Für realistischere Übungen: Malteser setzen auf besondere Technik

Seit dem vergangenen Monat nutzen die Malteser eine VR-Brille, um Notfallsituationen realistischer üben zu können.

Jannis Köhler von den Braunschweiger Maltesern mit der Virtual-Reality-Brille
Jannis Köhler von den Braunschweiger Maltesern mit der Virtual-Reality-Brille | Foto: Lukas/Malteser

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Braunschweig. Es ist nur eine Brille, doch sie spiegelt eine ganze Welt voller Unfälle, Notfälle und Katastrophen: Seit wenigen Wochen erproben die Malteser in Braunschweig eine „Virtual-Reality“ (VR)-Brille für den Einsatz in der Erste-Hilfe-Ausbildung. Vermutlich ab dem kommenden Jahr soll sie regelmäßig eingesetzt werden, wie die Malteser in einer Pressemitteilung berichten.



Wenn es um das Erlernen der Herzdruckmassage geht, sind Übungspuppen in der Ausbildung nicht mehr wegzudenken. Seit Jahrzehnten werden sie von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Erste-Hilfe-Kursen „wiederbelebt“. Doch wie verhält man sich richtig zum Beispiel bei einem Autounfall? Hier konnten Ausbilder bislang nur theoretisch unterrichten. Aufstellen eines Warndreiecks? In der Theorie schnell gehört – in der Praxis ebenso schnell vergessen.

Lückenschluss zwischen Theorie und Praxis


Eine VR-Brille könne die Lücke zwischen Theorie und Praxis bis zu einem gewissen Grad schließen, weil sie ihrem Träger konkrete Szenarien vorspielt. Dabei handele es sich im Grund um ein komplettes System aus einer Brille und zwei Controllern, die man in beide Hände nimmt. Hinzu komme ein Armband mit Sensor, welches die Hand- und Armbewegungen misst. Beim Einsatz an einer Übungspuppe messe der Sensor zum Beispiel, ob Frequenz und Drucktiefe der Herzdruckmassage ausreichen. Außerdem könne das Szenario auf einen externen Bildschirm übertragen werden, sodass andere Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses das gleiche Bild vor Augen haben, wie der Brillenträger.

Notfallsituationen realistisch erlebbar


Seit August nutzen die Malteser in Braunschweig nun eine solche VR-Brille des Unternehmens „Weltenmacher“. Ausbildungsleiterin Marion van der Pütten hat sich für ein Pilotprojekt zur Verfügung gestellt, das den Einsatz dieser VR-Brille in der konkreten Ausbildung erproben soll – gemeinsam mit Maltesern in Münster und Köln. „Ich habe das nur gemacht, weil viele meiner Ausbilder und Ausbilderinnen technikbegeistert sind und mich unterstützen“, bekennt die erfahrene Ausbilderin.

Einer von ihnen ist Jannis Köhler, Ausbilder, Einsatzsanitäter, Leiter des Schulsanitätsdienstes und nun in der Ausbildung zum Notfallsanitäter bei den Maltesern. Die VR-Brille bedient und zeigt er schon wie ein Profi und sieht deren große Vorteile: Sie mache Notfallsituationen realistisch erlebbar – wenn auch nur virtuell. Wie im echten Notfall baue sie Zeitdruck und Stress auf und zeige im Training schnell die Konsequenzen falschen Handelns auf. Wer zum Beispiel vergisst, ein Warndreieck aufzustellen, werde von einem anderen Auto angefahren – auch das zum Glück nur virtuell.

Brille soll weiterentwickelt werden


Noch sieht Köhler an einigen Stellen Bedarf für Feinschliff. Diese Punkte fließen in den kommenden Monaten in die Weiterentwicklung ein. Doch insgesamt sind Jannis Köhler und Marion van der Pütten überzeugt vom Nutzen der Brille. „Ich bin stolz darauf, bei diesem Pilotprojekt mitarbeiten zu können“, bekennt van der Pütten. „Wir heben die Erste-Hilfe-Ausbildung damit auf ein ganz neues Niveau.“