Projekt "Via Corona" wiederentdeckt - Name nicht mehr zeitgemäß?

Die Idee aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept von 2018 beschreibt einen Promenadenring um die Okerumflut. Die Rats-Gruppe Direkte Demokraten begrüßen das Projekt, möchten es aber umbenennen.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Robert Braumann

Braunschweig. Bereits vor fast 20 Jahren entstand die Idee einer "Via Corona" in der Braunschweiger Innenstadt. Im Zuge der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas brachte der damalige Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann diese als Promenadenring um die Okerumflut ins Spiel. Damals als Plattform für die Darstellung aktueller Strömungen der Kunst gedacht. Die Gruppe Direkte Demokraten im Rat der Stadt hat nun die Idee im Integrierten Stadtentwicklungskonzept von 2018 (ISEK) wiederentdeckt. Man begrüße das Projekt - doch nicht den Namen, heißt es in einer Anfrage, die im Rahmen des Ausschusses für Planung und Hochbau am 16. März eingereicht wurde.



Aus dem kulturellen Promenadenring ist im ISEK ein Freizeitweg im Verlauf der ehemaligen Wallanlagen geworden, der die historische Kernstadt umschließt. Mit diesem Projekt solle ein ausgedehnter Rundweg geschaffen werden, der über möglichst weite Strecken unmittelbar am Fluss entlang verläuft, und Bummlern, Joggern und Fahrradfahrern einen besonderen Zugang zur Seele der Stadt ermögliche.

"Krankheit, Tod und politische Irrtümer"


"Wir begrüßen dieses Projekt, halten den Namen jedoch für nicht mehr zeitgemäß, da beim Flanieren an der sanft fließenden Oker sicherlich niemand an Krankheit, Tod, politische Irrtümer und soziale Unruhen erinnert werden möchte", erklärt Andrea Hillner (DieBasis) von der Gruppe Direkte Demokraten. Daher wünsche man sich, dass das Projekt "Via Corona“ umbenannt werde. Die Gruppe schlägt die Namen "Via Ovacra“ oder "Via Ovakara“ vor. Diese Namen führten zwei historische Linien der Stadt zusammen.

Laut dem Historiker Andreas Kleineberg lag in Braunschweig um 150 nach Christus die Siedlung Tulisurgum am Hellweg, daher soll das römische "Via" an die alte Römerzeit erinnern. Und die Oker sei 747 das erste Mal als Ovacra in Zusammenhang mit dem Okerübergang in Ohrum erwähnt worden, womit dieser Ort zusammen mit Schöningen der älteste schriftlich genannte in Niedersachsen sei. Ab 1128 finde man hingegen Ovakara in Urkunden, daher werde angenommen, dass dies die am genauesten überlieferte Form sei. "Die Namen 'Via Ovacra' oder 'Via Ovakara' verbinden somit die römische Frühbesiedlung mit der mittelalterlichen Siedlung. Vermutlich wird sich jede Braunschweigerin und jeder Braunschweiger gut vorstellen können, wie schön es wäre, nach einem sommerlichen Feierabend an einer 'Via Ovakara' zur Okercabana zu flanieren, um dort eine regionale Kalthopfenschale, gebraut aus Okerwasser, zu genießen", so Andrea Hillner.

Frage nach Bürgerbeteiligung


In ihrer Anfrage möchte die Gruppe generell wissen, ob die Möglichkeit der Umbenennung bestehe und ob hier eine Form der Bürgerbeteiligung möglich sei.


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