Krieg in Deutschland: So bereitet man sich auf den Notfall vor

Die Krise in der Ukraine spitzt sich zu. Die Bundeswehr rät, Vorräte anzuschaffen. Doch was braucht man für etwaige Notstände eigentlich wirklich alles? regionalHeute.de hat beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachgefragt.

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Dieser Vorrat wäre etwas knapp, um davon zehn Tage zu überleben.
Dieser Vorrat wäre etwas knapp, um davon zehn Tage zu überleben. | Foto: Pixabay; Alexander Panknin

Region. Die Krise zwischen Russland und der Ukraine spitzt sich weiter zu. So drohte der Kreml Ende des vergangenen Jahres bereits mit dem Dritten Weltkrieg, sollte die Ukraine der NATO beitreten. Durch Waffenlieferungen und weitere Hilfen rückt auch Deutschland immer mehr ins Fadenkreuz. Zuletzt sagte Deutschland seine Unterstützung mit Leopard 2-Panzern zu. Militär und Katastrophenschutzbehörden raten, dass sich auch die deutsche Bevölkerung auf Notstände vorbereiten müsse.



So äußerte die Bundeswehr bereits vor Wochen, dass Anschläge auch auf unsere kritische Infrastruktur zu erwarten seien. Hinzu kommt die ohnehin drohende Energiekrise, wegen der bereits das Szenario eines Blackouts ausführlich diskutiert wurde. Die zuständigen Katastrophenschutzbehörden nehmen die Bevölkerung in die Pflicht, selbst Vorsorge zu treffen.

Doch wie bereitet man sich eigentlich auf solch eine Situation vor? regionalHeute.de hat beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachgefragt und ausführliche Informationen erhalten.

Bevorratung


Dass dies auch für die Zivilbevölkerung in Deutschland notwendig werden würde, damit haben vermutlich die wenigsten gerechnet: Auch private Haushalte in Deutschland sollten Vorsorge treffen. Glücklicherweise gibt es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nicht nur in dieser Krise eine klare, ständige Handlungsanweisung, welche Vorräte idealerweise anzuschaffen sind.

Diese Vorräte sollte jeder Haushalt haben


Auch wenn diese Empfehlung überspitzt klingen mag, so liegt darin eine gewisse Erwartungshaltung der Behörden - wenn es ernst wird, muss man sich zumindest eine Zeit lang selbst versorgen können. Haushalte sollten in jeder Krisensituation die empfohlenen Vorräte vorhalte, damit ein entsprechender Schutz gewährleistet werden kann.

Dazu gehört ein Lebensmittelvorrat für mindestens zehn Tage, dies geht aus dem "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" hervor.

Als besonders wichtig gilt hier Trinkwasser in ausreichender Menge. Zwei Liter Wasser sollten für jede Person pro Tag zur Verfügung stehen. Dies umfasst den lebensnotwendigen Trinkwasseranteil (1,5 Liter), aber auch den Wasservorrat, der für die Zubereitung von Lebensmitteln notwendig ist. Hinweis: Ein Mensch kann maximal vier Tage ohne Trinkwasser auskommen.

Der 10-Tage-Vorrat sollte zudem ausreichend Lebensmittel beinhalten. Die empfohlene Menge für diesen Zeitraum beträgt pro Person:

- 3,5 Kilogramm Getreide, Getreideprodukten, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis
- 4 Kilogramm Gemüse und Hülsenfrüchte
- 2,5 Kilogramm Obst und Nüsse
- 2,6 Kilogramm Milch und Milchprodukte
- 1,5 Kilogramm Fisch, Fleisch, Eier beziehungsweise Volleipulver
- 0,357 Kilogramm Fette und Öle

Hinzu können natürlich weitere Lebensmittel bevorratet werden: Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz, Fertiggerichte, Kartoffeltrockenprodukte, Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen und Ähnliches.

Taschenlampen und Batterien


Die Bundeswehr empfiehlt zudem, dass sich die Bevölkerung mit einem ausreichenden Vorrat an Batterien und Taschenlampen eindeckt. In der aktuellen Lage könne von Angriffen auf die kritische Infrastruktur ausgegangen werden. So sei auch ein Blackout durch Manipulation des Stromnetzes denkbar. Demnach sei es sinnvoll, sich auf entsprechenden Ausfall des Lichts vorzubereiten.

Was tun beim Blackout


Natürlich sollte man vor allem Ruhe bewahren, wenn der Strom ausfällt. In den meisten Fällen liegen die Probleme bei technischen Defekten, die der Stromversorger innerhalb weniger Stunden beheben kann.

Sollte gerade in der kalten Jahreszeit dadurch die Heizung ausfallen, dann hilft vor allem warme Kleidung. Ideal ist es, wenn ein Kamin oder ein Ofen vorhanden ist. Dafür sollte man immer einen entsprechenden Vorrat an Brennmaterial lagern.

Achtung: Aktuell sind Kohle, Briketts und Holz für den Kamin schwer zu bekommen:


Wenn das Licht ausbleibt, dann ist es tatsächlich hilfreich, Taschenlampen und Batterien vorrätig zu haben - ganz wie es die Bundeswehr empfiehlt. Alternativ lassen sich auch Kerzen nutzen. Praktisch sind Kurbeltaschenlampen - diese funktionieren auch ohne zusätzliche Stromquelle.

Mahlzeiten können entweder kalt verzehrt oder gegebenenfalls mit einem Campingkocher zubereitet werden. Auch der Garten- oder Tischgrill kann verwendet werden. Hierfür sollte man entsprechend Kohle oder Gas lagern. Dabei gilt zu beachten, dass diese Zubereitung nicht in den eigenen vier Wänden stattfinden sollte: Brandschutz.

Wer eine zusätzliche Powerbank zu Hause hat, kann damit eine Weile Kleingeräte mit Energie versorgen. Allerdings dürfte das Internet in vielen Fällen auch ausgefallen sein bei einem Stromausfall. Für die Anbindung an die Außenwelt kann demnach ein kleines Transistorradio sinnvoll sein.

Sauberkeit und Hygiene


Auch die Körperpflege und Wasseraufbereitung sollte man nicht außer Acht lassen. Hierfür kann man kleinere Mengen Wasser aus seinem Vorrat nehmen. Es gibt auch entsprechende Tabletten, mit denen man Keime im Wasser reduzieren kann.

Ein Erste-Hilfe-Set sollte in den meisten Hausapotheken vorhanden sein. Es ist trotzdem hilfreich, dieses regelmäßig aufzufrischen und aufzufüllen. Hierfür eignen sich auch KFZ-Verbandkästen.

Wichtige Unterlagen sollten griffbereit liegen, um auf alle Situationen vorbereitet zu sein. Da bei einem Stromausfall auch Geldautomaten nicht genutzt werden können, kann es sinnvoll sein, einen gewissen Geldbetrag in bar an einem sicheren Ort aufzubewahren.

Atomare Bedrohung


Im Kontext einer radiologischen Bedrohungslage weist das BBK darauf hin, dass in allen 16 Bundesländern Kaliumiodidtabletten (Jodtabletten) über die Katastrophenschutzbehörden bevorratet werden. "Sollte ein entsprechender Notfall eintreten - also ein Ereignis, bei dem ein Eintrag von radioaktivem Jod in die Luft zu erwarten ist - werden sie in den möglicherweise betroffenen Gebieten verteilt", so das BBK.

"Das bedeutet nicht immer, dass die Jodtabletten sofort eingenommen werden müssen: Der richtige Zeitpunkt für die Einnahme ist entscheidend, denn eine zu frühe oder zu späte Einnahme sorgt dafür, dass die gewünschte Schutzwirkung nicht erzielt wird."

Zur Einnahme würden die entsprechenden Personengruppen durch die Katastrophenschutzbehörden explizit aufgefordert. Von einer selbstständigen Einnahme von Jodtabletten sei unbedingt abzusehen.

Weitere Tipps


Das BBK stellt unabhängig von akuten Gefährdungslagen verschiedene Tipps und Hilfsmittel zur Vorbereitung der Bevölkerung zur Verfügung. Beispielhaft zu nennen sind hier die Publikationen "Ratgeber Notfallvorsorge" oder "Stromausfall - Vorsorge und Selbsthilfe". "Hier ist besonders hervorzuheben, dass jede Art von Vorbereitung hilft, und sei es auch erst mal nur einen Vorrat auf drei Tage anzulegen, denn Notsituationen treten oft überraschend ein", so das BBK auf Anfrage von regionalHeute.de.


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