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Zurück in die Schule - Verpflichtendes Lernen schon ab dem 22. April

Kultusminister Grant Hendrik Tonne erläuterte in der Landespressekonferenz den Fahrplan für die Rückkehr in die Schulen. Für die Abschlussjahrgänge geht es schon weit vor dem 4. Mai los.

von Marvin König


Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne.
Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Tanja Bischoff

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16.04.2020

Region. Wie bereits gestern durch Bundeskanzlerin Merkel und den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil angekündigt, beginnt ab dem 4. Mai der schrittweise Wiedereinstieg in den Schulbetrieb. Kultusminister Grant Hendrik Tonne erläuterte heute Details zu diesem Plan und gab bekannt, dass die Prüfungsklassen der Haupt- und Realschulen, sowie die Abiturjahrgänge bereits ab dem 22. April wieder in ein Pflichtprogramm starten. Für sie ist der erste Schultag - zumindest anteilig - am 27. April.


Das Land Niedersachsen wird seine Schulen ab dem 27. April zunächst für neunte und zehnte Klassen der Sekundarstufe Eins, sowie die Abiturjahrgänge wieder öffnen, um den Schülerinnen und Schülern ausreichend Zeit zur Vorbereitung zu geben. Das bedeutet, dass die Abitur- wie auch alle anderen Abschlussprüfungen nach jetzigem Stand unter Einhaltung der Hygienevorgaben des Robert-Koch-Instituts unter Verschiebung der Termine nach hinten stattfinden. Die Termine für die Sommerferien sollen dafür nach aktuellem Stand nicht angetastet werden.

Ab dem 4. Mai sollen gestuft weitere Jahrgänge nach und nach in den Präsenzunterricht zurückkehren. Für alle Schülerinnen und Schüler, die noch nicht wieder in die Schulen zurückkehren, ist ab dem 22. April das verpflichtende Lernen zu Hause vorgesehen. "Wenn wir jetzt von einem schrittweisen Anfahren des Schulbetriebes reden, dann wird das nicht bedeuten, dass die gewohnte Normalität einzieht. Es wird eine Kombination aus dem Präsenzunterricht in der Schule und dem Lernen zu Hause geben. Das muss sich einspielen", so Grant Hendrik Tonne während der Landespressekonferenz am heutigen Donnerstag. Weiter erklärte der Minister: "Ab dem 22. April wird verbindlich zu Hause gelernt, dazu gehören auch geleitete Prüfungsvorbereitungen. Mir ist sehr bewusst, dass das den regulären schulischen Unterricht nicht vollwertig ersetzen wird."

Der weitere Fahrplan


Eine Woche später als die Abiturienten werden am 4. Mai die vierten Klassen der Grundschulen den Betrieb wieder aufnehmen, da sich diese im Übergang zur weiterführenden Schule befinden. In der Woche darauf (11. Mai) werde man die Abschlussjahrgänge des kommenden Jahrgangs (in den Hauptschulen die achten Klassen, in den Realschulen die neunten Klassen, an den Gymnasium die zwölften Klassen) zurück in die Schulen holen. Die Jahrgänge drei, neun und zehn folgen ab dem 18. Mai. Auch die Abschlussklassen der berufsbildenden Schulen starten am 27. April. Der Plan des Kultusministers sei es, noch in diesem Schuljahr alle Klassen wieder zurück in die Schulen zu bringen. Genaueres müsse aber in Zukunft noch im Hinblick auf ein sich möglicherweise veränderndes Infektionsgeschehen geprüft werden.

Unterricht in halben Klassen


Wichtiger Kernpunkt dieses Fahrplans zur Wiederaufnahme des Schulbetriebes ist der sogenannte "umschichtige Unterricht", das heißt, es werden jeweils nur halbe Klassen in festen Gruppen unterrichtet, die sich nicht überschneiden dürfen. Kontaktintensive- oder klassenübergreifende Fächer wie beispielsweise der Sportunterricht fallen deshalb mindestens bis zu den Sommerferien komplett weg. Für die Abiturienten werde man sich auf Sporttheorie beschränken, da Sport für diese ein abiturrelevantes Fach darstelle.

Gelernt werde trotzdem durchgängig. Entweder in der Schule oder zu Hause. Es gibt verschiedene Wechselmodelle, aus denen die schulen wählen können. Die Idee ist, dass sich im Zuge einer Woche die klasse in der Schule befindet, aber nie zur gleichen Zeit. Die Gruppen können, jeden Tag wechseln, im Block wechseln oder eine wochenweise Beschulung machen."

Hygienische Voraussetzungen müssen geschaffen werden


Kompromisslos gibt sich Tonne bei der Schaffung der hygienischen Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Schulbetriebes. Hier liege ein Rahmenplan vor. Dass Schulen geschlossen bleiben, weil sie diese Maßnahmen nicht bewerkstelligen können, komme für den Minister nicht infrage: "Genau das ist ja Gegenstand des Rahmenplans, der beinhaltet mehrere Komponenten. Zum Beispiel, wie sollen Tische gestellt werden? Wie ist Lüftung zu ermöglichen? Aber natürlich muss in Absprache mit Schulträgern auch gesehen werden, was das für das Vorhandensein von Seife, Papierhandtüchern und Desinfektionsmitteln bedeutet." Immer wieder werde dabei auch der schlechte Zustand der WC-Anlagen an vielen Schulen angesprochen. Doch man gibt sich zuversichtlich: "Wir werden mit den Schulträgern dafür sorgen, dass Angebote da sind, um den Hygieneschutz einzuhalten." Tonne betont jedoch auch, dass die Schulträger für die Einhaltung dieser Vorschriften letztlich alleinverantwortlich seien, die in eingeschränkter Form ja auch außerhalb der Krise gelten.

Gestaffelte große Pausen


Die halben Klassen entzerren nicht nur die Unterrichtsatmosphäre und schaffen Raum, um den nach wie vor auch in den Schulen geltenden Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, sie sorgen auch dafür, dass in den Bussen mehr Platz ist. Tonne weist in diesem Zusammenhang auf die gestrige "dringende" Empfehlung der Bundesregierung zum Tragen von sogenannten "Alltagsmasken" hin, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel die selbstgenähten provisorischen Mundschutze bezeichnete. Diese könnten dazu beitragen, das Risiko bei den Schülertransporten weiter zu minimieren. Das Gleiche gelte für Pausen - hier sollen die Schulen eigenverantwortlich über eine "Entzerrung", so der Minister, der Pausenzeiten nachdenken. Die großen Pausen sollten sich so wenig wie möglich überlappen und auf den Schulhöfen muss zwingend der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden: "Die Hygiene auf dem Pausenhof funktioniert im Wesentlichen durch Abstand. Deswegen können wir auch nicht alle, die in der Schule sind, zeitgleich auf den Pausenhof schicken", erklärt der Minister dazu und ergänzt: "Ich glaube dass, das einem in Teilen auch skurril vorkommen wird, aber es ist erforderlich.

Risikogruppen können zu Hause bleiben


Immer wieder sei auch die Frage aufgekommen, wie es mit Kindern aussehe, die selbst zu Risikogruppen gehören. Hier macht der Kultusminister deutlich, dass diese natürlich zu Hause bleiben könnten, um ein digitales Lernangebot zu nutzen. Die Möglichkeiten hierzu sollen weiter ausgebaut werden. Gleiches gilt für Lehrkräfte, die einer Risikogruppe angehören: Diese würden im Homeoffice für ihre Schüler zu Hause erreichbar bleiben und Materialien für den Heimunterricht aufbereiten.

Prototyp der "Bildungscloud" geht Online


Alle Jahrgänge, die noch nicht wieder in der Schule sind, sowie alle Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation zu Hause bleiben müssen, werden von ihren Lehrkräften für das „Lernen zu Hause“ mit Lernplänen und Aufgaben versorgt. Der Schwerpunkt beim "Home-Learning" soll auf die Stärkung der Basiskompetenzen gelegt werden. Auf dem Niedersächsischen Bildungsserver wird derzeit das Angebot erweitert, um Schülerinnen und Schülern zusätzlich Selbstlernangebote, digitale Unterrichtseinheiten und -materialien, Links zu geeigneten, kostenfreien Internetseiten und Online-Lernplattformen, Apps und ähnliches für alle Schulformen und Fächer bereitzustellen. Mit der Niedersächsischen Bildungscloud (NBC) wird ab dem 4. Mai allen niedersächsischen Schulen der Prototyp eines kostenlosen und barrierefreien Lernmanagement-System angeboten. Der große Bedarf sei offensichtlich, weit über 5.000 Schulen hätten laut dem Kultusminister bereits Interesse bekundet.

Alle Maßnahmen werden stetig evaluiert und mit den Möglichkeiten, die das aktuelle Infektionsgeschehen erlaube abgeglichen. So kann es in der Zukunft auch noch zu Änderungen im Ablauf kommen. Dies würde besonders die unteren Klassenstufen betreffen. Kultusminister Tonne formuliert es so: "Die weiteren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Schul- und Bildungssystem sind nicht abschließend absehbar. Das muss man auch sagen."


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