Demografischer Wandel macht deutschen Wein zu schaffen

von Marc Angerstein


Im Export läuft es für die deutsche Weinbranche wieder besser - doch hierzulande hat sie mit der alternden Gesellschaft zu kämpfen. Ältere Weinliebhaber sterben unf jüngere Weintrinker kaufen zu wenig, um die Verluste auszugleichen. Foto: Pixabay
Im Export läuft es für die deutsche Weinbranche wieder besser - doch hierzulande hat sie mit der alternden Gesellschaft zu kämpfen. Ältere Weinliebhaber sterben unf jüngere Weintrinker kaufen zu wenig, um die Verluste auszugleichen. Foto: Pixabay | Foto: Pixabay



Region. Die Weinliebhaber in unserer Region sollten bei ihrem Weinhändler des Vertrauens oder im Supermarkt wieder vermehrt zu deutschen Weinen greifen. Deutsche Winzer beklagen nämlich, dass ihr Absatz zurück geht, weil ältere Weintrinker sterben und jüngere Weintrinker zu wenig kaufen, um den Verlust zu kompensieren. 

Das Deutsche Weininstitut (DWI) beruft sich mit ihren Aussagen auf eine eigens bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beauftragten Analyse von 30.000 bundesdeutschen Haushalten. Demnach sei der Umsatz mit deutschen Weinen im Jahr 2017 um 5 Prozent gesunken. Eine absolute Zahl liegt unserer Redaktion nicht vor.


Foto: DWI

DWI-Geschäftsführerin Monika Reule. [/image]

DWI-Geschäftsführerin Monika Reule sieht für diese Entwicklung einen wesentlichen Grund im demografischen Wandel: "Wir stellen zwar erfreulicherweise fest, dass die jüngeren Verbraucher im Lebensmittelhandel etwas häufiger zum Wein greifen, diese Zuwächse können allerdings nicht die zurückgehenden Weineinkäufe der älteren Bevölkerung kompensieren."

Stabile Preise


Der Durchschnittspreis für Wein im Lebensmitteleinzelhandel ist im Vergleich zum Vorjahr mit 2,92 Euro pro Liter stabil geblieben. Für Weine aus dem eigenen Land gaben die Verbraucher mit durchschnittlich 3,15 Euro pro Liter zwar etwas mehr aus, allerdings auch fünf Cent weniger als 2016. Über den Ab-Hof-Verkauf sowie den Vertrieb durch den Fach- und Onlinehandel konnten die deutschen Erzeuger einen deutlich höheren Durchschnittspreis von 6,75 Euro pro Liter erlösen, was einem Plus von drei Cent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Wein wird vornehmlich im Discounter gekauft


Der Lebensmittelhandel hat sich hierzulande als Einkaufsstätte für Wein weiter etabliert. 79 Prozent aller Weine wurden 2017 dort eingekauft. Davon entfielen 50 Prozent auf die Discountmärkte, die ihre Marktposition um zwei Prozentpunkte ausgebaut haben. Die klassischen Supermärkte, die in den vergangenen Jahren insbesondere durch die Ausweitung des regionalen Sortiments mit heimischen Weinen punkten konnten, haben ihren Marktanteil von 18 Prozent behauptet, ebenso wie die großen SB-Warenhäuser mit einer Einkaufsfläche von über 5.000 Quadratmeter, wo elf Prozent aller Weine eigekauft wurden. Leicht rückläufig waren die Einkäufe direkt bei den Weinerzeugern sowie über die sonstigen Vertriebswege. Damit setzt sich der allgemeine Trend, seinen gesamten Haushaltsbedarf möglichst mit einem Einkauf zu decken, weiter fort.

45% der Deutschen kaufen deutsche Weine


Deutsche Weine hatten 2017 einen unverändert hohen Marktanteil von 51 Prozent am gesamten Weinumsatz und von stabilen 45 Prozent an der hierzulande eingekauften Weinmenge.

Mit 16, zwölf und acht Prozent Marktanteil am Weinumsatz und -absatz folgen die Weine aus Italien, Frankreich und Spanien. Auch dies geht aus der aktuellen GfK-Weinmarktanalyse hervor, die das DWI alljährlich in Auftrag gibt.

Deutsche Weinexporte im Plus


Die Exporte deutscher Weine haben sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt. Nach Angaben des DWI legten sowohl die Mengen als auch der Wert der exportierten Weine um jeweils sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Insgesamt wurden 2017 rund 1,1 Millionen Hektoliter Wein im Wert von 308 Millionen Euro in 124 verschiedene Länder ausgeführt.

Engländer und Polen trinken mehr deutsche Weine


Den größten Mengenzuwachs in Höhe von 28.000 Hektolitern hatten die deutschen Weinexporteure in Großbritannien. In den viertwichtigsten Exportmarkt wurden 2017 insgesamt 121.000 Hektoliter im Wert von 20 Millionen Euro (+ 27 Prozent) exportiert. DWI-Geschäftsführerin Reule zeigte sich sehr erfreut darüber, dass sich in dem lange Zeit schwierigen britischen Markt nun eine Trendwende abzeichnet. Hier haben insbesondere viele Weinfachhändler in den letzten Monaten sehr erfolgreich Weine aus den deutschen Weinregionen abgesetzt.

Deutsche Weine erfreuen sich auch in Polen immer größerer Beliebtheit. Aufgrund des gestiegenen Lebensstandards und einer Ausweitung des Deutschweinangebotes im polnischen Lebensmittel- und Weinfachhandel wuchs die exportierte Weinmenge 2017 um 54 Prozent auf 53.000 Hektoliter im Wert von 12 Millionen Euro.

Einen deutlichen Exportzuwachs von 37 Prozent im Wert und 25 Prozent in der Menge verzeichnen die deutschen Weinexporteure darüber hinaus auch in China. Mit einem Exporterlös von 19 Millionen Euro ist China damit auf den fünften Platz im Ranking der wichtigsten Exportländer für deutsche Weine aufgestiegen.

Stabiler amerikanischer Markt bleibt Nummer 1


An erster Stelle standen 2017 nach wie vor die USA gefolgt von den Niederlanden und Norwegen. Der US-Markt zeigte sich im vergangenen Jahr sehr stabil. Mit 79 Millionen Euro wurden dort rund ein Viertel der deutschen Weinexporterlöse erzielt. Die Weinausfuhren in die Niederlande legten bei konstanten Umsätzen um zwei Prozent auf 167.000 Hektoliter zu. Leichte Exportwertsteigerungen von zwei Prozent gab es zudem auch in Norwegen, wo die deutschen Weinexporteure unangefochten Marktführer im Weißweinsektor sind.

Ob sich der deutsche Weinexport in diesem Jahr weiterhin so positiv entwickeln wird, bleibt aus Sicht des DWI insbesondere in Anbetracht der vergleichsweise geringen Erntemenge des Weinjahrgangs 2017 abzuwarten.


mehr News aus der Region