"Die lokale Wirtschaft leidet" - Branchenvertreter treffen sich zum Krisengipfel

Viele Wolfsburger Unternehmen sind am Limit.

Vertreter der Wolfsburger Wirtschaft tauschen sich aus.
Vertreter der Wolfsburger Wirtschaft tauschen sich aus. | Foto: Stadt Wolfsburg

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Wolfsburg. Bund und Länder haben sich zum Schutz vor Covid-19 auf einen bundesweiten Lockdown verständigt. Für die lokale Wirtschaft in Wolfsburg habe diese Maßnahme teils gravierende Auswirkungen. Erster Stadtrat und Wirtschaftsdezernent Dennis Weilmann hat am Dienstag zu einer digitalen Krisensitzung mit Branchenvertretern aus der Wolfsburger Wirtschaft eingeladen. Ziel des Austauschs war eine gemeinsame Einschätzung der Lage, die befürchteten Auswirkungen für die einzelnen Branchen zu erörtern sowie Lösungsansätze zu diskutieren. Hierüber berichtet die Stadt Wolfsburg in einer Pressemitteilung.


Erster Stadtrat und Wirtschaftsdezernent Dennis Weilmann: "Die lokale Wirtschaft leidet bereits seit Monaten unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Durch den bevorstehenden Lockdown wird sich diese Situation noch deutlich verschärfen. Es gilt jetzt, die lokale Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen. Das wird eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. Der Einzelhandel und die Gastronomie haben in den letzten Monaten mit ihren Hygienekonzepten einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geleistet."

Umsätze um die Hälfte eingebrochen


Michael Wilkens, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg: "Vielen Betrieben geht es schlecht. Teilweise sind die Umsätze um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was zu Liquiditätsengpässen führt. Die Unterstützungsprogramme sind gut und wichtig, leider gibt es Probleme in der Abwicklung. Es braucht schnelle und unbürokratische Hilfe."

Liquiditätsengpässe bei Hotels


Florian Hary, erster Vorsitzender des DEHOGA-Bezirksverbands Land Braunschweig-Harz: "Erschwerend kommt hinzu, dass nicht absehbar ist, wann die angekündigten Dezemberhilfen beantragt werden können. In der Gastronomie und der Hotellerie sind derzeit Liquiditätsengpässe das größte Problem. Viele Betriebe wissen nicht, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezahlen sollen."
Melanie Perricone, erste Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbands Region Wolfsburg-Helmstedt: "Die zugesagten Mittel kommen bei vielen Unternehmen nicht an, teilweise nur mit Abschlagszahlungen. Das führt zu Existenzängsten, für viele Betriebe wird es sehr eng werden."

Claudius Nitschke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg: "Im Handwerk sind die Auftragsbücher teils noch gut gefüllt, beispielsweise dem Bauhauptgewerbe und den Baunebengewerken. Schlechter sieht es für Bäckereien mit Cafébetrieb, Fleischereien mit Schwerpunkt Catering und vor allem im Friseurhandwerk aus. Wenn der Lockdown noch deutlich länger andauert, wird das im Frühjahr vermehrt zu Insolvenzen führen."

Einzelhandel verliert, Onlinehandel legt zu


Michael Ernst, stellvertretender Vorsitzender des City Marketing Tourismus Wolfsburg e. V.: "Im Einzelhandel sind die Frequenzen enorm zurückgegangen. Im Jahr 2020 sind zulasten des lokalen Handels überproportionale Umsatzzuwächse im Onlinehandel verzeichnen. Gerade die Inhaber- und Familiengeführten Unternehmen werden das nicht überstehen. Neben den wichtigen Soforthilfen braucht es hier auch Unterstützung auf anderen Ebenen – beispielsweise könnten zusätzliche Verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr helfen."
WMG Geschäftsführer Jens Hofschröer appelliert: "Unterstützen Sie in dieser schwierigen Zeit die heimische Wirtschaft, beispielsweise indem Liefer- oder Abholdienste der Wolfsburger Geschäfte und Gastronomie genutzt werden. Der Online-Marktplatz der WMG bietet hierzu eine gute Übersicht. Auch mit einem Kauf des neuen Wolfsburger Stadtgutscheins, der WeCard, unterstützen Käufer direkt die Wolfsburger Wirtschaft. Jetzt gekaufte Gutscheine können zur Wiedereröffnung bei zahlreichen Wolfsburger Einzelhändlern, Dienstleistern, Gastronomen wie auch Freizeit- und Kultureinrichtungen eingesetzt werden.

Gemeinsames Positionspapier verabredet


Die Runde hat sich darauf verständigt, ein gemeinsames Positionspapier zu erarbeiten. Der Austausch der Branchenvertreter mit dem Wirtschaftsdezernenten wird im Januar fortgesetzt, um die Auswirkungen des Lockdowns sowie die aktuelle Pandemielage zu erörtern und den guten, konstruktiven Austausch fortzusetzen.