Wolfsburg. Am historischen Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Laagberg wurden drei neue Informationsbanner der Öffentlichkeit vorgestellt. Vertreterinnen der Zivilgesellschaft, der Vorstand des Freundeskreises KZ-Außenlager Laagberg e. V. sowie Vertreterinnen der Stadt und der Politik kamen dazu am Zelt mit den geborgenen Fundamentresten der ehemaligen Gefangenenbaracke 1 zusammen.
Im Mittelpunkt des gemeinsamen Termins stand nicht nur die Vorstellung der neuen Banner, sondern auch die Frage, wie die Geschichte des KZ-Außenlagers bereits heute an einem Ort vermittelt werden kann, dessen historische Spuren sich Besucher*innen nicht unmittelbar erschließen. Gerade in der weiterhin provisorischen Situation kommt der Vermittlung im öffentlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. Die Informationsbanner am Bauzaun machen Geschichte sichtbar, geben den Opfern ein Gesicht und erzählen ihre individuellen Lebensgeschichten.
Erinnerung braucht einen Ort
„Erinnerung bedeutet für mich, nicht nur auf historische Daten und Orte zu schauen, sondern auf die Menschen und das, was ihnen widerfahren ist. Ihre Geschichten berühren uns bis heute. Sie am Laagberg zu erzählen, heißt auch, Verantwortung für unsere eigene Stadtgeschichte zu übernehmen und die Erinnerung für kommende Generationen wachzuhalten“, betont Erster Stadtrat und Kulturdezernent Kai-Uwe Hirschheide.
Die Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Anita Placenti, unterstrich in diesem Zusammenhang noch einmal die Bedeutung historischer Informationen unmittelbar am authentischen Ort. Bis zur Realisierung des geplanten Gedenk- und Lernortes übernehmen die Banner eine wichtige Funktion: Sie schaffen Zugänge zur Geschichte, ermöglichen Orientierung und machen deutlich, welche Schicksale sich mit diesem Ort verbinden.
Alle Anwesenden betonten zugleich die gemeinsame Verantwortung von Stadt, Politik und Zivilgesellschaft für die weitere Entwicklung des historischen Ortes. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des KZ-Außenlagers Laagberg und die Erinnerung an die dort inhaftierten Menschen seien eine gemeinsame Aufgabe, die auch mit Blick auf die Zukunft von großer Bedeutung bleibe.
Biografien machen Geschichte greifbar
Einen besonderen Einblick in die biografische Erinnerungsarbeit gab Anke Paulsen vom Freundeskreis KZ-Außenlager Laagberg e. V. Sie berichtete von ihren Recherchereisen und führte die Anwesenden noch einmal tiefer in die Lebens- und Verfolgungsgeschichte des bretonischen Résistancekämpfers Yves Normant ein. Seine Geschichte ist eine der drei Perspektiven, die mit den neuen Bannern am historischen Ort sichtbar werden.
Neben Yves Normant widmen sich die neuen Informationsbanner dem Schicksal der erst 18-jährigen sowjetischen Zwangsarbeiterin Nadja Safonowa sowie den DEGOB-Protokollen, in denen ungarische Jüdinnen nach ihrer Befreiung von Verfolgung, Deportation und KZ-Haft berichteten. Damit verbinden die Banner individuelle Lebensgeschichten und historische Quellen mit der Geschichte von Verfolgung, Zwangsarbeit und Konzentrationslagerhaft in der damaligen Stadt des KdF-Wagens.
Erinnerung für kommende Generationen
Die neuen Banner zeigen damit zugleich, wie historische Vermittlungsarbeit schon heute am Laagberg stattfinden kann: unmittelbar am Ort, biografisch und quellenbezogen, getragen von der gemeinsamen Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und ihre Geschichten auch für kommende Generationen sichtbar zu machen.

