Stoppt diese Kröte den Luxusbau an der Lindener Straße?

In der Lindener Straße sollen zwei Häuser mit Eigentumswohnungen gebaut werden. Doch soll dort eine geschützte Krötenart leben. Droht nun der Stopp?

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Kann eine Kröte das Bauvorhaben stoppen?
Kann eine Kröte das Bauvorhaben stoppen? | Foto: Matthias Kettling (Kröte: Pixabay)

Wolfenbüttel. In der Lindener Straße sollen zwei Häuser mit Eigentumswohnungen im gehobenen Standard entstehen. Die Gebäude sollen in unmittelbarer Nähe zur Oker errichtet werden. Und genau das sorgt nun für Kritik von Anwohnern. Das Gebiet gilt als Überschwemmungsgebiet und Teil eines Biotopverbunds, in dem einige Exemplare der streng geschützten Wechselkröte leben, sagt ein Anwohner.



Auf die Berichterstattung zum geplanten Bauvorhaben erreichte die Redaktion von regionalHeute.de eine E-Mail eines Anwohners. Dieser berichtet, dass es in dem Bereich rund um das zu bebauende Gelände Wechselkröten geben würde. Das Gelände gelte seiner Recherche nach laut dem Niedersächsischen Landschaftsprogramm als besonders schützenswert für Landschaftsbild, Erholung und als Teil eines Biotopverbunds. Es werde befürchtet, dass durch die Bau- und Abbrucharbeiten Lebensräume der streng geschützten Wechselkröte zerstört werden könnten, da die Tiere offene, feuchte Flächen und aufgelassene Gebäude als Rückzugsorte nutzen. Zudem warnte er vor möglichen Risiken durch die Umwidmung von Überschwemmungsgebieten in Bauland, die nicht nur die Natur, sondern auch den Hochwasserschutz beeinträchtigen könnten. Kritik gab es auch an den Gehölzarbeiten, die vor einigen Wochen im Uferbereich der Oker stattfanden.

Keine Hinweise auf geschützte Kröte


Die Wechselkröte ist in Deutschland sehr selten und vom Aussterben bedroht.
Die Wechselkröte ist in Deutschland sehr selten und vom Aussterben bedroht. Foto: Pixabay


Um auf das Vorkommen der Wechselkröte aufmerksam zu machen, hatte sich der Bürger bereits an die Verwaltungen von Stadt und Landkreis und auch an den NABU gewandt, berichtet er gegenüber regionalHeute.de. Seitens der Verwaltungen habe man ihm daraufhin erklärt, dass keine Hinweise auf eine lokale Population vorlägen und die Baumaßnahmen – nach der Genehmigung des Bauantrags – im Rahmen eines gültigen Bebauungsplans stattfinden würden. Zudem seien die Gehölzarbeiten, die nichts mit den Bauplänen zu tun hatten, außerhalb der gesetzlichen Schutzzeiten erfolgt, weshalb derzeit keine rechtlichen Möglichkeiten gesehen würden, gegen das Bauvorhaben vorzugehen.


Das bestätigten sowohl Landkreis als auch Stadt noch einmal auf Nachfrage von regionalHeute.de. Die Stadt teilte auf Nachfrage mit, dass die Hinweise der Anwohner bekannt seien und die untere Naturschutzbehörde im Verfahren beteiligt wurde. Nach Einschätzung der Stadt handele es sich bei dem Grundstück jedoch nicht um einen geeigneten Lebensraum für die Wechselkröte. Einzelne Tiere könnten zwar – wie im gesamten östlichen Stadtgebiet – vorkommen, eine stabile Population werde dort jedoch nicht gesehen. Für eine weitergehende fachliche Bewertung verweist die Stadt an den Landkreis.

Auch der Landkreis bestätigte, dass Hinweise auf ein mögliches Vorkommen der Wechselkröte bekannt seien und der Bereich vor Ort überprüft wurde. Dabei seien jedoch keine Tiere festgestellt worden. Nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde sei das Grundstück zudem zu großen Teilen versiegelt und biete keinen geeigneten Lebensraum. Sollte sich dennoch vereinzelt ein Tier in das Gebiet verirren, etwa während Wanderbewegungen, werde es dort keinen dauerhaften Lebensraum finden und weiterziehen.

Aus Sicht des Landkreises stelle ein mögliches Auftreten einzelner Tiere daher keinen Hinderungsgrund für die Erteilung der Baugenehmigung dar. Ein direkter Austausch mit dem Bauherrn habe zu diesem Thema bislang nicht stattgefunden. Allerdings soll dieser nach Erteilung der Genehmigung vorsorglich über den Umgang mit eventuell auftretenden Einzeltieren informiert werden.

Wechselkröte vom Aussterben bedroht


Landkreissprecher Andree Wilhelm ergänzte, dass die Wechselkröte in Deutschland sehr selten und vom Aussterben bedroht sei. Im Landkreis Wolfenbüttel gebe es lediglich zwei gesicherte Vorkommen, die durch gezielte Maßnahmen der Unteren Naturschutzbehörde unterstützt würden. Als sogenannte Pionierart sei die Wechselkröte auf vegetationsarme und fischfreie Gewässer wie Kiesgruben oder temporäre Wasserflächen angewiesen. Gewässer wie die Oker seien daher kein geeigneter, dauerhafter Lebensraum. In etwa einem Kilometer Entfernung vom Baugebiet befinde sich jedoch ein bekanntes Habitat. Von dort könnten Tiere aus ihren Winterquartieren – etwa in Kleingartenanlagen oder auf Friedhofsflächen – im Frühjahr vereinzelt in Richtung neuer Lebensräume wandern und dabei auch im Bereich der Lindener Straße auftauchen.

Unverständnis bei Anwohner


Trotz dieser Einschätzungen betont der Anwohner, dass er mehrfach Wechselkröten auf seinem Grundstück beobachtet habe. Auf dem Grundstück gäbe es beispielsweise eine Wechselkröte, die ungefähr so groß wie eine Hand ist, schrieb der Anwohner an den NABU. Dieser antwortet, dass man immer wieder von Sichtungen der Wechselkröte im Stadtgebiet höre und man sich darüber freue. Erstaunlicherweise liebt diese Art Rohboden und ist deshalb auch durchaus auf Wegen und befestigten Plätzen zu finden, so der NABU, der noch einmal betont, dass man in Wolfenbüttel – zusammen mit Helmstedt – die letzten Vorkommen der Wechselkröte in Niedersachsen habe.

Er könne nicht nachvollziehen, dass nach Ansicht der Behörden kein Lebensraum der Tiere zerstört werde. Seiner Ansicht nach könnten etwa die offenen Hallen des benachbarten Unternehmens als Rückzugsorte für die Wechselkröten dienen. Er äußert die Hoffnung, dass das geplante Bauvorhaben angepasst wird, um die Tiere zu schützen, und es nicht in der geplanten Form umgesetzt wird.

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