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Rekordwert bei Neuinfektionen - Acht Menschen in unserer Region werden beatmet

Würde die Zahl der Corona-Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung bedürfen im gleichen Tempo weiter steigen, wären die Intensivstationen in weniger als einem Monat ausgelastet.

von Marvin König


(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Anke Donner

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05.11.2020

Region. 13 Menschen in unserer Region werden aktuell wegen einer COVID-19 Erkrankung auf den Intensivstationen der Krankenhäuser behandelt. Acht Patienten werden in unserer Region (Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg) derzeit invasiv beatmet. Das geht aus Zahlen des DIVI-Intensivregisters hervor. Unterdessen meldet das Robert-Koch-Institut einen neuen Höchststand von 19.990 Neuinfektionen binnen eines Tages. 151 Menschen starben in den letzten 24 Stunden an oder mit dem COVID-19 Erreger.



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In ganz Niedersachsen wurden am 20. April die meisten Menschen mit einer COVID-19 Erkrankung behandelt, insgesamt 189. Aktuell belegen in Niedersachsen 134 Corona-Infizierte die Intensivbetten der Krankenhäuser. In ganz Niedersachsen stehen laut dem DIVI-Register derzeit 2.513 Intensivbetten zur Verfügung. 807 Betten sind frei, 1.706 Betten sind belegt. Auf die belegten Betten entfallen in Niedersachsen 134 COVID-19 Patienten. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zwei Wochen Deutschlandweit fast verdreifacht. Wenn sich diese Patienten entsprechend der bekannten Inkubationszeit von COVID-19 vor zwei Wochen angesteckt haben, fällt die Ansteckung in einen Bereich um den 22. Oktober. Zu dieser Zeit verzeichnete Niedersachsen noch 815 Neuinfizierte mit dem Coronavirus. Am heutigen Donnerstag waren es etwa 1.200 neue Fälle (vorläufige Zahl). Die Zahl der Intensivpatienten mit dem Coronavirus müsste sich also deutschlandweit noch zweimal verdreifachen. Dieser einfachen Rechnung zufolge wären die Intensivkapazitäten in spätestens vier Wochen ausgelastet - Die Effekte eines exponentiellen Wachstums der neuen Fallzahlen sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

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Zu wenig Pflegekräfte für alle Betten?


Anfang November zweifelte ein Sprecher der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) an, dass all diese Betten auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Hinweise und Stichproben hätten gezeigt, dass mitunter auch Betten als frei gemeldet würden, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei, so DIVI-Präsident Uwe Janssens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Dem Deutschen Ärzteblatt zufolge teilen 97 Prozent der Intensivpflegekräfte die Einschätzung, dass es vor allem am Personal mangeln könnt, und weniger an den Betten. Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft widersprach dieser Unterstellung in einer Pressemitteilung entschieden: "Die aktuelle Diskussion über die Zahl freier Intensivbetten führt zur Verunsicherung in der Öffentlichkeit. Dem müssen wir entschieden entgegentreten. Die Kliniken melden seit April dieses Jahres regelmäßig und täglich ihre aktuell belegten und verfügbaren Intensivbetten. Stand heute sind in den deutschen Kliniken rund 21.500 Intensivbetten belegt und gut 7.000 Intensivbetten als verfügbar gemeldet. Hinzu kommt eine eiserne Notfallreserve von rund 12.000 Betten die ergänzend aufgestellt werden können."

Personal kommt von Normalstationen


Wiederholt sei nun öffentlich angezweifelt worden, ob die 7.500 verfügbaren Betten auch mit ausreichend Personal ausgestattet werden können. Dazu erklärt der Präsident der DKG: „Die Vollauslastung dieser verfügbaren Betten bedeutet eine Gesamtbelegung von dann 29.000 Intensiv- und Beatmungsbetten in den deutschen Krankenhäusern. Das ist eine enorme Herausforderung gerade auch vor dem Hintergrund, dass wir dann damit rechnen müssen, dass in einem solchen Fall rund die Hälfte aller Betten mit COVID-19 Patienten belegt wäre. Das notwendige Personal, um diese Betten umfänglich betreiben zu können, müssen wir dann selbstverständlich auch aus den Normalstationen hinzuziehen. Dieser Umstand ist eine Selbstverständlichkeit, die allen Experten immer bewusst war. Niemand hat erwartet, dass die Kliniken für einen solchen Ausnahmezustand allein durch die regelhafte Personalbesetzung der Intensivstationen gerüstet sind", so Gaß abschließend.


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