Kulturdezernentin Hesse: Das „Meier“ kann bis Ende April 2015 offen bleiben




Braunschweig. Im Rahmen der Debatte um die Schließung der Meier Music Hall wurde jüngst unterschiedlichste Kritik an der Kulturverwaltung laut. So forderten Kenner der hiesigen Musikszene u.a., der „Leerstand möge überprüft“ oder Industriebrachen angemietet werden. Andere Stimmen ermahnten die Verwaltung, sie möge nun zügig die „Aufträge der Politik“ abarbeiten.

Im Zusammenhang mit der Suche nach einer Nachfolgeeinrichtung für das FBZ wies Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse heute die diversen Vorwürfe zurück, unter anderem auch die jüngsten Stimmen, bei der Stadtverwaltung sei kein „echter Wille, ein Plan, geschweige denn eine Vision“ zu erkennen, ein „neues FBZ“ zu schaffen. „All dies verkennt die intensive Arbeit, die die Kulturverwaltung und ich persönlich in den vergangenen Jahren diesem Thema gewidmet haben.“

Hesse verwies u.a. auf die Expertenrunden mit Vertretern der Braunschweiger Kultur, vor allem aber auf die damalige Vorlage vom September 2012. „Hier haben wir“, so die Kulturdezernentin, „gemäß des Ratsbeschlusses von 2011 die Anforderungen an eine solche Nachfolgeeinrichtung ausführlich untersucht. Das Ergebnis dieser umfassenden Bestandsaufnahme ist hinlänglich bekannt: vor allen anderen Aspekten ist der Bedarf im Konzert- und Musikbereich besonders groß. Und dieses Ergebnis haben wir schon vor eineinhalb Jahren festgehalten, als von der Schließung der Meier Music Hall noch nicht die Rede war: Insbesondere eine Halle für Konzerte für 500-1000 Besucher fehlt nach dem Wegfall des FBZ. Dies haben wir in unserer Vorlage vom 28. September 2012 dargestellt und dementsprechend die Einrichtung eines Veranstaltungszentrums vorgeschlagen.“ Darin habe die Verwaltung auch bereits 7-8 Standorte zur näheren Untersuchung vorgestellt.

Die Auswahl eines solchen Standortes sei komplex, da es fast keine innenstadtnahe Lagen gibt, an denen eine Musikhalle verträglich wäre. Und auch nicht jede Industriebrache sei für einen solchen Zweck geeignet. Betrachtet worden sei daher natürlich auch nicht nur der Leerstand, sondern es seien eine Vielzahl von Kriterien, etwa Größe, räumliche Bedingungen, Veranstaltungstauglichkeit, Sanierungsbedarf untersucht worden. Ganz entscheidend aber ist die Integration eines solchen Veranstaltungsortes hinsichtlich ihrer Verträglichkeit mit nachbarschaftlichen Belangen. Hesse dazu: „Musikveranstaltungen mit Parkplatzsuchverkehr, Lautstärke nach 22 Uhr und vielen anderen Kriterien, sind in Braunschweig nicht an jeder Straßenecke zu finden“. Nach der Prüfung der Verwaltung aber habe sich die Milleniumhalle als geeigneter, auch kurzfristig umsetzbarer Standort erwiesen, der die Kriterien am besten erfüllt und die Angebotslücke hätte schließen können. „Es gab auch Überlegungen für ein mögliches Betreibermodell“, so Dr. Hesse, so hätte ein von der Stadt bezuschusster Verein gegründet werden können, der Konzerte organisiert.

„Leider fand der Vorschlag weder in der Politik noch bei den Konzertveranstaltern Zustimmung. Mir sind bis heute keine wirklich sachlich überzeugenden und objektiven Argumente genannt worden, die gegen die Milleniumhalle sprechen“, sagte Frau Dr. Hesse. In der Vergangenheit hätten dort zahlreiche Musikveranstaltungen und Konzerte stattgefunden. Ihr sei auch nicht bekannt, ob Braunschweiger Konzertveranstalter schon einmal mit dem Eigentümer des Jolly Joker Kontakt aufgenommen und ausgelotet hätten, ob dort auch nach der Wiedereröffnung Musikveranstaltungen stattfinden könnten.

In der Frage der Nachfolge für das FBZ habe der Rat der Verwaltung nun den Auftrag gegeben, bis zum Herbst erst einmal die Situation der Soziokultur in Braunschweig zunächst umfassend zu untersuchen, um daraus dann wiederum ein Rahmenkonzept abzuleiten für das weitere Handeln abzuleiten. „Ich vermute, dass auch nach diesem Hearing wieder herauskommt, dass wir dringend eine Halle für Musik brauchen“, sagte Anja Hesse. „Wir könnten in puncto Musik längst weiter sein.“

Ganz unabhängig davon sei die Schließung der Meier Music Hall keine Angelegenheit, auf die die Verwaltung nicht reagieren würde, so Hesse weiter. Die Meier Music Hall könne bis 30. April 2015 weitergeführt werden. Auch eine Veranstaltung zum Tanz in den Mai sei noch möglich. Das sei das Ergebnis der seit einigen Wochen laufenden Gespräche zwischen Stadt Braunschweig und der Volkswagen Financial Services AG.

„Bereits im Januar wurden Herr Leppa und ich von Michael Schacke von undercover auf die Problematik der Schließung angesprochen. Wir haben daraufhin umgehend zur Volkswagen Financial Services AG Kontakt aufgenommen und die Möglichkeiten für eine Fortführung des Betriebs über den 31. Dezember 2014 hinaus ausgelotet“, so Hesse.

„Die Wirtschaftsförderung steht im ständigen Kontakt mit der Volkswagen Financial Services AG und begleitet die erfreuliche Expansion am Standort Braunschweig“, so Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa. Im Rahmen dieser Gespräche hat Gerold Leppa sich in Abstimmung mit Dr. Hesse dafür eingesetzt, die Möglichkeiten zur Verlängerung des Mietvertrages auszuschöpfen. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Volkswagen Financial Services AG sofort eine wohlwollende Prüfung zugesagt und jetzt mitgeteilt hat, dass sie nach entsprechender Umplanung der Bauabläufe den Betrieb bis 30. April 2015 verlängert. Bis zum Vorliegen des Ergebnisses der internen Prüfung hatten wir Stillschweigen vereinbart. Neben den zahlreichen Engagements im Sponsoring stellt die Volkswagen Financial Services AG erneut unter Beweis, wie sehr sie sich für das kulturelle Leben in Braunschweig engagiert“, so Leppa weiter.

Die politischen Gremien der Stadt haben wie erwähnt eine Vorgehensweise zum Thema Soziokultur beschlossen und erwarten dazu eine Vorlage bis zum Herbst 2014. „Mit der Verlängerung des Betriebs der Meier Music Hall bis zum Frühjahr 2015 gewinnen wir wichtige Zeit, um eine Anschlusslösung zu erarbeiten. An dieser werden wir weiterhin mit Hochdruck arbeiten“, so Dr. Hesse.


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