MoVeBs unterstützt ÖPNV-Offensive


Mobilität und Verkehr in Braunschweig (MoVeBS) unterstützt die ÖPNV-Offensive in Brauschweig. Foto: Robert Braumann

Braunschweig. Das Aktionsbündnisses MoVeBS hat zu der heutigen Vorstellung der Stadtbahnausbaupläne der Verwaltung und Verkehrs-GmbH eine Stellungnahme herausgegeben. Diese veröffentlichen wir unkommentiert und ungekürzt.


Die Gruppe MoVeBS ist ein Zusammenschluss der Nahverkehrsinteressierten aus braunschweiger forum e.V., BUND und Umweltzentrum. Seit gut fünf Jahren treffen sich die 15 Engagierten monatlich: diskutieren, kommentieren und erarbeiten alternative Lösungen für Braunschweigs Nahverkehr. Die Verwaltung und Verkehrs-GmbH haben nun ein umfangreiches Stadtbahnausbauprogramm präsentiert, das bei Realisierung den öffentlichen Nahverkehr deutlich aufwerten wird und einen angemessenen Schritt für eine klimafreundliche und mobile Stadt darstellt. Braunschweig hat die Chance endlich zu anderen Städten wie Freiburg oder Karlsruhe aufzuschließen und den Anteil des ÖPNV am Verkehr zu erhöhen.

Ziel des Stadtbahnausbaus ist eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen im ÖPNV von heute 13% auf um die 20% und somit der Umstieg auf eine nachhaltige, weil ökologisch UND wirtschaftlich sinnvolle Form von Verkehr. Diese ist entgegen häufig geäußerter Meinungen in Braunschweig nur mit der Stadtbahn zu erreichen, da andere Verkehrsmittel aus ökologischen oder wirtschaftlichen Gründen ausscheiden: EMIL, der bekannte Elektrobus, ist ein teures Pilotprojekt, weit entfernt von der Serienreife. Busse bieten nur 33- 50% der Kapazität einer Stadtbahn: schlicht zu wenig für die Fahrgaststeigerungen, die der ÖPNV in Braunschweig auf den geplanten Trassen braucht. Um neue Fahrgäste anzulocken, muss auch ein verbessertes Angebot geboten werden. Die Erfahrungen aus Braunschweig und anderen Städten zeigen, dass Stadtbahnen durchweg bei den Fahrgästen beliebter sind als Busse – sie bieten Barrierefreiheit, mehr Platz für die Fahrgäste und einen höheren Fahrkomfort. Dies führt zum sogenannten „Schienenbonus“ und zu Fahrgastzuwächsen von bis zu 50Prozent.

Viele Braunschweigerinnen und Braunschweiger stehen einem Stadtbahnausbau dennoch kritisch gegenüber. Dabei ist weniger die Stadtbahn selbst, als vielmehr die Angst vor langen Baustellen, der Verlust von Parkplätzen und die Sorge um eine Abwertung des Straßenraums der Auslöser für die Ablehnung. Auch diese Befürchtungen scheinen die ablehnende Haltung des Arbeitsausschusses Innenstadt zu prägen und die bedeutenden Vorteile in den Hintergrund zu rücken. Dabei ist die Stadtbahn eine großartige Chance für die westliche Innenstadt, weil sich die Fußgängerströme verändern werden – zum Vorteil für die City West.

Appell an die Bürger


Mangelnde Informationen führen zu Vorbehalten, ebenso wie sie den Raum für Desinformation schaffen. Bauprojekte sind nicht anhand von textlichen oder verbalen Beschreibungen diskutierbar, sondern durch Zeichnungen und Visualisierungen, an denen sich zeigt, wie ein Projekt gedacht wurde und wie es sich in seinen Kontext einfügt. Menschen begreifen ihre Umgebung mit den Sinnen, in erster Linie durch das Sehen. Diese Umgebung ist leider noch zu oft geprägt von missglückten Stadträumen der 60er und 70er Jahre, wie der Berliner Heerstraße, der Münchenstraße oder der Wolfenbüttler Straße. Straßenbahnprojekte aus unserer Epoche, wie die Verlängerung durch Stöckheim, werden dagegen ganz überwiegend positiv gesehen – seitdem die Stadtbahn da ist, möchte man sie nicht mehr missen: die kritischen Stimmen sind verstummt.

Aus dieser Diskussionslage heraus hat MoVeBS die Idee geboren: Wir zeigen exemplarisch, wie gut eine Stadtbahn integriert werden kann. Es sind Visualisierungen für kritische städtebauliche Räume, beispielsweise der Gördelingerstraße und der Güldenstraße entstanden. Auch die von den Lehndorfern verteidigte doppelreihige Allee entlang der Saarstraße lässt sich hervorragend mit einer Stadtbahn darstellen. Durch die grafischen Darstellungen können sich die Bürger eine eigene Meinung unabhängig von Experten bilden, die ihnen zu selten mit einer ausgewogenen Meinung helfen. Sie zeigen keine Stadtbahn, wie sie in den 60er und 70er Jahren in Braunschweig gebaut wurde, sondern die des Braunschweigs von morgen. Wir orientieren uns dabei an den zahllosen Beispielen gelungener Stadtbahnprojekte in Frankreich oder in Süddeutschland, die stets zu einer spürbaren und anerkannten Aufwertung ihrer Städte geführt haben. Die Grafiken können auf der Website www.movebs.de eingesehen werden.

MoVeBS freut sich über die Chance, die Diskussion zum Stadtbahnausbau mit versachlichen zu dürfen. Die junge Praxis der ernsthaften Bürgerbeteiligung in Braunschweig wird auch im Fall des Stadtbahnausbaus weitergeführt, wie sich am heutigen Tag zeigen wird. Wir begrüßen ausdrücklich das Vorgehen der Verwaltung, die bereits bei der ersten Ideensammlung im Jahr 2013 die Bürger mit einbezogen hat und nun ebenfalls ihre Ideen und Anregungen aufnimmt. Zum jetzigen Zeitpunkt geht es um einen Grundsatzbeschluss des Rates: „Wir wollen Stadtbahnausbau auf den 6 vorgeschlagenen Trassen“. Dann geht die Arbeit erst richtig los. MoVeBS wird sich einbringen. Wir wollen die Streckenführungen, die die meisten Vorteile für die Menschen vor Ort bringen. Und wir wollen die besten gestalterischen Lösungen.

Darum appellieren wir an die Braunschweigerinnen und Braunschweiger: bringt Euch konstruktiv ein! Jammert nicht rum, sondern macht Vorschläge! Dann werden wir gemeinsam mit Politik und Verwaltung die besten Kompromisse für einen längst überfälligen Stadtbahnausbau erarbeiten.