Der Führerschein soll günstiger werden – doch es gibt Kritik

Mit einer Reform soll den enormen Kosten beim Erwerb der Fahrerlaubnis entgegengewirkt werden. Doch Experten sehen Verbesserungsbedarf.

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Symbolfoto. | Foto: regionalHeute.de

Region. Die am gestrigen Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Führerschein-Reform soll den Erwerb der Fahrerlaubnis vor allem günstiger machen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erklärte im Vorfeld: „Der Führerschein ist ein Schlüssel zur eigenen Freiheit – besonders dort, wo Bus und Bahn nicht regelmäßig fahren. Mobilität darf kein Privileg sein.“ Doch die geplante Reform stößt auch auf Kritik.



Zahlreiche Eltern und Heranwachsende kennen das Problem, wenn die Volljährigkeit naht und der Wunsch nach dem Führerschein an die Tür klopft: In den vergangenen Jahren sind die Kosten für den "Lappen" enorm gestiegen, Fahrschüler müssen mit Kosten über 3.000 Euro rechnen. Für viele ist das kaum noch leistbar. Abhilfe schaffen soll die Reform, die am gestrigen Tag das Bundeskabinett passiert hat.

Das soll sich ändern


Geplant ist eine deutliche Kostensenkung durch eine Kombination aus Digitalisierung, Bürokratierückbau und mehr Transparenz, wie es vonseiten des Verkehrsministers heißt. Künftig sollen unter anderem Fahrschulen frei über Lehrmethoden entscheiden und den Theorieunterricht auch online anbieten können – bislang ist der Präsenzunterricht Pflicht. Die verpflichtenden Sonderfahrten sollen zudem von bisher 12 auf 3 verringert und ein Teil der praktischen Ausbildung soll künftig an Fahrsimulatoren absolviert werden können. Auch private Fahrübungen mit erfahrenen Begleitpersonen – wie es etwa in Österreich praktiziert wird – sollen künftig möglich sein. In Kraft treten sollen die neuen Regelungen Anfang 2027, sofern sie von Bundesrat und Bundestag gebilligt werden.

Bedenken bei Übungsfahrten mit Laien


Die Führerschein-Reform sorgt jedoch nicht nur für Begeisterung. Kritik kommt beispielsweise von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. In einer veröffentlichten Stellungnahme wird unter anderem die Möglichkeit kritisiert, dass zusätzliche Übungsfahrten auf der Autobahn künftig unter der Aufsicht von Laien, wie den Eltern, stattfinden dürfen. Diese seien weder fachlich noch pädagogisch ausgebildet, noch hätten sie die technische Möglichkeit, in Gefahrensituationen einzugreifen. Das halte man für in höchstem Maße bedenklich. Man rege daher eine Zurückstellung der Laienausbildung an, bis geklärt wurde, ob und unter welchen konkreten Voraussetzungen sie in das deutsche Ausbildungssystem integriert werden kann.

Verschiebung der Priorität


Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) übt Kritik. Bisher war das Ziel der Fahrausbildung, die Fahrschüler zu sicheren Verkehrsteilnehmern zu machen, nach der Reform soll die Prüfungsvorbereitung vordringliches Ziel sein. Der Fokus verschiebe sich damit von echter Verkehrskompetenz hin zur bloßen Bewältigung eines Tests, so Manfred Wirsch, Präsident des DVR. Den Einsatz von Fahrsimulatoren befürworte man zwar, sehe jedoch noch Nachbesserungsbedarf. Ein Teil der Sonderfahrten sollte demnach optional auch im Simulator absolviert werden können, da dort komplexe Situationen beliebig oft wiederholt werden könnten.

Einen Verbesserungsbedarf sieht auch der TÜV-Verband. Wie es in einer Stellungnahme auf der Website vom 6. Mai heißt, sollten verpflichtende Lernstandskontrollen in die Reform mitaufgenommen werden. Anhand dieser lasse sich frühzeitig erkennen, ob Fahrschüler ausreichend auf die Prüfung vorbereitet sind – ohne sie würden mehr Fehlversuche in den Prüfungen drohen.

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