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Erneut Fischsterben in Schladen - Waren die Baumaßnahmen am Weddebach wirkungslos?



Wolfenbüttel

Erneut Fischsterben in Schladen - Waren die Baumaßnahmen am Weddebach wirkungslos?

Es gibt drei Theorien, wieso der Bach erneut austrocknen konnte. Eigentlich hätten Baumaßnahmen im vergangenen Jahr genau das verhindern sollen.

von Marvin König


Der Weddebach in Schladen ist vor zwei Wochen völlig ausgetrocknet. In den Restwasserpfützen treiben tote Forellen.
Der Weddebach in Schladen ist vor zwei Wochen völlig ausgetrocknet. In den Restwasserpfützen treiben tote Forellen. Foto: CDU Schladen-Werla

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Schladen. War die Trockenheit Schuld, ein illegal errichteter Staudamm oder doch die durch den Landkreis Wolfenbüttel und den Wasserverband Peine neu gestaltete Wasserführung? Das Flüsschen Wedde ist - wie im vergangenen Jahr - vor zwei Wochen erneut ausgetrocknet. Tote Forellen im Restwasser sind unübersehbare Zeugnisse einer erneuten ökologischen Katastrophe, die durch die Baumaßnahmen eigentlich verhindert werden sollte. Schladens Bürgermeister Andreas Memmert verlangt eine schonungslose Aufklärung.



"Ich bin erstmal wahnsinnig enttäuscht, dass ich das jetzt wieder erleben muss", berichtet Memmert im Gespräch mit regionalHeute.de. Er kündigt an, nach der Urlaubszeit einen Ortstermin mit allen Beteiligten einzuberufen. Erst im Dezember 2019 war der Weddebach in Schladen ausgetrocknet und ließ etliche Senken voller verendeter Stichlinge zurück. Durch die Baumaßnahme im vergangenen Jahr hat die Wedde ein neues Bachbett südlich von Schladen erhalten, welches in die Oker abfließt. Das Bachbett im Ort soll durch eine Rohrleitung mit Wasser versorgt werden. Damals war eine Umleitung des Wassers für die Durchführung der Baumaßnahme für das Trockenfallen des Flusses verantwortlich gemacht worden. Doch diese Baumaßnahme ist lange abgeschlossen, Memmert merkt an: "Es wurde sogar im Gewässerentwicklungsplan Wedde definiert, dass die Wedde nie trocken fallen darf."

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Trockenheit oder Konstruktionsfehler?


Ursachenforschung beim Landkreis Wolfenbüttel als Bauherr und dem Wasserverband Peine als bauausführendes Unternehmen. Der Landkreis macht auf Anfrage unserer Redaktion ausschließlich die anhaltende Trockenheit für das erneute Fischsterben in dem kleinen Schladener Bachlauf verantwortlich, verspricht aber: "Der Landkreis Wolfenbüttel wird die derzeitige Situation mit der Gemeinde Schladen-Werla aufgreifen." Der Wasserverband Peine verweist zwar für eine Bewertung der Situation an den Landkreis, erklärt aber: "Anders, als es einige Bürger vermuten, ist die neugestaltete Wasserführung nicht die Ursache für das Trockenfallen. Richtig ist, dass zunächst der neu gestaltete, mäandernde Bereich der Wedde mit Wasser versorgt wird. Das sehen die Planungen, die genehmigt worden sind, auch so vor." Der Wasserverband erklärt weiter: "Ab einem definierten Wasserstand des Weddebachs teilt sich der Wasserstrom auf: Ein Teil fließt in den neuen Arm ab, ein Teil wird über das Rohr, die sogenannte Trockenwetterrinne, abgeführt und fließt weiter in Richtung Schladen. Deshalb ist auch der Zufluss zur Trockenwetterrinne entsprechend modelliert, dass bei einem Niedrigwasser wie derzeit dort kein Abfluss in Richtung Schladen erfolgt." Es seien somit keine Fehler in der Ausführung erfolgt.

Karl-Jürgen Heldt von der CDU in Schladen sieht das anders: "Die erst neu gestaltete Wasserführung gegenüber der Tennisanlage führt das durchaus noch ankommende Weddewasser vorrangig in einen Abschlaggraben, der zur Oker führt. Der neu erstellte Betonkanal für die Wedde, der zwar eigentlich ausreichend Wasser erhalten und Hochwasser vermeiden soll, erhielt kein Wasser", Heldt schlussfolgert in seiner Pressemitteilung: "Grund dafür ist ein Geländegefälle, das den Weddezulauf benachteiligt." Diese Theorie kennt auch Bürgermeister Andreas Memmert - der sich allerdings noch keine Meinung zur genauen Ursache gebildet hat und den Ortstermin abwarten möchte.


Wasserverband Peine entdeckt mysteriösen Staudamm



Diesen Staudamm entdeckte der Wasserverband Peine im Bachlauf der Wedde nahe des MTV-Vereinsheimes. Dieser habe dazu beigetragen, dass die Wedde in Schladen austrocknen konnte.
Diesen Staudamm entdeckte der Wasserverband Peine im Bachlauf der Wedde nahe des MTV-Vereinsheimes. Dieser habe dazu beigetragen, dass die Wedde in Schladen austrocknen konnte. Foto: Wasserverband Peine



Am 12. August machte der Wasserverband Peine eine weitere Entdeckung, die den Zustand des Weddebaches wohl weiter verschlimmerte. Der Landkreis Wolfenbüttel erwähnte dies in seiner Erklärung nicht, der Wasserverband Peine schildert: "Unbekannte haben unbefugt eine Barriere quer in den neuen Arm der Wedde gelegt, sodass hier kein Wasser mehr wie eigentlich vorgesehen fließen kann." Das Wasser solle damit augenscheinlich zur Trockenwetterrinne umgeleitet werden. Der Rest der Wedde erhielt so noch weniger Wasser als ohnehin schon. Der Wasserverband Peine befindet sich derzeit in Abstimmungen mit dem Landkreis und will am morgigen Donnerstag bekannt geben, wie weiter mit dem Bauwerk verfahren werden soll.

"Das ist aus unserer Sicht ein merkwürdiges Umweltverständnis, diesem Bereich jetzt durch eine solche Maßnahme Wasser vorzuenthalten."

- Dandra Ramdohr, Wasserverband Peine



Bürgermeister Memmert kommentiert: "Ich finde es sehr befremdlich, wenn jemand in so ein Flussgebiet geht und baut da so komische Steindämme auf. Sowas ist streng verboten und kein Kavaliersdelikt. Wenn der Wasserverband Peine recht hat und dieses Bauwerk auch schuld ist, dass Lebewesen sterben mussten, dann wäre das fatal."

Bürgermeister warnt vor "Hochwasserdemenz"


Die Ursachenforschung gestaltet sich offenbar kompliziert - Trockenheit, illegaler Staudamm oder ein Konstruktionsfehler. "Karl-Jürgen Heldt bezweifelt, dass dieser blöde Staudamm dafür gesorgt hat, dass noch weniger Wasser in die Wedde gekommen ist. Wir werden das alles vor Ort klären müssen. Immerhin haben wir jahrelang versucht Verbesserungen herbeizuführen", verspricht Andreas Memmert.

"Was wir in Schladen erleben ist der mahnende Zeigefinger an alle Wasserbehörden, dass es so nicht weitergehen kann."

- Andreas Memmert, Bürgermeister in Schladen



Abschließend warnt Memmert davor, die Augen vor der Situation zu verschließen: "Wenn Hochwasser ist, werden etliche Maßnahmen angeleiert und dann wird alles wieder vergessen. Diese Hochwasserdemenz dürfen wir nicht haben. Die Flüsse haben aber nicht nur ein Hochwasserproblem, die haben im Sommer ein Niedrigwasserproblem. Was wir in Schladen erleben ist der mahnende Zeigefinger an alle Wasserbehörden, dass es so nicht weitergehen kann."

Aktualisiert, 19. August, 16:11 Uhr:


Der Wasserverband Peine gibt bereits am heutigen Mittwoch in einer Pressemitteilung Details zu der Stein-Barriere bekannt.

Am Dienstag wurde die illegal errichtete Stein-Barriere im neu gestalteten Flussarm der Wedde bei Schladen wieder entfernt. „Das Wasser kann jetzt wieder wie gewünscht in den neu gestalteten Arm der Wedde fließen. Am Mittwochvormittag hatte sich die Niedrigwasserrinne im Bachverlauf schon wieder gut gefüllt“, berichten Bürgermeister Andreas Memmert und der Wasserverband Peine. Dementsprechend fließt weniger Wasser durch die links danebengelegene Leitung in Richtung Schladen ab. „Das funktioniert jetzt genau so, wie es geplant war und im letzten Jahr mit dem naturnahen Bachverlauf umgestaltet worden ist“, so der Verband.

In der letzten Woche wurde die von Unbekannten errichtete Stein-Barriere entdeckt. Diese führte zu einer Umleitung des Bachwassers in Richtung der Leitung, die erst bei einem definierten Wasserstand durchströmt werden soll. Dieser Wasserstand war bei dem derzeitigen heißen und trockenen Wetter nicht gegeben. Dadurch konnte das Wasser nicht mehr wie gewünscht in den umgestalteten Weddebach fließen.


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