Sie sind hier: Region >

Betrug mit Mindestlohn: Zoll Braunschweig leitet über 100 Verfahren ein



Betrug mit Mindestlohn: Zoll leitet über 100 Verfahren ein

Ab Oktober steigt der Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde. Die IG-BAU begrüßt das zwar, befürchtet aber mehr Betrug mit dem Mindestlohn.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Über dts Nachrichtenagentur

Region. Das Hauptzollamt Braunschweig hat im vergangenen Jahr 113 Verfahren gegen Unternehmen eingeleitet, weil Mindestlöhne unterschritten, gar nicht oder zu spät gezahlt wurden. Das berichtet die IG-BAU in einer Pressemitteilung. Dabei verhängten die Beamten demnach Bußgelder in Höhe von rund 440.000 Euro. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Erhebung des Bundesfinanzministeriums für den Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup (SPD), der auch Mitglied im Finanzausschuss des Parlaments ist. Demnach entfielen 19 Ordnungswidrigkeitsverfahren auf Baufirmen in der Region, gegen die Geldbußen von 58.500 Euro verhängt wurden.



Lesen Sie auch: Bundestag beschließt 12 Euro Mindestlohn ab 1. Oktober


„Die Zahlen zeigen, dass es viele Arbeitgeber mit der Bezahlung ihrer Beschäftigten nicht so genau nehmen. Der Zoll sollte daher auch im Kreis Wolfenbüttel noch mehr Präsenz zeigen. Das Risiko für schwarze Schafe, bei einer Kontrolle erwischt zu werden, ist noch immer zu gering“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg. Der IG BAU-Bezirksvorsitzende erklärt, dass die Arbeit, die auf die Zolleinheit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) zukommt, mehr würde. Denn mit der geplanten Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde stiegen ab Oktober auch die Einkommen Tausender Menschen in der Region. „Der Staat muss dann sicherstellen, dass die Beschäftigten den höheren Mindestlohn auch wirklich bekommen. Die wichtige und überfällige Erhöhung des unteren Lohnsockels darf nicht nur auf dem Papier gelten“, so der Vorsitzende der IG BAU Braunschweig-Goslar.



Der Gewerkschafter warnt vor bloßen „Placebo-Kontrollen“, sollte das Hauptzollamt Braunschweig die Arbeitgeber-Prüfungen nicht deutlich ausweiten. „Entscheidend ist, dass die FKS zusätzliches Personal bekommt. Das Bundesfinanzministerium als oberster Dienstherr der Zollverwaltung muss sich mit Hochdruck um neue Kontrolleure kümmern.“

Zu wenig Personal?



Kritik übt die IG BAU zudem an einem „staatlichen Zuständigkeits-Wirrwarr“. So hätten die Arbeitsschutzbehörden beispielsweise die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und Standards bei Unterkünften ausländischer Beschäftigter im Blick. Allerdings fehle es in den Ämtern ebenfalls an Personal – obwohl sie in der Pandemie zusätzliche Aufgaben wie die Kontrolle der Corona-Vorschriften am Arbeitsplatz bekommen hätten. Die FKS des Zolls hingegen kümmere sich um die Prüfung von Lohn- oder Steuerabrechnungen. „In der Praxis wäre eine staatliche Arbeitsinspektion aus einer Hand sinnvoller. Als übergeordnete Behörde könnte sie für die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte und Sozialvorschriften Sorge tragen“, so Ehrenberg.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums kontrollierte das Hauptzollamt Braunschweig im vergangenen Jahr insgesamt 874 Unternehmen in der Region – 178 davon aus der Baubranche. Im Fokus der Fahnderinnen und Fahnder standen neben Lohn-Tricksereien insbesondere auch Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Steuerbetrug: Insgesamt leiteten die Braunschweiger Zöllner hier 2.001 Strafverfahren ein, 238 davon auf dem Bau.


zum Newsfeed