Braunschweig

Braunschweiger wird auf den Münchner HIV-Tagen geehrt


Foto: Aidshilfe

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18.03.2014


Braunschweig. Die Deutsche AIDS-Hilfe würdigt den Braunschweiger Jean-Luc Tissot mit der Ehrenmitgliedschaft für seine bundesweiten Verdienste in der HIV- und Aids-Prävention und sein Engagement für die Emanzipation schwuler Männer und HIV Positiven. Dazu gibt es am 21. März einen Festakt auf den renommierten Münchner AIDS- und Hepatitistagen.

Wie kaum ein anderer hat sich der gebürtige Schweizer, der 1987 sein positives Testergebnis bekam, der Aufgabe verschrieben, Aids ein Gesicht zu geben. „Wir als Braunschweiger AIDS-Hilfe haben ihm sehr viel zu verdanken. Seit 1992 hat er unsere Arbeit als hauptamtlicher Mitarbeiter, Vorstandsmitglied und Selbsthilfeaktivist entscheidend geprägt. Und das ist auch in Niedersachsen und bundesweit sichtbar – schließlich ist Jean-Luc seit 20 Jahren auch aktives Vorstandsmitglied in unserem Landesverband der Niedersächsischen AIDS-Hilfe“, berichtet stolz Jürgen Hoffmann als Geschäftsführer der Braunschweiger AIDS-Hilfe.

15 Jahre lang besuchte Jean-Luc als offen schwuler Mann mit Aids Schulen und Jugendgruppen, um die Jugendlichen über den Umgang mit Sexualität und Safer Sex aufzuklären. Aber auch, um als greifbarer Positiver ein realistisches Bild vom Leben mit der Infektion zu geben und Ängste zu nehmen, die so oft die Ursache vieler Vorurteile sind.

Schon früh begann Jean-Luc seine Erfahrungen als HIV-positiver schwuler Mann künstlerisch in Collagen zu verarbeiten. Daraus ist auch die Wanderausstellung „Leben mit Aids – 120 Impressionen“ entstanden, die er in viele Städte begleitete und als Mittel zur Auseinandersetzung mit Aids nutzte.

Jean-Luc schließlich war es, der maßgeblich die Selbsthilfegruppe der Braunschweiger AIDS-Hilfe wiederbelebte und mit spektakulären, bundesweit einzigartigen Aktionen ins öffentliche Bewusstsein rückte: Am Welt-Aids-Tag 2008 trugen ihre Mitglieder T-Shirts mit der Aufschrift „Ich habe Aids. Bitte umarme mich.“. Und ein Jahr später bahnte sich nach viel Organisations- und Überzeugungsarbeit sieben Monate lang eine knallrote Straßenbahn der Verkehrs-AG ihren Weg durch die Innenstadt, auf deren Fenstern die Porträts von acht HIV-positiven Menschen aus Braunschweig prangten, darunter natürlich Jean-Luc. Zusammen mit der inzwischen verstorbenen Stephanie Schmidt hat er diesen Menschen den Mut gemacht, sich selbstbewusst und weithin sichtbar als Teil der Gesellschaft zu verstehen. „Wir leben und arbeiten in dieser Stadt – genauso wie ihr.“ – war die Botschaft von all denjenigen, die sich nicht mehr verstecken wollten! Beim Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress 2011 waren es dann zehn HIV-Positive aus ganz Niedersachsen, die ihr Gesicht in Hannover auf der „Lebensbahn“ zeigten.

„Aids kann schneller besiegt werden, wenn wir es schaffen, Diskriminierung und Ausgrenzung abzubauen. Jean-Luc Tissot trägt mit seiner Mission entscheidend dazu bei“, fasst Hoffmann zusammen.

Hintergrund:


Die Münchner AIDS- und Hepatitistage sind der renommierteste Kongress zu HIV/AIDS und Hepatitis in Deutschland. Vom 21.-23. März treffen dort mehr als 1500 Mediziner, Wissenschaftler und Aktivisten zusammen, um den neuesten Wissens- und Forschungsstand zu diskutieren.

Die Braunschweiger AIDS-Hilfe versteht sich als Beratungsstelle und Treffpunkt - nicht nur für Menschen mit HIV und Aids. Ausdruck dieses Konzepts ist der integrierte Café- Bereich, der Raum für Veranstaltungen, Begegnung und Selbsthilfegruppen bietet. Vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein Bufdi arbeiten derzeit in der AIDS-Hilfe. Sie werden von einem Team von über 50 freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre die Arbeit für die Region Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter und Peine undenkbar.


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