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Verwirrung an Schulen: Beschafft das Land Niedersachsen schlechte Coronatests?



Verwirrung an Schulen: Beschafft das Land schlechte Coronatests?

Mit dem Verino Pro Ag Rapid-Test des chinesischen Herstellers VivaChek Biotech hat das Land Niedersachsen einen Coronaschnelltest an den Schulen verteilt, der unter diesem Namen nicht beim PEI gelistet ist. Werden die Schulen also schlecht versorgt?

von Niklas Eppert


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

Region. In der vergangenen Woche haben SarS-CoV-2-Schnelltests, die an niedersächsischen Schulen verteilt worden, für Irritationen unter Lesern gesorgt. Besonders das Modell Verino Pro des chinesischen Herstellers "VivaChek Biotech" war Ziel der Kritik: Immerhin sind zwei Tests dieses Unternehmens vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als nicht verlässlich genug beurteilt, um sie als offizielle Tests zu verwenden. Den Verino Pro dagegen bewertet das PEI allerdings als sicher, obwohl er nicht auf der offiziellen Liste zu finden ist. regionalHeute.de hat beim Kultusministerium gefragt, woran das liegt.



Wer den "Verino Pro SarS-CoV-2 Ag Rapid-Test" von VivaChek Biotech in den Listen des Paul-Ehrlich-Instituts sucht, der wird sich vergebens bemühen. Sehr wohl aber wird man die Modelle "VivaDiag SARS-CoV-2 Ag Rapid Test" und "VivaDiag Pro SARS-CoV-2 Ag Rapid Test" von eben dieser Firma finden. Allerdings unter den Schnelltests, die das Institut als nicht ausreichend sensitiv bewertet. Dennoch hat das Land Niedersachsen laut einer gemeinsamen Antwort des Sozialministeriums und des Kultusministeriums auf Nachfrage von regionalHeute.de knapp 11 Millionen Tests des Typs "Verino Pro" beschafft. Hat das Land also nicht zertifizierte Tests an den Schulen verteilt?

Der Verino Pro von VivaChek Biotech sorgte für einige Verwirrung. Immerhin listet ihn das Paul-Ehrlich-Institut nicht unter diesem Namen.
Der Verino Pro von VivaChek Biotech sorgte für einige Verwirrung. Immerhin listet ihn das Paul-Ehrlich-Institut nicht unter diesem Namen. Foto: Werner Heise




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Nein, das jedenfalls sagen Kultus- und Sozialministerium. Das Modell Verino Pro sei deswegen nicht zu finden, weil es unter dem Namen eines Äquivalents vom PEI aufgelistet sei, dem "MSP SarS-CoV-2 Schnelltest" der MSP bodmann GmbH. Die beiden Tests sind laut Paul-Ehrlich-Institut im Grunde gleichzusetzen. Deshalb hätten beide dieselbe AT-Nummer AT1281/21. Aufgeführt sei aber lediglich das Modell von MSP bodmann, auch wenn der Verino Pro die gleichen Werte aufweise. Beide Tests kommen demnach auf eine Gesamtsensitivität von 48 Prozent und werden vom PEI zur Verwendung empfohlen. Bei hoher Virenlast liege die Sensitivität sogar bei 100 Prozent, sodass auch die EU diese Tests empfiehlt. Zum Vergleich: Die anderen beiden Modelle von VivaChek Biotech kommen bei hoher Virenlast gerade einmal auf 65 beziehungsweise 54 Prozent.




Wenig Einfluss bei der Testauswahl


Zugleich habe das Land selbst wenig Spielraum bei der Auswahl der Tests. Wie alle öffentlichen Aufträge würde auch die Beschaffung von Tests ausgeschrieben, wodurch die zuständige Behörde nicht aktiv auf Hersteller zugehen kann. Die müssten sich erst bewerben, dann müsste das günstigste Angebot ausgewählt werden. Das Land kann nur Mindestanforderungen, wie die Art des Tests oder das Mindestmaß an Qualität, stellen. Alles andere regelt das Vergabeverfahren.

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Für Beschaffung und Verteilung selbst sei dann das Logistik-Zentrum Niedersachsen (LZN) zuständig. Immerhin zirka 8 Millionen davon seien bereits verteilt, 3 Millionen seien noch auf Lager. Aber auch die würden noch an Schulen in ganz Niedersachsen verteilt werden. Pro Test kostet der Verino Pro von VivaChek übrigens einen Euro. Insgesamt hat sich das Land diese Tests also 11 Millionen Euro kosten lassen.


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