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Wolfenbüttel: Gewinnt die Stadt in Zukunft Strom aus der Oker?



Wolfenbüttel

Ein Wasserkraftwerk in der Oker - Wahlkampfgag oder reale Option?

Seit Jahren wird darüber debattiert, ob die Kraft des Wassers in Wolfenbüttel zur Stromerzeugung nutzbar ist. Jetzt hat die CDU das Thema in ihren Wahlkampf eingebracht. Tatsächlich wird aktuell eine Anlage am Juliuswehr geprüft.

von Marvin König


Das Juliuswehr mit Fischpass. Untersuchungen zufolge die beste Option für ein Wasserkraftwerk - wenn auch nur zu Forschungszwecken.
Das Juliuswehr mit Fischpass. Untersuchungen zufolge die beste Option für ein Wasserkraftwerk - wenn auch nur zu Forschungszwecken. Foto: Werner Heise

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Wolfenbüttel. CDU-Landratskandidat Uwe Schäfer und sein Parteikollege und Bürgermeisterkandidat Adrian Haack wollen Strom aus der Kraft des Wassers in der Oker gewinnen. Hierfür trafen sie sich am 17. April mit Projektinitiator Uwe Voges. Die Verwaltung hat dem Rat Mitte 2019 nach einer Untersuchung der Fließgeschwindigkeit in der Oker empfohlen, das Thema zu den Akten zu legen - Im Hintergrund laufen jedoch weiterhin Planungen, eine Wasserkraftanlage "zu Forschungszwecken" für die Ostfalia am Juliuswehr zu installieren. Eine bedeutsame Energiequelle für Wolfenbüttel wird diese wohl nicht sein - aber sie soll helfen, bedeutsame Energiequellen mit der Kraft des Wassers zu schaffen.



Adrian Haack und Uwe Schäfer hatten sich laut einer Pressemitteilung mit Projektinitiator Reinhard Voges an der Schünemannschen Mühle getroffen. Voges Ziel ist die Installation einer umweltfreundlichen, dezentralen Energiequelle an der Mühle: "Die kleinen Wasserkraftanlagen machen im Hinblick auf die stetig wachsende CO2-Bepreisung Sinn. Zudem ist die Oker anders als Windkraft oder Solarenergie sehr zuverlässig in Bezug auf die Grundlast. Die Oker fließt immer und stellt keine Rechnung", erklärte Voges den CDU Politikern. Adrian Haack sehe vor allem den kommunalen Beitrag zum Klimaschutz im Vordergrund. Haack möchte einerseits einen Kiribaum-Wald als effektiven CO2-Speicher pflanzen und sieht in der Wasserkraft eine Möglichkeit, CO2-Ausstoß einzusparen.

Die Schünemannsche Mühle in Wolfenbüttel. Früher war sie einmal ein Wasserkraftwerk. Aber würde sich das heute noch lohnen?
Die Schünemannsche Mühle in Wolfenbüttel. Früher war sie einmal ein Wasserkraftwerk. Aber würde sich das heute noch lohnen? Foto: Thorsten Raedlein




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Insgesamt seien fünf Standorte für Wasserkraftwerke denkbar, wie Reinhard Voges gegenüber regionalHeute.de verrät, die Potenziale wolle ein Fachmann der TU Braunschweig untersuchen, lediglich das Geld fehle. Denkbar wären demnach die Schünemannsche Mühle, das Auguststadtwehr, die Alte Dammmühle, die Kenosha-Brücke und das Juliuswehr. Eine Untersuchung der Durchflussmengen in der Oker wurde aber bereits an allen Standorten außer der Kenosha-Brücke durchgeführt. Hierbei wurde deutlich, dass das Juliuswehr bei Mittelwasser etwa das Zehnfache der Abflussmenge aufweist wie die Schünemannsche Mühle.



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Schünemannsche Mühle schneidet schlecht ab


Unter Zugrundelegung einer großzügig geschätzten nutzbaren Fallhöhe von 1,5 Metern und aller weiteren verfügbaren Daten könnten am Juliuswehr also im optimalen Fall grob geschätzt (durch regionalHeute.de) etwa 60 Kilowatt Strom erzeugt werden - unter optimalen Bedingungen und unter Außerachtlassung umwelttechnischer Aspekte. Damit könnten rechnerisch etwa 150 Zweipersonenhaushalte versorgt werden, sofern kein Niedrigwasser auftritt. Es gibt beispielsweise im Rhein-Neckar Gebiet Wasserkraftwerke mit einer ähnlichen Leistung, die allerdings allesamt aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stammen und unter modernen Umweltrichtlinien wohl nicht mehr zu realisieren wären. An der Schünemannschen Mühle sei eine Machbarkeitsstudie laut Voges auf einen Wert von 5,5 Kilowatt gekommen. Das reicht in etwa, um zwei Staubsauger zu betreiben.

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Juliuswehr im Fokus


Laut Stadtbaurat Ivica Lukanic sei "eindeutig beschlossen" worden, dass die Schünemannsche Mühle als Standort für eine Wasserkraftanlage nicht geeignet sei. Die Verwaltung tausche sich nun mit der Ostfalia aus, bei einem Termin am 16. April hat der Ostfalia-Professor Klaus Röttcher ein Konzept für die Errichtung einer Forschungsanlage im Bereich des Juliuswehrs vorgelegt. "Dieses Papier werden wir jetzt zuerst einmal prüfen. Wir waren der Auffassung, dass wir Vorhaben weiter verfolgen können", meint Lukanic und erklärt, dass man sich nun mit der Frage des Wassertourismus befassen werde. "Wir werden dann noch in diesem Quartal einen Vorschlag machen wie man da weiter verfahren kann. Die Ostfalia hat die Fahnen gehisst und sehr gute Vorschläge gemacht", erklärt Lukanic dazu. Man sei guter Dinge, auch Fördermittel für dieses Projekt zu erhalten.

Stromeinspeisung ins Netz nicht vorrangig


Die Planung befindet sich nach wie vor im Anfangsstadium. Professor Röttcher erklärt auf Anfrage von regionalHeute.de, dass man tatsächlich eher von einer Forschungsanlage ausgeht und nicht von einer "echten Wasserkraftanlage." Die Ostfalia habe hier insbesondere ein spezielles Wasserrad des Pinneberger Ingenieurs Hartmut Drews im Blick. "Dieses Wasserrad ist modular aufgebaut und vergleichsweise preiswert", berichtet Röttcher. Vorteil eines eher langsam laufenden Wasserrades sei im Vergleich mit einer Turbine, dass keine Gefahr für Fische und andere Wasserlebewesen bestehe. "Herr Drews hatte auch verschiedene Ideen zum Thema Generatoren. Darüber hat er mit uns als Hochschule und mit Herrn Voges gesprochen. Wir sind uns nicht sicher, dass der Generator so funktionieren wird, wir haben aber auch noch andere Ideen dafür."

Um die Einspeisung von Energie ins Netz gehe es dabei aber vorrangig nicht. "Das große Problem ist die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Wenn Sie neue Wasserkraftstandorte etablieren wollen, geht das nur an Standorten wo Wasserkraft mal war. Am Juliuswehr ist ja schon ein Fischpass und es gibt keine zusätzlichen Hindernisse. Regenerative Energie hat eine ganze Menge Vorteile, aber Wasser, Wind und Solar sind nicht völlig ohne Umweltwirkungen, muss man gucken wie man das gegeneinander abwägen kann."

Eine Anlage mit dem primären Zweck der Forschung am Juliuswehr wird also derzeit geprüft. Ob und wie viel Energie sie aber ins Netz einspeisen kann und welchen Beitrag sie dabei bei der CO2-Reduktion leisten könnte, ist aber noch offen.


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