Kinder und Jugendliche sollen weiter gestärkt werden

von Robert Braumann


Barbara Kühnel, Martin Albinus, Dr. Andrea Hanke, Andrea Streit und Beatrice Försterra (von links), Foto: Robert Braumann
Barbara Kühnel, Martin Albinus, Dr. Andrea Hanke, Andrea Streit und Beatrice Försterra (von links), Foto: Robert Braumann | Foto: Robert Braumann



Braunschweig. Die Stadt will weiter präventiv gegen die Folgen von Kinderarmut vorgehen. Ein neuer Baustein soll dabei die Qualifizierung der Teams der Familienzentren und Kindertagesstätten in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf sein.

Die Mitarbeiter nehmen an einer "Early-Excellence"-Qualifizierung teil. Dies ist ein für Familien in schwierigen Lebensverhältnissen entwickeltes, hochwertiges Unterstützungs- und Bildungsangebot, das als Reaktion auf die Auswirkungen des Zusammenbruchs der Stahlindustrie in den 1980er Jahren in Großbritannien entstanden ist. Die Angebote orientieren sich an den individuellen Bedürfnissen von Familien unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft. Die Kosten für die Qualifizierung werden auf Beschluss des Beirates Kinderarmut vom Braunschweiger Fonds für Kinder und Jugendliche getragen. Hier werden rund 300.000 Euro eingesetzt.

Positive Grundhaltung


Die Qualifizierung dauert etwas zweieinhalb Jahre. Der Early-Excellence-Ansatz hat eine konsequent positive Grundhaltung gegenüber Kindern, Eltern und Mitarbeitern. Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke sagte, "Leider gibt es Kinderarmut auch in Braunschweig, dies kann weitreichende Folgen haben, beinhaltet ein Entwicklungsrisiko und trägt zu einer Verfestigung sozialer Benachteiligung und individueller Beeinträchtigung bei." Prävention und Resilienzförderung (letzteres beinhaltet die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu stärken), in der Tagesbetreuung würden zu einer Stärkung des Selbstwertes und besseren kognitiven Leistungen führen. Dabei wird sich immer an den individuellen Bedürfnissen der Familie orientiert. Auch die Eltern werden in diesem Programm eingebunden. Das Ziel der Schulung sei die Haltung der zu Qualifizierenden vielleicht ein wenig zu verändern und die positive Grundhaltung immer in den Mittelpunkt zu stellen, so Hanke. "Es ist leichter zu sagen das Kind ist schwierig, als zu sagen, das Kind hat diese und jene Stärke und Ressource, an der wir arbeiten können", so Barbara Kühnel, Harz und Heide Dürr Stiftung. Diesen Rahmen zu verändern, dies sei einer der wichtigsten Punkten.

Umfassende Schulung


Es gibt dazu verschiedene pädagogische Strategien, die den Erziehern beigebracht werden. "Man kann eben nicht einfach sagen, nun sehen sie das alles doch einmal positiv, das bedarf einer umfassenden Schulung", so Beatrice Försterra, Sozialdezernat, Koordination Kinderarmut.  Hanke ergänzt: "Kind X oder Y macht die Erfahrung, dass sein Umfeld ihm klar macht, dass es eigentlich nichts kann und bekommt dies auch immer wieder gespiegelt. Mit dem Early-Excellence - Ansatz werden die Fähigkeiten der Kinder herausgestellt und gestärkt." Martin Albinus, Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Familie: "Es ist eben nicht ganz einfach, wenn Erzieher immer wieder mit dem gleichen stressigen Kind konfrontiert werden, dann dennoch den Blick für das Positive zu behalten, ist einer der zentralen Schulungsinhalte." Dank einer Förderung durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung kann eine zusätzliche Fachberatungsstelle eingerichtet werden. Für sieben Familienzentren habe man schon feste Termine. Weitere Einrichtungen hätten Interesse teilzunehmen. Am Ende sollen alle zwölf Familienzentren der Stadt teilnehmen.


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