Der Weg zum Führerschein: Die Unabhängigkeit hat einen hohen Preis

Der Traum von Unabhängigkeit wird immer teurer. Mittlerweile müssen Fahrschüler für den Führerschein tief in die Tasche greifen. regionalHeute.de hat sich die aktuellen Fahrschulpreise in der Region genauer angeschaut.

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Symbolbild | Foto: regionalHeute.de

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Region. Für viele Jugendliche ist er ein Symbol für Freiheit, für Eltern oft ein finanzieller Kraftakt: der Führerschein. Wer heute den Weg in die Fahrschule macht, sieht sich vor allem mit hohen Kosten konfrontiert, und der Traum von Unabhängigkeit wird schnell zur finanziellen Herausforderung.



Aktuell wird über die Kosten des Führerscheins diskutiert. Im Zentrum steht die Frage, ob die verpflichtenden Fahrstunden in der Ausbildung reduziert werden sollten, um die Gesamtkosten für Fahrschüler zu senken. Vor diesem Hintergrund hat sich regionalHeute.de die Preise in der Region genauer angesehen.

So günstig war der Führerschein früher


Da gerne Vergleiche zu früheren Preisen à la „Ich habe noch 1.000 Mark bezahlt“ gezogen werden, werfen wir zunächst einen Blick zurück. Wer seinen Führerschein zu Beginn der 1990er-Jahre gemacht hat, kam oft noch mit 600 bis 1.000 D-Mark hin. Mitte der Neunziger kostete die Fahrerlaubnis im Schnitt zwischen 1.200 und 1.500 Mark, wobei eine normale Fahrstunde damals gerade einmal rund 45 Mark (umgerechnet etwa 23 Euro) kostete.

Auch nach der Euro-Einführung blieben die Preise lange moderat. Vor rund zehn Jahren war die Fahrerlaubnis im Schnitt noch für rund 2.000 Euro zu haben. Seither haben sich vor allem die Preise für die Fahrpraxis massiv nach oben bewegt. Kostete eine reguläre Übungsstunde im Jahr 2016 im Durchschnitt noch zwischen 32 und 36 Euro, müssen Fahrschüler heute fast das Doppelte für eine 45-minütige Fahrstunde einplanen. Heute sind für den Führerschein im Schnitt rund 3.000 Euro Gesamtkosten fällig – vorausgesetzt, man besteht alles im ersten Anlauf und braucht eine normale Anzahl an Übungsstunden.

Fahrstunden als größter Kostenfaktor


Bereits vor der ersten praktischen Fahrstunde müssen Familien tief in die Tasche greifen. Für den Grundbetrag, der im Wesentlichen den theoretischen Unterricht in der Fahrschule sowie den bürokratischen Verwaltungsaufwand abdeckt, wird im regionalen Durchschnitt eine Summe von rund 440 Euro fällig. Zu dieser Basisgebühr gesellen sich fast immer noch die Kosten für das notwendige Lehrmaterial oder die obligatorische Lern-App, die im Mittel mit weiteren 93 Euro zu Buche schlagen.

Den Löwenanteil der Ausbildung machen die Fahrstunden aus, die jeweils im 45-Minuten-Takt abgerechnet werden. Der Blick auf das regionale Preisgefüge zeigt, dass eine reguläre Übungsfahrt, bei der die Grundlagen des Autofahrens und der Stadtverkehr trainiert werden, im Durchschnitt 66 Euro kostet. Deutlich teurer sind hingegen die gesetzlich vorgeschriebenen Sonderfahrten auf der Autobahn, über Land oder bei Dunkelheit. Für diese Pflichtstunden verlangen die Fahrschulen in der Region im Schnitt rund 77 Euro pro Dreiviertelstunde.

Hinzu kommen noch die behördlichen Prüfungsgebühren beim TÜV (Theorie 25 Euro und praktische Prüfung 129,83 Euro) und Fahrschul-Gebühren für die Vorstellung/Anmeldung zur Prüfung. Die Gebühren schwanken stark von Fahrschule zu Fahrschule und liegen bei der Theorieprüfung zwischen 25 Euro und 104,99 Euro und bei der praktischen Prüfung zwischen 168 Euro und 329,83 Euro

Fahrschulen reagieren auf Kostensteigerungen


Branchenexperten begründen die Preiserhöhungen mit dem akuten Fahrlehrermangel und den gestiegenen Anschaffungskosten für Ausbildungsfahrzeuge. Vor allem aber hätten die hohen Spritpreise dafür gesorgt, dass Fahrschulen ihre Preise anheben müssen, weiß Lutz Bruderer von der Fahrschule Schillig. Die Fahrschule, die Standorte in Bad Harzburg und Vienenburg hat, hat auf die gestiegenen Spritpreise mit einer Erhöhung der Fahrstundengebühren reagiert.

Spritpreise haben Preise verändert


„Nachdem die Spritpreise so stark angestiegen sind, mussten wir natürlich auch preislich etwas machen. Ansonsten wäre das wahrscheinlich alles erst mal auf dem alten Niveau geblieben. Aber wenn man statt 1,60 Euro auf einmal 2,20 Euro oder 2,30 Euro für einen Liter bezahlt, acht Fahrzeuge tanken muss und dann auf die Monatsabrechnung guckt, merkt man diese Preissteigerung schon sehr deutlich“, so Bruderer.

Die Konsequenz war, dass Bruderer ab dem 1. Mai die Preise für eine reguläre Übungsstunde von 60 auf 70 Euro und für die Sonderfahrten von 75 auf 80 Euro pro 45 Minuten angehoben hat. Über die Preise habe sich bisher noch niemand beklagt. Den Menschen sei völlig bewusst, dass im Zuge der allgemeinen Teuerung auch die Fahrschulausbildung teurer werden muss.

Anmeldezahlen bleiben stabil


Entgegen dem Trend in anderen Regionen spüre er keinen Rückgang. Die Fahrschule verzeichne sogar so hohe Anmeldezahlen wie noch nie in den Jahren zuvor – das Argument, dass Jugendliche aus Kostengründen mit dem Führerschein warten, kann er für seinen Betrieb also nicht bestätigen. Ob und wie sich die aktuelle Preiserhöhung langfristig auswirkt, bleibe abzuwarten, sagt Bruderer, der aber deutlich macht, dass man mit einem Führerschein in das Leben und die Zukunft investiere.

Investition in die Zukunft


Viele Leute würden sich immer wieder über den teuren Führerschein beschweren, gäben aber problemlos mehr Geld für einen Urlaub oder das neueste Smartphone aus. Ein Urlaub für 3.000 Euro sei nach zehn Tagen vorbei – den Führerschein hingegen habe man als Anschaffung fürs Leben oft 60 Jahre oder länger, was auch für den Beruf entscheidend sei.

Kritik an Reformplänen


Die Pläne der Bundespolitik, die verpflichtenden Sonderfahrten drastisch von 12 auf 3 Stunden zu reduzieren, sieht der regionale Fahrlehrer extrem kritisch. Zwar würden die Fahrschüler dadurch auf einen Schlag um die 720 Euro einsparen, doch aus Sicht der Verkehrssicherheit hält er das Konzept für ein eklatantes Risiko.

Jugendliche bräuchten heute aufgrund veränderter Motorik ohnehin länger für die Ausbildung. Die Idee, Fahrschüler nach wenigen regulären Stunden mit den Eltern im privaten Auto auf die Straße zu schicken, hält er für kreuzgefährlich. Den Eltern fehle die pädagogische Ausbildung und im Ernstfall auf der Beifahrerseite die Doppelbedienung, um physisch mit Gas oder Bremse einzugreifen. Zudem seien die logistischen und versicherungstechnischen Fragen bei diesem Modell völlig ungeklärt.

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