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Zahl der Zweitjobber im Landkreis auf 2.300 gestiegen


Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Extra-Einkommen im Nebenerwerb angewiesen. In der Gastronomie sind solche Zusatzjobs besonders verbreitet. Foto: NGG
Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind auf ein Extra-Einkommen im Nebenerwerb angewiesen. In der Gastronomie sind solche Zusatzjobs besonders verbreitet. Foto: NGG Foto: NGG

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17.10.2017

Landkreis. Immer mehr Zweitjobber: Rund 2.300 Menschen im Landkreis Wolfenbüttel haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – 67 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur.


Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 180 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Kreis Wolfenbüttel – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 21 Prozent.

Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG Süd-Ost-Niedersachsen, spricht von einem „alarmierenden Trend“. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen.“ Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt im Kreis Wolfenbüttel steigende Beschäftigungsquoten. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Tessmann.

Fachkräfte nur mit guten Löhnen


Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert der Gewerkschafter, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.“ Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß. Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle.

Politik ist gefordert


Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Süd-Ost-Niedersachsen auch bei der Politik. „Wenn laut Arbeitsagentur im Kreis Wolfenbüttel mittlerweile gut jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, betont Tessmann. Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit- Beschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

Tessmann plädiert dafür, dass die Tarifbindung in allen Branchen gestärkt wird. Dafür müssten sich sowohl die Arbeitgeber in ihren Verbänden als auch noch mehr Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisieren. „Zugleich muss sich die nächste Bundesregierung dringend um die Rente kümmern. Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müssen. Hier brauchen wir eine Haltelinie nach unten“, sagt Tessmann.


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