Braunschweig. Der neugestaltete Platz an der Hochstraße wird nach dem langjährigen Bezirksbürgermeister des Östlichen Ringgebiets, Uwe Jordan, benannt. Das hat der dortige Stadtbezirksrat in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen. Die Grünen hatten dagegen eine andere Idee.
Uwe Jordan gehörte mehr als 25 Jahre dem Stadtbezirksrat Östliches Ringgebiet an. Davon war er 18 Jahre (2001 bis zu seinem Tod im Jahr 2019) Bezirksbürgermeister des Östlichen Ringgebiets. "Seine Beliebtheit erstreckte sich über Parteigrenzen hinweg", heißt es in dem entsprechenden Antrag der SPD. So sei er vom Bezirksrat mehrfach einstimmig zum Bezirksbürgermeister gewählt worden. Uwe Jordan habe sich um den Stadtbezirk und die dort wohnenden Bürgerinnen und Bürger in erheblichem Maße verdient gemacht. Mit der Benennung des Platzes soll sein Andenken angemessen geehrt werden, so die SPD.
Nur knappe Mehrheit
Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Stadtbezirksrat spricht in einer Pressemitteilung dagegen von einer verpassten Chance. Ein Änderungsantrag der Fraktion, den Platz nach der Braunschweiger Naturwissenschaftlerin Agnes Pockels (1862 bis 1935) zu benennen, sei abgelehnt worden. Die Mehrheit für den SPD-Antrag sei nur knapp gewesen.
„Wir haben ausdrücklich nichts gegen eine Benennung aufgrund der Person Uwe Jordan“, sagt Martin Buchholz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtbezirksrat. „Über Herrn Jordan ist viel Anerkennendes zu hören. Unser Vorschlag war kompromissorientiert: Wir hätten gern mehrere Benennungen zusammen gedacht und die Vorschläge der Fraktionen sinnvoll verteilt. Da im Umfeld mehrere geeignete Orte in Betracht kommen, hatten wir vorgeschlagen, drei Namen auf drei Standorte zu verteilen: Uwe Jordan, Käthe Buchler und Agnes Pockels. Der Platz vor dem Fotomuseum wäre aus unserer Sicht ideal für die Braunschweiger Fotografin Käthe Buchler, und bei der nächsten Sitzung hätten wir die Benennung einer weiteren Straße oder eines weiteren Ortes nach Uwe Jordan mit auf den Weg bringen können. So wären alle Vorschläge berücksichtigt worden.“
"Deutliche Schieflage"
Hintergrund für den Änderungsantrag sei die deutliche Schieflage bei personenbezogenen Benennungen: „In Braunschweig sind 89 Prozent der nach Personen benannten Straßen und Plätze nach Männern benannt und nur 11 Prozent nach Frauen“, sagt Buchholz. “Wir wollen keine Symboldebatte um der Debatte willen“, betont Buchholz. „Aber wenn wir heute neu benennen, sollten wir diese Chance bewusst nutzen, um mehr Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild voranzubringen.“
„Agnes Pockels hat in Braunschweig gelebt und unter damals sehr schwierigen Bedingungen für Frauen wissenschaftlich Herausragendes geleistet“, sagt Buchholz. „Andere Städte ehren sie längst, in München gibt es den Agnes-Pockels-Bogen. Eine Agnes-Pockels-Straße findet sich unter anderem in Hanau-Wolfgang, Hilden, Schleswig und Verden an der Aller“, so Buchholz. „Ausgerechnet Braunschweig – die Stadt, in der Agnes Pockels gelebt und gewirkt hat – hat diese sichtbare Würdigung bis heute nicht.“
Es gibt schon eine Pockelsstraße
Dabei kommt ein praktischer Punkt hinzu: „In Braunschweig gibt es zwar bereits eine Pockelsstraße – sie ist aber nicht nach Agnes Pockels benannt“, erläutert Buchholz. „Ein Platz oder Park wäre deshalb eine passende Form der Würdigung gewesen, ohne Verwechslungen in der Orientierung zu riskieren.“

