whatshotTopStory

Braunschweig will Flüchtlinge besser integrieren

von Sina Rühland


Foto: Anke Donner)

Artikel teilen per:

15.03.2016


Braunschweig. Seit Januar 2016 werden Flüchtlinge auch dauerhaft in Braunschweig untergebracht. Mit etwa 1000 geflohenen Menschen rechnet die Verwaltung im Laufe des Jahres. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt ein Integrationskonzept erarbeitet – und dieses am Dienstag unter viel Lob und einer kurzen Diskussion im Rat beschlossen.

Streetworker in Kralenriede, Sprachkurse in Schulen, schnelle Eingliederungen in Kitas und Bildungseinrichtungen und gesellschaftliche Teilhabe über Arbeit: das Konzept sieht eine schnellere und bessere Integration der Menschen, die nach Braunschweig kommen, vor. Gleich am Anfang des Konzeptes findet man einen Appell: "Integration bedeutet vor allem die aktive Herstellung von Chancengerechtigkeit – unabhängig von nationaler, kultureller und/oder ethnischer Zugehörigkeit. Sie bedarf einer gemeinsamen Grundlage, nämlich unserer Verfassung." Integration sei ein Beitrag zum sozialen Frieden, zitierte Dr. Elke Flake (Grüne) aus dem Appell von 2009. "Integration hört nicht nach einem Jahr auf." Sie hoffe, dass bald die Erkenntnis komme, dass Integration mehr sei, als Flüchtlingsarbeit. "Flüchtlinge sind so etwas wie ein Vergrößerungsglas, dass man auf bestimmt Bereiche wirft. Integration ist eine Aufgabe, die alle gesellschaftlichen Schichten umfasst."

Udo Sommerfeld (Linke) forderte eine Dokumentation der Abläufe in den Notunterkünften. Ihm sei das Konzept nicht weitreichend genug. Zu ungenau die Planungen zur langfristigen Unterbringung in eigenen Wohnungen, zu unsicher, dass die Menschen tatsächlich eine Job fänden, von dem sie leben könnten. Sommerfeld nannte das Konzept in seiner Ausführung "unbefriedigend", stimmte abschließend aber dennoch zu.

Jens-Wolfhard Schicke-Uffmann (Piratenpartei) erachtete es als sinnvoll, auch Flüchtlinge mit einzubeziehen, um zu erfahren, wie die Integration gelänge und wo noch Bedarf sei.

Fremde Sprache erlernen


Erweiterte Sprachkurse in Schulen, schnelle Eingliederungen in Kitas und Bildungseinrichtungen werden nach dem Konzept nun angestrebt. Dazu beabsichtigt die Stadt, an dem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung “zur kommunalen Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ teilzunehmen. Man brauche aber auch von Anfang an qualifizierte Dolmetscher, heißt es an einer anderen Stelle im Konzept.

Streetworker in Kralenriede


Für Kralenriede, mit dem Standort der Landesaufnahmestelle (LAB), gibt es zudem weitere Überlegungen. Man plant weitere Gesprächsrunden und Bürgergespräche zur Situation im Stadtteil mit Akteuren aus Politik, Verwaltung, Verbänden, den Kirchen, der Flüchtlingshilfe beziehungsweise der LAB. Hinzu kommen Hilfen für die Bewohnerschaft von der Busbeförderung über die Sauberkeit im Stadtteil bis zur Sicherheit für die Bewohner. Außerdem sollen mehrsprachige Personen in der Kralenriede als Streetworker eingesetzt werden, um bei Konflikten deeskalierend zu wirken, auf das Verhalten von Flüchtlingen einzuwirken, zu beraten und unter Umständen zu Fachstellen zu vermitteln.

Gasteltern und Ehrenamtliche


Auf die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge wird besonders Bezug genommen. Die Integration soll durch Aufnahme bei Gasteltern/Übernahme von Einzelvormundschaften erleichtert werden. Auch verschiedenste Sport- und Freizeitangebot sollen zur Integration genutzt werden. Angebote für Kinder und Jugendlichen sollen den Flüchtlingen näher gebracht werden.  Ohne ehrenamtliche Hilfe sei dies alles aber keineswegs zu leisten, so die Verwaltung. „Die Bereitschaft sich hier zu engagieren, sei groß. Insbesondere durch den massiven Zuzug von Asylsuchenden in die Landesaufnahmeeinrichtung in der zweiten Jahreshälfte 2015 wurde eine breite Welle von Hilfsbereitschaft ausgelöst“, heißt es.  Dieses Potential gelte es auch für die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen zu nutzen. Hier wolle man die Netzwerke weiter verdichten.

Teilhabe über Arbeit


Es wird eine Kombination aus Arbeitsgelegenheiten und Sprachunterricht angestrebt. Konkrete Angebote sind in Planung und relativ kurzfristig realisierbar: Eine Fahrradwerkstatt, in der Flüchtlinge unter Anleitung Fahrräder für Flüchtlinge herrichten. Eine Nähwerkstatt, in der Flüchtlinge unter Anleitung Kleidung ausbessern beziehungsweise selber herstellen. Vorstellbar sei auch ein neues, zusätzliches Gartenprojekt.

Finanzierung


Die Stadt Braunschweig plant pro zu integrierendem Mensch 15.000 ein. "Die Stadt Braunschweig ist sich bewusst, dass aus dem wachsenden Integrationsbedarf ein wachsender Bedarf an entsprechenden Ressourcen auch bei freien Trägern entsteht. Dieser wurde im Konzept nicht beziffert, da dazu zum derzeitigen Stand der Entwicklung keine kon­kreten Zahlen vorgelegt werden können. Mit der Einrichtung eines zusätzlichen Fördertopfes von 50.000 Euro können kurzfristig erste Bedarfe abgedeckt werden", so Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke. Die Absprachen zur Koordination der Ehrenamtsarbeit blieben unberührt.

Das Konzept finden Sie hier.


zur Startseite