6. Lucklumer Gespräche: Kooperation und Beteiligung im Fokus

Rund 80 Gäste aus den verschiedensten Bereichen sprachen über Perspektiven für den ländlichen Raum.

Rund 80 Gäste aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Ehrenamt und Zivilgesellschaft nahmen an den Lucklumer Gesprächen teil.
Rund 80 Gäste aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Ehrenamt und Zivilgesellschaft nahmen an den Lucklumer Gesprächen teil. | Foto: Johannes Giering

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Erkerode. "Kooperation braucht einen klaren gemeinsamen Zweck, sonst bleibt sie reine Schlagwortpolitik. " – das schreibt der Landkreis in einer Pressemitteilung, in der er von den 6. Lucklumer Gesprächen berichtet, die vor wenigen Tagen auf dem Rittergut Lucklum stattfanden. Unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen: Kooperation als Zukunftsstrategie“ hatte der Landkreis rund 80 Gäste aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Ehrenamt und Zivilgesellschaft eingeladen, die darüber sprachen, wie Zusammenarbeit neue Perspektiven und konkrete Handlungsmöglichkeiten für ländliche Räume eröffnen kann.



Landrätin Christiana Steinbrügge knüpfte an das Leitmotiv der Lucklumer Gespräche an: „Gemeinsam auf Themen schauen, die uns bewegen.“ Dem Begriff „Kooperation“ komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Eine gute Zusammenarbeit beginne nicht mit der Frage, wer was mit wem mache, sondern mit der Frage: Wozu? Gerade in einer Zeit, in der die Herausforderungen größer und komplexer werden, seien engagierte Menschen gefragt, die Grenzen zwischen Zuständigkeiten, Institutionen und Fachgebieten überwinden.

Als Beispiel nannte sie das Projekt „Denk dein Dorf… und darüber hinaus“, das derzeit im Landkreis Wolfenbüttel mit Förderung des Bundesprojekts Aller.Land läuft. In diesem Rahmen werden Menschen ermutigt, das Zusammenleben in ihrem Dorf selbst mitzugestalten. Hier entstehen Pop-up-Cafés, künstlerische Aktionen, Ideenschmieden und Kulturprojekte. Dabei gehe es nicht darum, fertige Lösungen in die Dörfer zu bringen. Vielmehr gehe es darum, vorhandene Potenziale sichtbar zu machen und miteinander zu verbinden. „Kooperation beginnt dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, so Steinbrügge.

Historische und wissenschaftliche Perspektiven


Helmut Gockel, der Geschäftsführer des Ritterguts Lucklum, stellte aktuelle Aktivitäten des Guts vor und spannte einen historischen Bogen zum Abendthema. Kooperation habe den Deutschen Ritterorden stets ausgezeichnet, erklärte er. Bis 1809 war Lucklum Komturei des Deutschen Ordens – ein Ort, an dem gemeinschaftliches Handeln Tradition hat. Aus wissenschaftlicher Perspektive und gleichzeitig praxisnah erläuterte Professor Dr. Peter Dehne von der Hochschule Neubrandenburg seine These „Keiner schafft‘s allein. Warum Zusammenarbeit der Schlüssel für starke Dörfer und Regionen ist“.

Im Anschluss stellte Ulrike Oemisch das Projekt „Klimalandschaft Wolfenbüttel“ vor, das als Modell für nachhaltige Landnutzung dient. Dabei stärke der Ansatz nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch regionale Wertschöpfungsketten und lokale Netzwerke.

DenkDeinDorf-Projekt: Bewerbungen noch möglich


Johanna von Anshelm, Abteilungsleiterin Kultur und Medien im Bildungszentrum Landkreis Wolfenbüttel, gab anschließend einen vertieften Einblick in das Projekt „DenkDeinDorf … und darüber hinaus!“. Sie zeigte auf, was durch die Teilnahme an einem solchen Beteiligungsprozess entstehen kann, wenn Ideen und die Freude, gemeinsam etwas zu bewirken vor Ort weitergetragen werden. Ein Beispiel ist der Ort Schandelah, wo die Projektgruppe über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus aktiv geblieben sei und sich aktuell der künstlerischen Gestaltung des Bahnhofs annehme. Interessierte Dörfer können sich bis zum 15. Januar bei der Servicestelle Kultur im Bildungszentrum Landkreis Wolfenbüttel unter dorfkulturzentrale@lk-wf.de melden.


Künstlerischer Abschluss


Wie Kooperation praktisch und unmittelbar erfahrbar werden kann, zeigte zum Abschluss die bildende Künstlerin Dr. Insa Winkler aus Hude bei Bremen. In ihrem Vortrag „Kollaborative Kunst im ländlichen Raum“ stellte sie Projekte vor, die sich an den Schnittstellen von Kunst, Landschaft, Ökologie und Gesellschaft entstehen. Im Mittelpunkt stand auch hier die Beteiligung der Menschen vor Ort.

Die Beispiele des Abends hätten deutlich gemacht, dass Kooperation mehr sei als ein Instrument für effiziente Zusammenarbeit, so der Landkreis. Sie könne neue Perspektiven eröffnen und Menschen einladen, ihre Region aktiv mitzugestalten. Steinbrügge sprach in dem Zusammenhang von „Möglichkeitssinn“, die Fähigkeit sich vorzustellen, dass es auch anders gehen könnte.