Bundeswehr auf dem Brocken: Nationalpark sieht Artenschutz gefährdet

Die Pläne der Bundeswehr auf dem Brockenplateau stoßen auf Widerstand beim Naturschutz.

Bundeswehr-Vorhaben auf dem Brockenplateau stößt auf Widerstand beim Naturschutz.
Bundeswehr-Vorhaben auf dem Brockenplateau stößt auf Widerstand beim Naturschutz. | Foto: Matthias Kettling

Harz. Wie der Landkreis Harz auf seiner Internetseite bekannt gibt plant die Bundeswehr für Mitte Mai 2026 ein zweiwöchiges „Karrierecamp“ auf dem 1.141 Meter hohen Brocken-Plateau, um potenzielle Rekruten anzuwerben. Die Nationalparkverwaltung Harz reagierte darauf in einer Pressemitteilung kritisch und ablehnend.



Laut der Mitteilung des Landkreises Harz soll das Camp die vielfältigen Karrieremöglichkeiten der Streitkräfte, einschließlich der Luftwaffe, einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Landrat Thomas Balcerowski (CDU) bezeichnete den Brocken aufgrund der hohen Besucherzahlen als „optimalen“ Standort. Ziel sei es, die Bundeswehr als festen Bestandteil in der Mitte der Gesellschaft sichtbar zu machen. Eine erste Lageerkundung vor Ort, bei der auch ein Hubschrauber vor dem Brockenhotel landete, hat bereits stattgefunden.

Die Bedenken des Nationalparks


In einer Pressemitteilung äußerte die Nationalparkverwaltung Harz am heutigen Montag massive Bedenken gegen das Projekt. Die Behörde führt an, dass die Brockenkuppe ein sensibles FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzgebiet sei. Besonders im Fokus stehen dabei die Ringdrossel und die Fledermäuse.

Auf dem Brocken würden derzeit nur noch sechs bekannte Ringdrossel-Paare brüten. Es sei das einzige Brutgebiet in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern, macht der Nationalpark deutlich. Zudem würden die Nord- und Zweifarbfledermaus die Fassaden der dortigen Gebäude im Mai als Quartiere nutzen. Hinzu komme, dass auf dem Brocken die geschützte Brockenanemone in unmittelbarer Nähe der Veranstaltungsflächen wächst.

Der Nationalpark Harz warnt insbesondere vor dem Lärm und den optischen Störungen durch Hubschrauberlandungen und Tiefflüge. Diese könnten dazu führen, dass Vögel ihre Nester verlassen und Fledermäuse ihre Quartiere aufgeben.

Nationalpark Harz mit Lösungsvorschlag


Obwohl der Nationalpark das Vorhaben ablehnt, wird in der Pressemitteilung eingeräumt, dass man formal keine Handhabe habe, die Veranstaltung am Boden komplett zu verhindern. Dennoch erklärte die Nationalparkverwaltung, dass sie geplanten Flugbewegungen – wie Landungen oder Überflügen – nicht zustimmen werde.

Als Kompromiss habe die Naturschutzbehörde der Bundeswehr einen Alternativstandort außerhalb des Nationalparks vorgeschlagen. Dieser verfüge ebenfalls über eine Anbindung an die Harzer Schmalspurbahnen (HSB), würde jedoch die geschützten Brut- und Reproduktionsstätten der Tiere unberührt lassen.

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