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Coronavirus: Wie es wirklich übertragen wird - Institut für Risikobewertung gibt Antworten

Übertragungen durch Tiere, Lebensmittel und Gegenstände seien theoretisch möglich - Jedoch sei noch kein Fall nachgewiesen.

von Marvin König


Kann das Coronavirus über Lebensmittel, Geschirr und Türgriffe übertragen werden? Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt Antworten.
Kann das Coronavirus über Lebensmittel, Geschirr und Türgriffe übertragen werden? Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt Antworten. Foto: Marvin König

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19.03.2020

Region. Verbraucher sind verunsichert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beantwortet die wichtige Frage, ob das neuartige Coronavirus auch über Lebensmittel, Kinderspielzeug, Handys, Türklinken, Werkzeuge, oder Geschirr und Besteck von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Hierzu gibt es eine gute Nachricht: Es konnte bislang keine Infektion über Lebensmittel oder Gegenstände nachgewiesen werden. Alle wichtigen Antworten gibt das BfR in einem Schreiben vom 17. März.


Wie überträgt sich das Coronavirus?


Obwohl über das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 bislang noch nicht alles bekannt ist, kennt die Wissenschaft das Verhalten eng verwandter Coronaviren wie dem SARS-Erreger, der 2003 eine Pandemie in Asien auslöste. Betroffen sind bei dieser Virenfamilie vor allem die Atemwege. Der wichtigste Übertragungsweg ist dabei die sogenannte Tröpfchen-Infektion, bei der die Coronaviren beim Sprechen oder Husten in feinsten Tröpfchen in die Luft abgegeben werden und so von anderen eingeatmet werden können. Daher auch die Empfehlung des Robert Koch-Instituts, zu anderen Menschen mindestens 1,5 Meter Abstand zu halten und lautes Sprechen im Umfeld anderer Menschen zu vermeiden. Das Institut rät jedoch auch, lieber in die Armbeuge zu husten und zu niesen, statt in die Hände. Warum eigentlich?

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Verschiedene Atemwegserreger können auch über Schmierinfektionen übertragen werden. Krankheitserreger, die beispielsweise durch Handvorhalten beim Niesen auf die Hände übertragen werden, können nach einem beherzten Händedruck beim gegenüber nach dem nächsten Augenreiben in den Körper gelangen. Umso wichtiger ist regelmäßiges Händewaschen im Kampf gegen das Coronavirus.

Sind auch andere Übertragungswege möglich?


Es gebe laut dem BfR keine Fälle, bei denen eine Übertragung auf anderem Wege erfolgt sei, wie beispielsweise über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder den Kontakt zu kontaminierten Gegenständen. Diese Erfahrungen habe man auch mit artverwandten Coronaviren gemacht. Zudem seien die Viren hitzeempfindlich, was die Gefahr bei einer warmen Mahlzeit weiter verringere. Allerdings, so relativiert das Bundesinstitut, sei eine Übertragung durch mit Viren kontaminierte Oberflächen durchaus denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren sei dies jedoch nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich. Mögliche Überträger sind also nur Gegenstände, die sehr häufig von verschiedenen Menschen berührt werden. Handläufe an öffentlichen Treppen, Türgriffe oder Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln wären hierfür ein Beispiel. Hier gilt die Empfehlung, sich nach Möglichkeit nicht ins Gesicht zu fassen.

Achtung, Tiefkühlkost


Die bisher bekannten Coronaviren sind kälteunempfindlich und können bei minus 20 Grad bis zu zwei Jahre im gefrorenen Zustand infektiös bleiben. Über diesen Weg sind bislang keine Infektionen bekannt. Die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln reiche nach Ansicht des BfR zur Vorbeugung dieser Gefahr aus.

Sind importierte Waren eine Gefahr?


Aufgrund der bisher ermittelten Übertragungswege und der relativ geringen Umweltstabilität von Coronaviren sei es nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass importiere Waren wie importierte Lebensmittel oder Bedarfsgegenstände und Spielwaren, Werkzeuge, Computer, Kleidung oder Schuhe Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten. Diese Einschätzung gelte auch nach der jüngsten Veröffentlichung zur Überlebensfähigkeit der bekannten Coronaviren durch Wissenschaftler der Universitäten Greifswald und Bochum.

Können Tiere das Virus übertragen?


Grundsätzlich sei es laut dem Bundesinstitut möglich, dass infizierte Tiere über ihre Atemluft oder über Ausscheidungen Coronaviren in die Umgebung abgeben. Daher sei bei engem Kontakt auch eine Infektion des Menschen auf diesem Wege denkbar. Ob Tiere bei der Epidemie in China eine Infektionsquelle dargestellt hätten, sei bisher nicht genau bekannt, obwohl ein Ursprung des Virus aus Wildtieren vermutet worden sei.

In Hongkong gab es einen Medienwirksamen Fall eines Hundes, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Allerdings sei lediglich eine schwache Konzentration des Virus in den Atemwegen des Tieres festgestellt worden. Laut der britischen Zeitschrift "The Sun" sei es wahrscheinlicher, dass der Hund das Virus anderswo aufgenommen habe. Prof. Jonathan Ball, Viruloge an der University of Nottingham gegenüber der Zeitschrift: "Es gibt keinen Beleg dafür, dass das neuartige Coronavirus Hunde infizieren kann und es wäre unglaublich für ein Virus, in dieser kurzen Zeit auf eine andere Spezies überzuspringen." Man müsse außerdem zwischen der bloßen Anwesenheit eines Virus und einer tatsächlichen Infektion unterscheiden, so der Experte: "Die Tatsache, dass der Befund nur schwach positiv war suggeriert, dass das Virus aus einer Umgebungskontamination oder dem Kontakt mit einem infizierten Menschen stammt." Derzeit gebe es keinen Beleg für eine Übertragung des Virus von Menschen auf Tiere.

Kantinen, Cafés, Bars - Gemeinsam benutztes Besteck als Überträger?


Coronaviren können durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Besteck oder Geschirr gelangen und auf diesen festen Oberflächen eine Zeit lang überleben. Eine Schmierinfektion erscheint dann möglich, wenn das Virus über das Besteck über die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen wird. Es seien jedoch noch keine Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus auf diesem Übertragungsweg bekannt. Einen effektiven Schutz biete das gründliche Spülen von benutztem Geschirr. Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht umhüllt ist, würden Coronaviren empfindlich auf fettlösende Substanzen reagieren. Das gelte insbesondere auch dann, wenn im Geschirrspüler das Geschirr mit 60 Grad Celsius oder höherer Temperatur gereinigt und getrocknet wird.

Sollte man Desinfektionsmittel benutzen?


Nach wie vor bestehe für gesunde Menschen keine Notwendigkeit, in Privathaushalten zu Desinfektionsmittel zu greifen. Angesichts der Empfindlichkeit des Virus gegenüber fettlösenden Substanzen ist die normale Handhygiene mittels Seife völlig ausreichend.

[link=https://www.bfr.bund.de/de/kann_das_neuartige_coronavirus_ueber_lebensmittel_und_gegenstaende_uebertragen_werden_-244062.html]Den vollständigen Bericht und weitere Fragen und Antworten des Bundesinstituts für Risikobewertung lesen Sie hier.
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