Region. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen zwei Angeschuldigte im Alter von 24 und 42 Jahren Anklage erhoben. Sie sollen sich auf Raststätten und Autohöfen an der A2 als Polizisten ausgegeben und von ausländischen Lkw-Fahrern Geld gestohlen haben. Das teilt die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Anfrage mit.
Gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug in 13 Fällen lautet der Tatvorwurf. Allerdings sei es in zehn Fällen bei einem Versuch geblieben. Mit der Anklage beschäftigt sich jetzt das Amtsgericht Wolfsburg, teilt Staatsanwältin und Pressesprecherin Isabelle Ohlms mit.
Finanzierung des Lebensunterhaltes
Doch was soll konkret passiert sein? Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt vor dem 30. April 2026 hätten die beiden Angeschuldigten beschlossen, zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes fortlaufend Fahrzeugführer, insbesondere Lastwagenfahrer, unter Vorspiegelung vermeintlicher Polizeikontrollen zur Herausgabe hoher Bargeldsummen zu veranlassen, berichtet die Staatsanwältin.
Die Angeklagten seien als Zwei-Mann-Team als falsche Polizeibeamte mit den jeweiligen Geschädigten in Kontakt getreten und hätten eine Kontrollsituation vorgetäuscht, um die Opfer zur Herausgabe möglichen „Falschgeldes“ zu bewegen. Erfolgte die Herausgabe des Bargeldes zu angeblichen Kontrollzwecken, entfernten sich die beiden angeblichen Polizisten umgehend vom Tatort.
Fahrer zur Flucht bereit
Einer der Angeschuldigten fungierte als Fahrer des Tatfahrzeuges. Er fuhr gezielt die Tatorte an, positionierte sich meist neben den zu kontrollierenden Fahrzeugen, um so eine schnellstmögliche Flucht zu ermöglichen. In einigen Taten verließ er ebenfalls das Fahrzeug und verweilte als zweiter Beamter auf der Beifahrerseite, um die fingierte Kontrolle bestmöglich zu unterstützen. Als Fahrer war er derjenige, der nach dem Einsteigen des „kontrollierenden Beamten“ schnellstmöglich die Flucht antrat.
Der weitere Angeschuldigte bekleidete sich vor Tatbeginn mit einem „zivilpolizeiähnlichen“ Outfit – einer schwarzen Weste, Aktentasche und einem vermeintlichen polizeilichen Ausweisdokument. Während der Taten war er der „kontrollierende Beamte“, der die Geschädigten sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache ansprach. Er führte fingierte Polizeikontrollen durch und fragte nach Ausweisdokumenten, Betäubungsmitteln und schließlich nach Falschgeld. Kam es zur Aushändigung des Geldes, nahm er es an sich und entfernte sich vom kontrollierenden Fahrzeug, berichtet Ohlms.
Nur Ausländer angesprochen
Die Angeschuldigten hätten durch die ihnen zur Last gelegten Taten einen Betrag in Höhe von 3.720 Euro erlangt. Bei den geschädigten Personen handele es sich ausschließlich um ausländische Personen, bei denen die Angeschuldigten davon ausgehen konnten, dass diese keine konkreten Kenntnisse über das Aussehen und die Vorgehensweise von deutschen Polizeibeamten hatten.
Die Taten seien in der Zeit vom 30. April bis zum 5. Mai 2026 an den folgenden Tank- und Rastanlagen verübt worden: Autohof Schwülper, Röhrse-Süd, Zweidorfer Holz Süd, Röhrse-Nord, Essehof-Süd, Essehof-Nord, Autohof Lehre-Wendhausen und Helmstedt Süd. Ähnliche Fälle in Lehre und Wolfsburg-Heinenkamp, über die die Polizei im Dezember 2025 und im August 2023 berichtet hatte, seien auch untersucht worden. "Die von Ihnen angeführten früheren Taten waren ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen. Den hier Angeschuldigten waren die Taten nicht nachzuweisen. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden", erklärt Isabelle Ohlms.
Observiert und überwacht
Im Rahmen der Ermittlungen wurden die Angeschuldigten observiert und die Telekommunikation der Angeschuldigten wurde überwacht. Bei den Durchsuchungen der Wohnungen der Angeschuldigten konnten ein selbst erstellter Polizeiausweis, Kleidungsstücke, die wie Ausrüstung von Zivilpolizisten aussahen, und Bargeld im vierstelligen Eurobereich sichergestellt werden.
Die Angeschuldigten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Wann es zum Prozess kommt, ist noch unklar.

