soll auf der Homepage des Landkreises veröffentlicht werden, sobald die Betriebsbereitschaft final sichergestellt ist.

Während die Verwaltung an der technischen Fertigstellung arbeitet, betont der Landkreis, dass jeder Bürger bereits jetzt selbst tätig werden kann. Die Leuchttürme seien als Unterstützung der Selbsthilfe gedacht, könnten aber eine private Krisenvorsorge nicht vollständig ersetzen.

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