Reiterstaffel der Polizei: Ist der Standort Braunschweig in Gefahr?

Aufgrund des starken Schneefalls gab es kürzlich Probleme mit einem Gebäude. Offenbar ist dieses nur noch bedingt verkehrs- und standsicher. Wir fragten bei der Polizei nach, wie es weitergehen soll.

von


Braucht die Polizeireiterstaffel ein Neues Zuhause? Archivbild
Braucht die Polizeireiterstaffel ein Neues Zuhause? Archivbild | Foto: Julia Fricke

Braunschweig. Kürzlich gab es aufgrund des starken Schneefalls Probleme mit einem Gebäude der Reiter- und Hundeführerstaffel der Polizei Im Holzmoor. Die Redaktion erreichte nun eine Pressemitteilung der Gruppe CDU, BIBS und FDP im Stadtbezirksrat Wabe-Schunter-Beberbach. In dieser wird der Eindruck vermittelt, die Zukunft des Standortes in Braunschweig stehe auf dem Spiel. Wir wollten von der Polizei wissen, was an der Sache dran ist.



"Die starke Schneelast Anfang Januar dieses Jahres hat die Betriebssicherheit der Gebäude erheblich beeinträchtigt", heißt es in der Pressemitteilung der Gruppe aus dem Stadtbezirksrat. Die mangelhafte bauliche Situation sowie der notwendige Sanierungsbedarf der Liegenschaft seien der Landesregierung seit Langem bekannt. Dennoch scheine der Instandsetzung bislang keine ausreichende Priorität eingeräumt worden zu sein.

"Für den Erhalt des Standorts"


Weiter heißt es: "Der CDU-Oberbürgermeisterkandidat Maximilian Pohler, die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Sophie Ramdor und Oliver Schatta sowie die Fraktionen von CDU, BIBS und FDP im Stadtbezirksrat Wabe-Schunter-Beberbach sprechen sich klar für den Erhalt des Standorts in Braunschweig aus. Dies liegt sowohl im Interesse der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die überwiegend in der Region leben, als auch aufgrund der hervorragenden Lage des Standorts, die für die Arbeit der Staffel ideal ist."

Schneeverwehungen auf dem Dach


Seitens der Polizei bestätigt man die Probleme Anfang Januar. "Am Freitag, den 9. Januar 2026, führten anhaltend starke Winde trotz nachlassender Schneefälle im Tagesverlauf zu erheblichen Schneeverwehungen auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der Reiter- und Hundestaffel sowie des Systemischen Einsatztrainings der PD Braunschweig im Grünen Ring. Infolgedessen bildete sich dort eine Schneedecke von schätzungsweise mehr als 25 Zentimetern Höhe. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin der Aufenthalt von Personen im Gebäude untersagt", berichtet Daniela Rettig, Pressesprecherin der Polizeidirektion Braunschweig.

Hintergrund dieser Maßnahme sei eine im Juli 2025 im Rahmen einer regelmäßigen, vom Staatlichen Baumanagement (SBN) veranlassten RÜV-Begehung (Richtlinie für die Überwachung der Verkehrssicherheit) durchgeführte statische Bewertung. Diese turnusmäßige Prüfung, die alle Gebäude im Grünen Ring umfasste, habe das betroffene Gebäude als bedingt verkehrs- und standsicher eingestuft.

Die Stallgebäude waren von der Sperrung nicht betroffen.
Die Stallgebäude waren von der Sperrung nicht betroffen. Foto: Julia Fricke


Die nächste Überprüfung der Verkehrssicherheit solle in zwei Jahren durchgeführt werden. Das Gebäude sei bis dahin weiterhin zur Nutzung als Bürogebäude freigegeben, allerdings unter der Auflage, dass bei einer Schneelast von mehr als 25 Zentimetern auf dem Dach der Aufenthalt von Personen im Gebäude aus Sicherheitsgründen untersagt werden muss. "Die Auswirkungen der Sperrung blieben allerdings überschaubar, da Einsatzanforderungen für das betroffene Wochenende weder für die Diensthundführerinnen und -führer noch für die Reiterstaffel vorlagen", berichtet Rettig.

Aufhebung der Sperrung


Da das benachbarte Stallgebäude mit angeschlossener Reithalle nicht von der Sperrung betroffen gewesen sei, konnten die Dienstpferde in ausreichendem Maße betreut und versorgt werden. Auf Reitstreifen sei aufgrund der allgemeinen Wetterlage verzichtet worden. Die Diensthundführerinnen und -führer wurden mit dienstlichen Aufträgen versehen, für deren Bewältigung ein Betreten des Dienstgebäudes nicht erforderlich war. Die Sperrung des Gebäudes sei am Dienstag, 13. Januar, aufgehoben worden.

Doch welchen Sanierungsbedarf hat das genannte Gebäude und wie sind die Aussichten, dass hier Abhilfe geschaffen wird? "Die Verwaltungsgebäude des Geländes wurden Anfang der 1980er-Jahre in barackenartiger Holzständerbauweise ursprünglich als Flüchtlingsunterkünfte errichtet, allerdings wurden die Bauten zu keiner Zeit dem originär beabsichtigten Nutzungszweck zugeführt. In der Folge bezog die Niedersächsische Landespolizei im Jahr 2000 den Campus. Das SBN taxierte die Standsicherheit der Baukonstruktion bereits zum Zeitpunkt der Errichtung auf 15 bis maximal 20 Jahre", erläutert die Pressesprecherin.

Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll


Die Holzkonstruktion werde im Rahmen der jährlichen Baubedarfsnachweisung durch das Bauamt wiederkehrend als baulich abgängig bewertet. Da eine Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, finde eine Bauunterhaltung lediglich im mindestnotwendigen Ausmaß statt. Hier werde aktuell nach einer Lösung gesucht, da ein Neubau notwendig sei.

Alternative Standorte kämen eher nicht in Frage. "Die Liegenschaft im Grünen Ring stellte sich aufgrund ihrer zentralen Lage im Zuständigkeitsbereich, der Nähe zum Hauptsitz in der Friedrich-Voigtländer-Straße sowie ihren Trainingsflächen, Stallungen und der Reithalle über lange Zeit als geeigneter Standort dar, da in Braunschweig keine vergleichbaren Einrichtungen in Landeseigentum zur Verfügung stehen", so Daniela Rettig.

Dauerhafte Lösung gesucht


Angesichts des sich weiter verschlechternden Gebäudezustands befinde sich die PD Braunschweig seit einiger Zeit auf der Suche nach einer Interimsunterbringung. Parallel arbeite die PD Braunschweig mit dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung an einer dauerhaften Lösung. "Die entsprechenden Prüf- und Abstimmungsprozesse sind noch nicht abgeschlossen, sodass derzeit keine konkreten Aussagen zu alternativen Unterbringungsmöglichkeiten getroffen werden können", teilt Rettig mit.

Dass die Reiterstaffel komplett aufgegeben oder verlegt wird, scheint unwahrscheinlich. "Der Einsatz von Dienstpferden – insbesondere bei der Bewältigung größerer Einsatzlagen, wie versammlungsrechtlichen Aktionen oder Spielbegegnungen der Fußball-Bundesliga – hat sich bewährt. Dergleichen Einsatzlagen treten regelmäßig auch im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Braunschweig auf. Daher wird grundsätzlich weiterhin am Vorhalten von Dienstpferden in einer bedarfsgerechten Anzahl festgehalten", betont Daniela Rettig.

Verlagerung ein komplexes Vorhaben


Eine mögliche Verlagerung der Reiter- und Diensthundführerstaffel Braunschweig an einen anderen Standort würde ein komplexes Vorhaben darstellen, das mit großen organisatorischen und einsatztaktischen Herausforderungen verbunden wäre.

regionalHeute.de hatte auch das Niedersächsische Innenministerium angefragt. Dieses war an den Antworten der Polizeidirektion beteiligt, wie man uns mitteilt.

Themen zu diesem Artikel


Baustelle Polizei CDU FDP