Jüngere Patienten, knappe Intensivkapazitäten: Klinikum Braunschweig besorgt

Das Alter der Corona-Patienten ist gesunken. Sie verbringen längere Zeit im Krankenhaus. Die Intensivkapazitäten in der Region seien zunehmend ausgeschöpft beziehungsweise überschritten.

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Symbolbild | Foto: pixabay

Braunschweig. Die aktuelle dritte Welle hat eine völlig andere Auswirkung auf die stationäre Covid-19-Versorgung als es in den ersten beiden Wellen der Fall war. Im Wesentlichen ist dies auf die englische Variante zurückzuführen, die mittlerweile so gut wie ausschließlich im Großraum Braunschweig nachgewiesen wird. Durch die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen werden die Corona-Patienten jünger. Die Sterberate liegt bei ihnen bei etwa 50 Prozent. Auch der Krankenhausaufenthalt verlängert sich, wie das Klinikum Braunschweig mitteilt.


Die ersten beiden Wellen wären dadurch geprägt gewesen, dass aufgrund nicht verfügbarer Impfungen sowie zahlreicher Ausbruchs-geschehen in Alten- und Pflegeheimen das Durchschnittsalter und die Zahl der Vorerkrankungen stationärer Patientinnen und Patienten sehr hoch waren und somit multimorbide ältere Menschen keine gute Prognose hatten. Das Ergebnis seien sehr hohe Todesraten bei oft kurzen, damit verbundenen Krankenhausaufenthalten gewesen. Dies hätte entsprechend auch zur Folge gehabt, dass die Liegezeiten auf den Intensivstationen im regionalen Maximalversorger im Durchschnitt nur bei 10 bis 14 Tagen lagen. Ein weiteres Ergebnis sei gewesen, dass durch die Breite der Neuinfektionen und Ereignisse der ersten beiden Wellen auch nur zehn Prozent der allgemeinstationären Patientinnen und Patienten später intensivpflichtig versorgt werden mussten.

Die Lage auf den Covid-19-Normalstationen des Klinikums Braunschweig sei zurzeit im Vergleich zu den ersten beiden Wellen und entsprechenden Spitzenzeiten ruhig. Das liege an den vielen Neuinfektionen von Menschen im jüngeren Alter zwischen 15 und 35 Jahren, die primär ambulant und nicht akutstationär versorgt werden können und weiterhin milde Verläufe haben.

Sterberate liegt bei 50 Prozent


Da die Impfungen bei den über 70-Jährigen wirken, sei diese Altersgruppe kaum noch im stationären Kontext zu sehen. Auch, weil es dadurch fast keine Ausbrüche mehr in den Pflege- und Altenheimen gebe. Die stationär zu behandelnden Patientinnen und Patienten seien jetzt mit einem Alter zwischen 50 und 70 Jahren deutlich jünger als in der Vergangenheit und jeder zweite zu Behandelnde müsse intensivmedizinisch versorgt werden. Die Sterblichkeit der auf der Intensivstation zu behandelnden Patientinnen und Patienten sei mit rund 50 Prozent sehr hoch und die meisten dieser Patientinnen und Patienten würden keine oder nur wenige Vorerkrankungen aufweisen. Sie würden also direkt als Folge einer SARS-CoV-2-Infektion versterben und nicht mehr wie noch in den Wintermonaten in Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion.
Aufgrund des jüngeren Durchschnittsalters verlängere sich aber der Intensivaufenthalt auf mehr als drei Wochen, was bei einer ungebremst ansteigenden Zahl an Infektionen zu einer überproportionalen Belegung der Intensivstationen im Städtischen Klinikum Braunschweig führen werde.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Braunschweig, Dr. Thomas Bartkiewicz, zeigt sich besorgt: „Es ist außerdem neu, dass die Verschlechterung des Krankheitsbildes noch sehr viel schneller eintritt. Die Erkrankten kommen nicht mehr wie bisher im Verlauf von vielen Tagen über die Allgemeinstation auf die Intensivstation, sondern direkt aus den Rettungswagen dorthin, nachdem sich ihre gesundheitliche Lage während der ambulanten Betreuung dramatisch verschlechtert hat. Mittlerweile sind dies ein bis zwei Patienten pro Tag.“

Kapazitäten in der Region werden knapp


Die Intensivkapazitäten in der Region seien zunehmend ausgeschöpft beziehungsweise überschritten. Für die Region errechne sich schon jetzt eine 7-Tage-Inzidenz von 159,5 (zwischen 82,2 in Goslar bis 325,1 in Salzgitter, Stand 14.04.2021, 11.00 Uhr), Tendenz stark ansteigend. Die Landkreise Peine und Gifhorn seien bereits am Rande ihrer intensivmedizinischen Kapazitäten als Hochinzidenz-Landkreise und haben dies auch schon angemeldet. Auch die Einsicht in das DIVI-Register zeige bundesweit eine deutlich zunehmende Belegung der Intensivkapazitäten, insbesondere auch aller unserer benachbarten Landkreise.

Weitere Intensivkapazitäten werden vorbereitet


Seit Beginn der Pandemie wäre die Stufe 3 der Covid-19-Allgemeinversorgung, die im regionalen Maximalversorger 85 Betten umfasst, bisher noch nicht überschritten worden. Im Bereich der Intensivversorgung befinde sich das Klinikum aktuell bereits in Stufe 3, mit insgesamt 19 möglichen Behandlungskapazitäten. Diese seien schon zu 66 Prozent ausgelastet, mit weiterhin zunehmender Tendenz. In der zweiten Welle habe es maximal eine Auslastung von unter 40 Prozent in der Spitzenphase gegeben. Da mit einer kompletten Auslastung dieser Betten in den kommenden sieben bis zehn Tagen zu rechnen sei, werde die Bereitstellung weiterer Intensivkapazitäten bereits vorbereitet. Die Intensivversorgung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten sei sowohl für den pflegerischen als auch den ärztlichen Dienst deutlich personalintensiver, alleine schon durch die einzuhaltenden aufwendigen Hygienemaßnahmen und strikten Raumtrennungen. Aus diesem Grund wäre bereits das OP-Programm erheblich eingeschränkt worden. Mit der Maßgabe, dass nur noch lebensrettende Eingriffe möglich seien.


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