Der Biber ist zurück: Warum der Nager auch für Konflikte sorgt

Der Biber siedelt sich zunehmend wieder in der Region an. Nicht bei allen sorgt das für Begeisterung – dabei kann der Nager einen Beitrag zum Schutz vor Hochwasser leisten.

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Symbolbild. | Foto: Pixabay

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Region. Ein ehemaliger Bewohner kehrt in die Region zurück: Nach langer Abwesenheit siedeln sich in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Biber zwischen Harz und Heide an. Der Nager ist dabei nicht nur putzig anzusehen, sondern trägt mit seinen Bauwerken auch zum Hochwasserschutz bei. Doch nicht überall sind die Tiere gerne gesehen, wie der NABU Niedersachsen in einer Pressemitteilung schreibt.



Weil Biberdämme angrenzende Flächen vernässen können, werden sie immer wieder beschädigt oder entfernt. Der NABU Niedersachsen warnt im Rahmen seines Biberschutzprojektes vor solchen eigenmächtigen Eingriffen. Denn nicht nur der Biber selbst steht unter strengem Schutz. Auch seine Bauten und Dämme dürfen nicht ohne fachliche Prüfung und die Zustimmung der zuständigen Behörden verändert oder beseitigt werden.

„Die Beschädigung eines Biberdammes ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Dr. Bibi Linden, Projektleiterin des Biberschutzprojektes beim NABU Niedersachsen. „Wer ohne Genehmigung und ohne die nötige Fachkenntnis eingreift, riskiert einen Rechtsverstoß und fügt einem wertvollen Ökosystem erheblichen Schaden zu.“ Denn nicht nur der Biber selbst, sondern auch seine Bauten, insbesondere Biberdämme, sind gemäß § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Das Beschädigen oder Entfernen eines Biberdammes kann den Tatbestand einer Straftat erfüllen.

Nach Einschätzung des NABU Niedersachsen fehle es bei Flächennutzern, Kommunen, Landkreisen und weiteren zuständigen Stellen noch immer häufig an Wissen über den Schutzstatus und die ökologische Bedeutung des Bibers. Sobald Flächen vernässen oder Nutzungen beeinträchtigt werden, gelte der Biberdamm schnell als Ursache des Problems. Dabei sei er ein zentraler Bestandteil des Biberreviers und erfülle wichtige Aufgaben für unseren Wasserhaushalt und die Artenvielfalt.

Ein verkannter Baumeister lebendiger Gewässer


Der Biber gestaltet seinen Lebensraum aktiv. Mit seinen Dämmen verlangsamt er den Abfluss, hält Wasser länger in der Landschaft und schafft Teiche, Feuchtflächen und abwechslungsreiche Uferbereiche. Davon profitieren Amphibien, Libellen, Fische, Wasservögel und viele weitere Arten. Auch für den Menschen seien diese Veränderungen von großem Wert. Biberreviere könnten dazu beitragen, die Folgen von Trockenheit und Starkregen abzumildern. Das zurückgehaltene Wasser versickere langsamer, bleibe der Landschaft länger erhalten und könne hohe Abflussmengen abfedern. Der Biber übernehme damit auf natürliche Weise Aufgaben, für die andernorts mit großem technischem und finanziellem Aufwand Lösungen geschaffen werden und wirke so auch den negativen Folgen des Klimawandels entgegen.


Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden, Starkregenereignisse und Überschwemmungen werde deutlich, wie wichtig solche natürlichen Wasserspeicher sind. Der Biber sollte deshalb laut NABU nicht fälschlicherweise als Störenfried betrachtet werden, sondern als wichtiger Verbündeter im Umgang mit Wasserknappheit und Hochwasser.

Konflikte lassen sich vermeiden


Der NABU Niedersachsen nehme die Sorgen landwirtschaftlicher Betriebe ernst. Wenn Wege beeinträchtigt werden oder die Bewirtschaftung erschwert wird, brauche es praktikable Lösungen. Die eigenmächtige Entfernung eines Biberdammes gehöre jedoch nicht dazu. Viele Konflikte würden dort entstehen, wo Äcker, Grünland, Wege oder andere Nutzungen direkt bis an das Gewässer heranreichen. Bereits ein rund zehn Meter breiter, nutzungsfreier Uferrandstreifen könne einen Großteil der typischen Konflikte vermeiden. Besonders wertvoll seien solche Bereiche, wenn dort standortgerechte Gehölze wachsen.

Sie bieten dem Biber Nahrung und Baumaterial unmittelbar am Wasser, so der NABU. Zugleich würden sie die Ufer stabilisieren, den Eintrag von Dünger und Pestiziden verringern und Lebensraum für zahlreiche Tierarten schaffen. Bei Starkregen könnten naturnahe Uferbereiche außerdem Wasser aufnehmen und zeitweise zurückhalten. „Naturnahe Uferrandstreifen sind keine verlorene Nutzfläche“, betont Linden. „Sie schützen Gewässer und Böden, fördern die Artenvielfalt und helfen dabei, Konflikte mit dem Biber gar nicht erst entstehen zu lassen.“

Weniger Mahd schafft mehr Lebensraum


Der NABU Niedersachsen fordert deshalb eine bedarfsgerechte und abschnittsweise Pflege von Ufern. Wo keine zwingenden Gründe dagegen sprechen, sollten Gehölze erhalten bleiben und sich weiterentwickeln dürfen. Kommunen, Landkreise, Landwirtschaft und Gewässerunterhaltung sollten bei absehbaren Problemen frühzeitig Fachleute und die zuständigen Naturschutzbehörden einbeziehen. So können geeignete Maßnahmen gefunden werden, bevor sich ein Konflikt zuspitzt.

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